TV total - Augen-Schmaus & Poker-Graus

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15 Oktober 2010, Von: The Brain
Geposted in: Blog
TV total - Augen-Schmaus & Poker-Graus
Ich will einen Blick hinter die Kulissen werfen, bestelle im Internet von mediabolo.de für €12,50 eine Eintrittskarte für die Aufzeichnung der TV Total Pokernacht. Den Betrag muss ich überweisen, die Karte gibt es am Veranstaltungstag gegen Vorlage des Personalausweises vor Ort.

Wie immer kann ich schlecht schlafen, wenn ich am nächsten Tag einen Termin habe. Ab 04:30h bin ich wach, um 9:30h fahre ich los. Nicht mit meinem roten Blitz, sondern einem geliehenen, komfortablen Volvo 850. Der Tausch erfolgte auch wegen des Zigarettenanzünders für das Navi. Den hat mein €500-Auto nicht. Über die A33, A44, A1.

stau
Einfache, stressfreie Anreise.

Kurz vor Dortmund meldet der Verkehrswarnfunk einen 10 km langen Stau bei Burscheid. Also nehme ich die Ausweichstrecke über die A45 sowie A4 und damit einen Riesen-Umweg in Kauf. Gegen 12:30h bin ich in Köln-Mülheim, Schanzenstraße 22 im Medienpark angekommen.

Parkplätze satt. Beim Empfang wird mir gesagt, dass der Check-in nicht um 13:30h, sondern erst gegen 14:15h erfolgt. Die Produktionsfirma hat wohl schlechte Erfahrungen hinsichtlich der Pünktlichkeit des Publikums gemacht.

In der Eingangshalle des großen sechsstöckigen Backsteingebäudes lockt ein Fastfood-Restaurant (Subway). Auf dem Linoleum-Boden befinden sich beschriftete weiße Linien, die zu unterschiedlichen Zielen führen. Fast so, wie im „Stargate-Center" - nur, dass dort die Leitlinien farbig sind.

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Unscheinbare Fassade - Aufzeichnungsort der Pokernacht.

So ziemlich alle Gegenstände müssen an der Garderobe (1128 Kleiderhaken-Plätze) abgegeben werden, selbst Zigaretten, Feuerzeuge und Kugelschreiber. Meinen Ausweis will man nicht sehen, als ich endlich an der Reihe bin, nur die Buchungsbestätigung. Ich muss eine grüne Karte ausfüllen, verzichte auf meine Rechte am eigenen Bild, werde jedoch nicht zur Verschwiegenheit verpflichtet. Jetzt heißt es nochmals warten, etwa 20 Minuten. Dann werden zuerst die geladenen Gäste in den Sicherheitsbereich eingelassen, unter die ich mich gemischt habe. Das kauft mir jeder ab, habe ich mich doch so gekleidet, wie von der Produktionsfirma ausdrücklich gewünscht:

tvtotal-schild
Sicherheitsbereich - Einlasskontrolle wie am Flughafen.

Sportlich elegant. Ein Blick auf die übrigen Gäste zeigt mir, dass ich overdressed bin. Fast alle anderen Zuschauer tragen Turnschuhe, Jeans und T- oder Sweatshirt. Die Einlasskontrolle ist so streng wie am Flughafen. Der ganze Körper wird abgetastet, die Hosen- und Jackettaschen überprüft, ein Metalldetektor kommt zusätzlich zum Einsatz. Ich will nicht riskieren, des Gebäudes verwiesen zu werden. So gebe ich meinen Mini-Digital-Camcorder vorher ab, platziere jedoch eine ähnlich große Zigarettenschachtel in der linken Socke oberhalb des Knöchels. Sie wird nicht gefunden. Mist, dann wäre ich auch mit Digi-Cam ins Studio gekommen.

norbert
Brain total. Keine Rechte am eigenen Bild? - Die Krawatte erklärt's.

Ein Kugelschreiber, den ich für Notizen im Jackett hatte, wird gefunden und konfisziert. Also heißt es, sich nur auf das leistungsschwache Gedächtnis zu verlassen. Ich ahne Schlimmes. Im Studio bekommt jeder der etwa 150 Gäste einen Platz auf einer der 3 Stahlrohr-Tribünen zugewiesen. Ich sitze direkt hinter der Aufnahmeleiterin in der zweiten Reihe der Haupttribüne ganz außen. 18 Stühle in einer Reihe, 5 Reihen übereinander. Auf der Nord- und Südtribüne finden nur 6 Personen nebeneinander Platz. Als keiner mehr kommt, werden die 5 freien Stühle kurzerhand weggeräumt. Es soll der Eindruck erweckt werden, als sei die Veranstaltung ausverkauft.

Die Studiodekoration ist in gelb, grün und rot gehalten. 5 Kameras, von denen jede mindestens eine Viertelmillion kostet, sind im Einsatz. Die 6 Stracks sind auf dem schwarzen Pokertisch bereits aufgebaut, ein Mitarbeiter säubert mit Glasreiniger und Küchenrolle gerade die Scheiben für die im Tisch eingelassenen Holecard-Fensterchen. Das wiederholt sich in jeder Werbepause. Einige Techniker kriechen unter dem Tisch in einem Gewirr von Leitungen herum, um letzte Verkabelungen vorzunehmen. Dann werden wir begrüßt von der schlampig angezogenen, aber tüchtigen und kompetenten Aufnahmeleiterin Nicole.

TVtotal
Raab am Tisch - „es den Stümpern mal so richtig zeigen".

Die Studioregeln werden erklärt, der Applaus als Soundcheck eingeübt. Dann kommt die neue Moderatorin rein. Rattenscharf! Die bräuchte eigentlich einen Waffenschein für ihr „kleines Schwarzes", das eng anliegend die Brust und den Po des höchstattraktiven Körpers betont. Um wen es sich dabei handelt, wird morgen hier auf POKERZEIT.COM verraten. Dann lüften wir auch das Geheimnis, welche Promis heute um die €50.000 pokern. Hammer!

Auch Stefan Raab kommt kurz vor Aufzeichnungsbeginn allein ins Studio, kündigt großspurig an, dass er es den „Stümpern" heute mal so richtig zeigen wird. 5-4-3-2-Aplaus, die Sendung beginnt. Wir, das Publikum im Studio, sind abgeschnitten von allen Informationsquellen. Wir sehen nicht die Einblendungen der Holecards, hören nicht die Kommentatoren, oft genug auch nicht die leise Stimme der Dealerin, können beim Show-down die Karten auf dem Tisch nicht erkennen und - speziell ich mit meinen nachlassenden Sinneskräften - auch nicht deutlich genug auf den spiegelnden, kleinen Monitoren die Einblendungen der Community-Cards. Sozusagen ein pokertechnischer Blindflug.

TV-Total-publikum
TV Total-Publikum - die Lücken werden aufgefüllt.

Dafür sehen wir in den durch einen Jingle laut angekündigten etwa zehnminütigen Werbeunterbrechungen Dinge, die dem Fernsehzuschauer daheim verborgen bleiben. Schlagartig setzt mit dem akustischen Signal heftige Betriebsamkeit im Studio ein. Auf einem Rollwagen wird ein Kasten voller Getränkeflaschen zu den Spielern gebracht, die dann alle auf ein Glas verzichten und aus der Flasche trinken. Raab nimmt Cola, die anderen Wasser.

Der „Fensterputzer" kommt, die Maskenbildnerinnen wuseln an den Darstellern herum. Sie tupfen Schweiß ab, pudern, schminken nach, kämmen Haare, drapieren Kleidungsstücke neu. Techniker erneuern schadhafte Teile unter dem Tisch, die Security (drei stiernackige Männer mit Kurzhaarschnitt in eleganten, dunklen Anzügen mit Krawatte) ist in erhöhter Alarmbereitschaft, Zuschauer werden zur Toilette geleitet, der Schiedsrichter führt gemeinsam mit der Dealerin das Race for Chips durch, die Promis plappern miteinander oder dem Publikum, die Aufnahmeleiterin gleicht einem Derwisch, so hyperaktiv ist sie, Kabel werden verlegt, die Kameras in Position gebracht.

Lücken im Publikum durch zu lang abwesende Zuschauer werden durch Mitarbeiter aufgefüllt. Dann heißt es wieder von Nicole per Headset „Studio ist klar!" 5-4-3-2-klatschen. Rechnet man die Mitarbeiter der Ton- und Bildregie, Maske, Beleuchtung, Techniker, Kabelträger, Kameramänner, Personenschützer, Kommentatoren, Aufnahmeleitung und andere Spezialisten zusammen, kommt man auf eine Anzahl von mindestens 40 Personen, die bei der Aufzeichnung im Einsatz waren. Ein immenser Aufwand.

security
Security-Mitarbeiter - „Sie müssen schon wieder?"

In den ersten Werbepausen behaupte ich, zur Toilette zu müssen, werde die 200 Meter bis zur Sicherheitsschleuse begleitet und dort auch wieder abgeholt. Jetzt noch 50 Treppenstufen runter, befindet sich der großzügig dimensionierte Sanitärbereich nach weiteren 40 Meter auf der rechten Seite. In der ersten abschließbaren Toilette links zünde ich mir eine Kippe an, deponiere Schachtel und Feuerzeug unter dem Wasserrohr. Beim zweiten Suchtausflug besteht bereits Erklärungsbedarf. „Sie müssen schon wieder?". „Ich nehme harntreibende Medikamente!". „Oh, verstehe - aber gerne doch".

Anders als beim WDR, als ich eine Alfred-Biolek-Show besuchte und warme Snacks sowie Kölsch vom Fass im Eintrittspreis enthalten waren, gab es heute keine Raucherpause, nichts zu essen oder trinken.

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And the winner is...

Noch einmal würde ich nicht zu einer Pokernacht-Aufzeichnung fahren. Fahrtkosten für 450 Kilometer, Eintrittspreis, Zeitaufwand, lange Wartezeiten im Produktionsgebäude, eklatante Informationsdefizite, stark eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Vor dem Fernseher ist das Spektakel deutlich billiger, bequemer und interessanter. Einmal Studioatmosphäre schnuppern und bereits heute wissen, was demnächst gesendet wird, ist aber okay.

Nach der entscheidenden Hand im Heads-Up kommen alle Protagonisten auf die Bühne, der Geldkoffer mit den €50.000 Siegprämie wird überreicht. Stefan sagt gegen 19h „Liebe Gäste, das war's für heute. Kommen Sie gut nach Hause. Wenn es Ihnen gefallen hat, erzählen Sie es weiter. Sonst behalten Sie es für sich". Gegen 21:30h bin ich staufrei zu Hause, ein langer Tag.

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Norbert 2010-10-16 18:37:56

Cool down, Jensi-Boy.
Mein Fehler. Der Artikel steht schon seit Stunden im Netz. Allerdings nicht im Blog,
sondern unter NEWS/NACHRICHTEN.
Das hätte ich schreiben sollen. Ich bin aber
auch nur ein Mensch und vergesse mal was.

Jens 2010-10-16 18:33:18

He Alter - wo bleibt den die versprochene
aufklärung, welche idioten diesmal schlag den Raab spielen und wer diese heiße mieze is?!

Peter 2010-10-16 10:29:46

Auf die tussi im kleinen schwarzenfährst du wohl voll ab. Haste denn immer noch keine
pokerbraut gefunden? ir sehen uns sonntag
imm werrepark. wer baggert da im baggerloch, es ist der Norbert, der baggert noch:-)
pedder

maddox 706 2010-10-16 08:18:27

hier fehlen spieler die einen hohen unterhaltungwert haben zb pionier tl the brain oder der bekloppte aus bi oder solche pfeifen die bei pokerfreun.de spielen dann können sie die sendung sofort absetzen

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