Turnierszenarien: Auf der Bubble

Miranda Room

Pokerturniere - vor allem große MTT wie die Events bei der WSOP - sind eigene, abgeschlossene Universen, wenn es um die richtige Strategie geht.

Und es kommt immer wieder zu kniffligen Situationen, die sich deutlich von typischen Cash-Game-Szenarien unterscheiden.

Steigende Blinds, festgelegte Payout-Strukturen, eine begrenzte Zahl Chips und der Anteil, den man sich erlauben kann zu verlieren, sind mehrere Faktoren, die bei jeder Hand in Betracht gezogen werden müssen.

Ein typisches Szenario

Sie sitzen in einem $1500 NLHE Event bei der WSOP und wurden gerade an einen anderen Tisch gesetzt.

Es müssen nur noch wenige Spieler ausscheiden, bis die Geldränge erreicht sind. Etwa 500 Spieler werden bezahlt.

Blinds: 10.000/20.000

Stacks:

UTG: 1.254.000

MP: 780.000

CO: 130.500

Hero (Button): 620.000

SB: 430.600

BB: 1.890.100

Pre-Flop: (Pot= 30.000) Hero erhält Q Q

Ein Fold, MP erhöht auf 60.000, CO Fold, Hero Raise auf 180.000, zweiter Fold, MP Re-Raise auf 780.000.

Hero???

An dieser Stelle muss man mehrere Variablen in seine Überlegungen einbeziehen, um herauszufinden, welche Hand MP halten könnte.

Er hat erhöht und ist auf unsere Three-Bet all-in gegangen. Das kann bedeuten:

-         Er hält AA oder KK.

-         Er hat JJ oder sogar ein niedrigeres Pocket Paar.

-         Er hat AK.

-         Er glaubt, das Sie auf der Bubble stehlen möchten und blufft.

Jean-Robert Bellande
Jean-Robert Bellande schied beim 2-7 Championship auf der Bubble aus.

Jede dieser Möglichkeiten macht bei dieser Spielweise Sinn. Sehen wir sie uns noch einmal in umgekehrter Reihenfolge genauer an.

1) Bluff

Auf der Bubble wird viel gestohlen, und MP könnte genau das hier auch versuchen.

Ihre Three-Bet könnte er als Re-Steal interpretieren und all-in stellen, weil er davon ausgeht, dass Sie keine Hand halten, mit der Sie das Turnier riskieren würden.

Viele Spieler würden hier sogar KK oder AA folden, um kein Risiko einzugehen.

Also könnte dies ein Move sein, dessen Hintergrund einzig darin besteht, Sie zum Fold zu zwingen.

2) As-König

Sieht man sich den Handverlauf an, ist A-K durchaus eine realistische Überlegung.

Die Mehrheit der Spieler möchte mit A-K die Hand schon an dieser Stelle gewinnen, ohne den Flop zu sehen. Außerdem könnte es durchaus sein, dass Sie mit A-Q, einem Paar oder sogar A-J den Re-Raise angesetzt haben.

Daher ist der Push ein völlig reeller Move. Selbst wenn Sie Q-Q halten, hat er noch einen Coin Flip.

3) Pocket Buben

Mit JJ oder einem kleineren Paar könnte er all-in gehen, um Sie zum Fold zu bringen - mit dem Hintergedanken, bei einem Call immer noch einen Coin Flip zu haben.

Da er nicht seinen ganzen Stack riskiert (wenn auch einen großen Teil), wäre er auch dann nicht ausgeschieden, wenn er die Hand verliert.

4) Pocket Asse oder Könige

Schlussendlich würden die meisten Spieler Asse oder Könige genau so spielen.

Natürlich könnte man mit dieser Hand auch versuchen, eine Falle zu stellen, aber wenn man den Pot an dieser Stelle gewinnt, geht man kein Risiko ein.

Wenn Sie bezahlen, hat er erheblich bessere Chancen als Sie, den Pot zu gewinnen.

Was wollen Sie in diesem Turnier erreichen?

Wie Sie sehen, ist jedes dieser Szenarien vollkommen realistisch. Ohne zusätzliche Informationen können Sie nicht einmal ahnen, was Ihr Gegenüber gerade spielt.

Da dies aber Ihre erste Hand an dem Tisch ist, haben Sie keine zusätzlichen Informationen. Sie spielen praktisch blind.

Um eine Entscheidung zu treffen, müssen Sie sich darüber klar werden, was Sie in diesem Turnier erreichen wollen. Möchten Sie ins Geld kommen oder gewinnen?

Martin Derbyshire
Dert furchtsame Blick eines Spielers, der auf der Bubble ausscheiden wird.

Ist die Chance zu verdoppeln es wert, Gefahr zu laufen, kurz vor dem Geld zu scheitern?

Richtiger müsste die Frage lauten: Wie viel Geld ist das Buy-in für Sie? Normalerweise ist die erste Payout-Stufe kaum höher als das Startgeld.

Wenn es Ihnen auf das Geld nicht ankommt, ist der Call wahrscheinlich die richtige Entscheidung.

Wenn Sie Ihr Sparschwein geschlachtet haben, um bei diesem Turnier dabei zu sein, sollten Sie einen Fold ernsthaft in Betracht ziehen und erst dann Ihr Turnierleben aufs Spiel setzen, wenn Sie sicher sein können, dass Sie Ihr Geld zurückbekommen.

In manchen Situationen gibt es eben keine klaren Antworten, und der einzige, der Ihnen überhaupt eine Antwort geben kann, sind Sie selbst.

Im Idealfall hätten Sie natürlich eine ausreichend große Bankroll, um bei jedem Turnier voll auf Sieg spielen zu können - und Sie würden den Gewinn nicht dafür benötigen, Ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Leider trifft dieser Idealfall auf Sie nicht zu.

In der Realität kann es durchaus der richtige Weg sein, sich irgendwie ins Geld zu retten. Die Wahl liegt ganz bei Ihnen.

 

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