Von Drachen, Albinos und alten Männern

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2 Mai 2011, Von: The Brain
Geposted in: The Brain
Von Drachen, Albinos und alten Männern

Ein herzliches Hallo all meinen treuen Lesern!

Bevor ich Euch demnächst an dieser Stelle die Gründe für meine lange Schreib-Abstinenz schildere, möchte ich Euch heute erzählen, was bei einer Pokernacht-Aufzeichnung hinter den Kulissen wirklich abgeht. Man kann sogar die ödeste Pokernacht so zusammenschneiden, dass Tempo und Spannung vorgegaukelt werden. Daher habe ich mich weder durch Dauerregen, Super-Stau, vom Himmel fallende Vogelscheiße noch sonstige Widrigkeiten davon abhalten lassen, live vor Ort im Studio zu sein, um Insider-Informationen zu ergattern.

Ergänzend den Artikeln in den NEWS hier meine objektiven und vor allem subjektiven Eindrücke.

Tritt ab, alter Mann!

Als alten Mann bezeichne ich beim Fußball Michael Ballack. Ein verdienter Spieler, der jedoch den Zenit seines Könnens überschritten hat und das Spiel nur noch verzögert. Nach dem Auftritt des 44-jährigen Raab gab ich ihm spontan den Namen „Alter Mann“ des Fernseh-Poker. Er war eine echte Zumutung für die Studiogäste, wirkte ausgebrannt, desinteressiert und stellte immer wieder dieselben dämlichen Fragen.

„Wir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wieder haam.“ – Nein:


tvtotal2
Fehlte bei der Pokernacht: Dealerin Steffi (links).

Wir wollen unsere Dealerin Steffi wieder haben!

Ihr kennt sie alle. Hüftlange rote Haare wie Rapunzel, Sommersprossen. Die international erfahrene Dealerin Steffi aus dem Raum Bielefeld. Umsichtig, freundlich, souverän, unauffällig, charmant, kompetent. Hat auch in vielen Pokernächten mitgewirkt. Und was hatten wir dieses Mal für eine Kartengeberin?

Gaby aus der benachbarten Alpenrepublik, in der die Sacher-Torte heimisch ist. Besserwisserisch, herrisch, fauchend, unfreundlich, ohne jedwedes Fingerspitzengefühl. Ein Drache, wie er im Märchenbuch steht. Auf die Frage, ob sie die Karten gemischt habe, antwortet sie schnippisch: „Nein, das war der kleine Mann da unten!“ und deutet auf die Kartenmisch-Maschine.

Fehlte nur noch, dass sie tatsächlich Feuer spuckt.

Elton 4 President!

Der einzige Brillenträger in der Runde ist ein guter, erfahrener Pokerspieler. Ein Haifisch im Vergleich zu seinen Kontrahenten. Er wäre mein Wunschkandidat für die Nachfolge des alten Mannes. Apropos Brille. Erfrischend war der Umstand, dass niemand eine Pokerbrille trug.

Schluss mit diesen Albino-Qualifikanten!

Erneut ein „Flaschen-Pinkler aus dem Computer-Keller“. Keine Aura, keine Ausstrahlung, keine Persönlichkeit, ohne die Fähigkeit, die Gegner verbal zu verunsichern und sich so einen beim Live-Poker wichtigen Vorteil zu verschaffen.

Der Cantz der kann’s!

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich vor der Promi-Recherche noch nie etwas von einem Guido Cantz gehört hatte.

Welch ein Versäumnis. Der Mann ist absolut Klasse, rettete die Show, so gut es ging. Vielleicht gründe ich ja einen örtlichen Cantz-Fanclub :D .


guido cantz
Guido Cantz - "Wascostas?"

Hier einige Auszüge seiner vielen witzigen Sprüche: Der alte Mann sagt zu einem anderen Spieler „Dreihundert kostet das Mitgehen.“ Cantz: „Das sagen doch sonst nur die Damen auf der Reeperbahn!“

Raab fragt: „Was kostet das?“ Guido: „Der alte Grieche! Wascostas.“ Eine regionale Rivalität führt zu folgendem Dialog: Stefan fragt „Wie viel hat der Marko jetzt gewonnen, 10.000?“ Der Porzer: „Nun lass ihn doch. Der kommt aus Leverkusen, der hat nichts!“

Die Ex-Talkshow-Queen

Ich habe als männlicher Jäger wohl das evolutionär gewachsene tiefenpsychologische Gefühl, bei einer lesbischen Beziehung zwei potentielle „Beutestücke“ vorenthalten zu bekommen. Aber ich bin ja auch psychisch sehr krank und gestört sowie offensichtlich intolerant.

Bei der längst geouteten Vera stört mich das allerdings wenig. Sie passt ohnehin nicht in mein Beuteschema. Das mag ungalant klingen, aber so ist das nun mal. Wer im Rampenlicht steht, muss sich kritisch beäugen lassen. Und es ist nur meine persönliche, subjektive Meinung. Höchstwahrscheinlich besitzt sie zur Kompensation die viel wichtigeren positiven Charaktereigenschaften.

Selbst bin ich kein Adonis, sondern habe mein Schlachtgewicht überschritten. Das heißt wohl verschleiernd „adipös“.

Steht die Produktionsfirma vor der Pleite?

Seit ich das letzte Mal vor gut einem halben Jahr als Zuschauer die Pokernacht besuchte, hat sich eine Menge geändert. Die Zahl der an der Produktion beteiligten Mitarbeiter hat sich etwa halbiert. Nur noch eine Maskenbildnerin statt früher drei. Kein eigens zum Scheibenputzen der Holecard-Kameras eingeteilter Bühnenarbeiter. Keine breitschultrigen Bodyguards, keine Begleitpersonen für Toilettengänger mehr. Auch fehlt das Eincheck-Personal, dadurch kein Personalausweisabgleich, keine Einwilligungserklärungen, keine Bekleidungsbegutachtung.


TV-Total-publikum
TV Total Publikum - 89 zahlende Zuschauer?

Mit einem einfachen Polo-Shirt, Jeans und Lederschuhen war ich erneut overdressed. Kapuzenjacken, Kappen, Sandalen, kurze Hosen. Egal, scheißegal. Sicherheitsdefizite, egal. Hauptsache, Personal einsparen und Produktionskosten senken, war mein Eindruck.

Man scheint das Geld so nötig zu haben, dass nicht verkaufte Tickets per Email ehemaligen Zuschauern wie mir 5 Tage vor dem Produktionstermin angeboten wurden. Eine chaotische Buchhaltung lässt Schlimmes erahnen.

Erst erhielt ich eine Zahlungserinnerung „Zahlen Sie bis zum 5. Mai…“ obwohl ich bereits bezahlt hatte und die Sendung deutlich VOR dem 5. Mai aufgezeichnet wurde, dann eine Zahlungseingangsbestätigung am Tag der Aufzeichnung zu einer Uhrzeit, als die Sendung schon vorbei war.

Die 4. Arschkarte an diesem Tag zog ich, als alle anderen, im Besitz einer orangefarbenen Eintrittskarte befindlichen Zuschauer durch gewunken wurden, ich mit meiner Buchungsbestätigung und dem Überweisungsbeleg weiter warten musste. Endlich erhielt ich das leuchtende Ticket mit der Nummer 89. Da ich der Letzte war, ergibt das auch exakt die Zahl der Zuschauer.

Die lange Wartezeit (von 13:30 bis 16 h) hat System. Das war schon beim letzten Mal so. Man will offensichtlich auf Kosten der zahlenden Gäste sicherstellen, dass keine verspäteten Gäste Zugang zum Studio begehren.

Im Studio ein Informationsdefizit, das einem Blindflug gleich kam. Kein Kommentar aus der Sprecherkabine zu hören, keine Hole- oder Community-Cards zu sehen. Letztere weder auf dem Tisch noch auf einem der altersschwachen Röhrenmonitore, die aus einer Zeit stammen, als man einen 66cm-Bildröhrendurchmesser noch für riesig hielt. So helligkeitsgesättigt und kontrastlos, dass man rein gar nichts erkennen konnte.

Gepaart mit der gähnenden Langeweile, einem Zombie namens Raab, langen und häufigen Werbeunterbrechungen ist es kein Wunder, dass die Zuschauer scharenweise vorzeitig nach Hause gingen. Auch ich wäre gegangen, hätte ich nicht meiner Chronistenpflicht nachkommen müssen. Ich erwäge jedoch, meinen Chefredakteur nach einem Schmerzensgeld zu fragen…

Den wissbegierigen unter Euch empfehle ich morgen einen Besuch auf den NEWS von Pokerzeit.com, dann werden wir mehr als 30 Stunden vor der Ausstrahlung bereits den kompletten Turnierverlauf veröffentlichen.

Liebe Leser, besucht mich recht bald wieder in meinem Blog. Bis dahin rufe ich Euch zu: „Rettet den Wald, esst mehr Spechte!“

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Bond Tschovi 2013-12-21 15:12:26

"Gaby aus der benachbarten Alpenrepublik, in der die Sacher-Torte heimisch ist. Besserwisserisch, herrisch, fauchend, unfreundlich, ohne jedwedes Fingerspitzengefühl. Ein Drache, wie er im Märchenbuch steht." Mit diesen Attributen wäre Gabi niemals für diesen Job in Erwägung gezogen worden. Keine Frage, Steffi ist klasse, aber Gabi ist kein Drache und auch nicht unfreundlich. Die Sache mit dem kleinen Mann unterm Tisch empfand ich als gelungenen Witz.

Stringcall 2011-05-03 03:58:09

Ich koomme aus Leverkusen-Opladen und sage nur:
das schönste an Köln ist die Autobahn nach Düsseldorf.

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