Olympiasieger wird Pokersieger bei TV Total

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Wer (wie ich) glaubte, das spielerische Niveau dieser Pokersendung könne nicht weiter sinken, irrte. Pustekuchen, es geht immer noch ein wenig schlechter.

Meine Berichterstattung beginnt daher erst in der 63. Minute. Rechtzeitig zum Fold eines Nutstraights durch Jeanette Biedermann, einer Schauspielerin (GZSZ), Popsängerin (Band "Ewig", Ein Schritt weiter) und Texterin.

Die einzige Frau der Runde hielt mit Q/J bei einem Rainbow-Board von 10-2-4 - 9 - K die Nuts, foldete jedoch. Selbst Kommentator Michael Körner bemerkte: "Das ist kein BVB-Poker, sondern allenfalls Wolfsburg. Ein Novum, dass die Nuts gefoldet werden."

Na ja, es war die erste Pokerpartie der Berlinerin (32). Dann bekam sie Asse, callte das All-In des Qualifikanten Hans aus Sachsen. King-Kong bekam keine Hilfe auf dem Board und Hans wurde so entscheidend geschwächt.

Der nette, kahlköpfige Zimmermann (41, Live-Poker-Erfahrung) ging short All-In mit Pocket-Sechsen gegen Raabs KoJak. K-A-5 - Q - 8. Erster Seat open. Schade.

Raab konnte zeitweilig an die starke Leistung der letzten Sendung anknüpfen, war lange Zeit Chipleader. Den verhalten beginnenden Münsterländer Jonas Reckermann (33) pflaumte der Gastgeber an: "Bist Du Olympiasieger oder Memme?".

jeanette biedermann
Hat keinen Universitätsabschluss - Jeanette Biedermann.

Der Beachvolleyballer gab später die richtige Antwort. Zu jedem All-In bis zum Heads-up wurde der Refrain des neuen Pokersongs des Multitalents gespielt "All-In, alles auf Risiko".

Promoten kann er, ohne Frage. Noch aus Sch... Gold machen. Sozusagen ein neuzeitlicher Alchimist. Eltons Reaktion auf die Werbe-Dröhnung, zu Raab gewandt: "Alles Risiko.. - Dein Spiel ist ein Griff ins Klo."

Nun zu Boris, Mitglied der Hip-Hop-Gruppe "Fettes Brot". König Boris. Bürgerlich als Boris Lauterbach vor 38 Jahren geboren in Hamburg. Kein Wunder, dass mir dieser „Promi“ noch nicht einmal vom Namen her bekannt war.

Seine spieltechnische und verbale Präsenz war so blass wie ein Albino. Obwohl er von Körner angekündigt war als "pokererfahren". Mit J-7s ging er All-In gegen Titelverteidiger Raab, dessen A/J ihn aus dem Saal katapultierten. Der Albino hatte sich outfitmäßig mächtig ins Zeug gelegt.

Aber gegen diese Fundamentalblässe halfen weder Springerstiefel, Turnhose, Hosenträger, Fliege, Ohrring, ein Hut wie der von Oliver Hardy noch eine schwarze, großflächig ins Gesicht gemalte Doppelraute. Und Tschüss!

Als Dritter verabschiedete sich Elton, offensichtlich noch verunsichert vom Desaster des letzten Events. Ausgerechnet gegen seinen Erzfeind Mr. Großkotz flog er als Dritter aus dem Turnier, nachdem er preflop mit A/T All-In gegangen war

Stefans Ass-Kicker Dame zog. Da waren's nur noch drei. Bei Blinds in Höhe von 700/1400 war es dann endlich soweit. Der Poker-Blindflug der unvorteilhaft gestylten Bild-Schlagerkönigin 1998 (streng nach hinten gekämmte Haare mit Dutt, Ohrringe so lang wie bei einer Indianerin oder Zigeunerin, Plateau-Sohlen) wurde gestoppt von unserem Olympiasieger in London (dort mit Partner Julius Brink).

Der hochgewachsene, sympathische Rotschopf bastelte sich mit T/7 einen Straight bei einem Board von A-9-8 - 6 - 6. Fragt mich bitte nicht nach den Holecards der netten Jeannette. Ich hab's in meiner Freude nicht notiert.

Selbst die sonst so souveräne Dealerin Steffi hatte Erbarmen mit der Poker-Novizin. Als diese zum wiederholten Male passte, obwohl sie im Bigblind hätte checken können, schob sie ihr die Karten wieder zurück.

jonas reckermann
Ein weiterer wichtiger Titel in der Karriere von Jonas Reckermann.

Grenzwertig bis unzulässig. Mitleid eben, weibliche Solidarität vielleicht. Für die Telenovela-Darstellerin aber endlich die Gelegenheit, die Toilette aufsuchen zu dürfen.

Als sie zuvor gefragt wurde, warum sie denn auf dem Stuhl hin und her wippe, gab sie zur Antwort. "Ich muss so dringend pinkeln! Das kannst Du Dir gar nicht vorstellen." Heads-up. Reckermann vs. (versus/gegen) Recke Raab. Blinds 2000/4000. Raab ist deutlicher Chipleader.

Er baut durch ultra-aggressive Spielweise seine Führung aus. Dann geht Raab nach dem Flop einmal zu oft spontan All-In. Mit 9/3. Wird mehr als dominiert von Jonas' Pocket-Niner. 2-3-A  - 7 - 6.

"Fuck, fuck, fuck", tobt der Moderator alles andere als moderat herum. Wie Rumpelstilzchen. Durch diesen gewonnenen Pott liegt jetzt Jonas chipmäßig vorn. Sieben Minuten nach dieser Hand, um 01:47 Uhr, der finale Showdown. K/Q von Jonas gegen A/T von Stefan, der auf seinen Stuhl springt, die Hände wie zum Beten ineinander verschränkt und nach oben streckt. Extrem hoher Pulsschlag, Adrenalin pur.

Doch der Pokergott zeigt dem Flehenden die kalte Schulter und das Board 3-3-6 - Q - Q. Die anderen Mitwirkenden stürmen auf die Bühne. "Wie war's?" "Na ja, der Stefan labert immer und das direkt neben mir!"

Retourkutsche des Altmeisters: "Wenn ich nichts sage, wer dann? Da könnten wir auch einen Stummfilm machen!" So ist er nun mal, der Stefan Raab. Nicht klein zu kriegen und immer das letzte Wort haben wollen. Bis zum nächsten Mal, schon in etwa einem Monat.

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