Turnier-Tipps vom Profi: Dermot Blain analysiert 19 Hände des WSOP Monster Stack

Dermot Blain

Mit Live-Turniergewinnen von über 1,8 Millionen Dollar und einem Vertrag bei Full Tilt Poker weiß der Ire Dermot Blain definitiv ein Menge über das korrekte Vorgehen in Live-Turnieren. Wer wäre also besser geeignet, einige Hände zu analysieren, die unser Kollege Lee Davy bei WSOP Event #51, dem $1.500 Monster Stack, gespielt hat.

Im Folgenden analysiert Blains seine interessantesten Hände und sagt euch, wie man als Anfänger an ein solches Turnier herangehen sollte.

Einführung

Die richtige Einstellung ist bei einem Turnier wie diesem extrem wichtig. Man darf sich auf keinen Fall von der Tatsache täuschen lassen, dass man zu Beginn mehr Chips als sonst hat.

Der Ansatz sollte immer derselbe sein: Vor allem in den ersten paar Stunden sollte man gutes, tight-aggressives Poker spielen.

Big Stack
Bei einem Deepstack Turnier wie dem WSOP Monster Stack hat man genügend Zeit auf gute Spots zu warten.

Achte genau auf schwache Spieler, die oft limpen und ohne Position oft callen, und versuche, diese zu isolieren bzw. Situationen zu erzeugen, in denen du in Position gegen sie antreten kannst.

Das Gute an einem solchen Turnier ist, dass man nach einem schlechten Auftakt – etwa einigen guten Händen, die aber nicht zum Gewinn des Pots reichten – immer noch genug Chips hat und nicht in Panik verfallen muss.

Ein guter Tipp für die Teilnahme an WSOP-Turnieren ist auch, immer auf die Tischnummer und die Reihenfolge zu achten, mit der die Tische aufgelost werden. Es bringt nichts, sich auf Kraftproben mit Spielern einzulassen, wenn der Tisch in Kürze aufgelöst wird.  

Bei größeren Stacks sind niedrige Paare, Suited Aces und Suited Connectors wertvoller, da du oft Nuts-Hände bekommst, die sich bei mehreren Spielern gut spielen lassen und oft den gesamten gegnerischen Stack gewinnen.

Wichtig ist auch: Gewinnst du in den ersten beiden Stunden jeden Pot, hat das keine besonders große Auswirkung auf deine Aussichten im Turnier. Auch mit 600 BB sollte man daher geduldig bleiben.

Vergiss nicht, nach Erreichen des Preisgeldes beträgt der durchschnittliche Stack etwa 30 BB.

Handanalysen 

Hand 1

Ich raise mit A 2 aus erster Position auf 75 und bekomme drei Caller. Der Flop bringt Q 9 3, ich mache eine Contibet mit 150 und beide Blinds callen. Auf dem Turn kommt der K und alle checken. Der River bringt die 7, der Small Blind setzt, der Big Blind raist und ich folde.

Analyse

Aus meiner Sicht ist der Eröffnungs-Raise in Ordnung, wenn du anschließend nach einem Reraise foldest. Der gefloppte Nut Flush Draw bietet gute Möglichkeiten zum Semibluffen und gegen einen niedrigeren Flush kann man einen riesigen Pot gewinnen.

Nut Flush
Mit einem Nut Flush Draw können sich im weiteren Verlauf der Hand interessante Semi-Bluff-Gelegenheiten ergeben.

Im ersten Level würde ich eher mit A2s als mit ATo raisen, da gefloppte Trips Zweien mehr Potential haben als Trips Zehnen.

Gut gespielt. Ich wäre genauso vorgegangen.

Hand 2

Ich raise mit A 9 im Highjack (HJ) und der Cut-Off (CO) callt. Der Flop bringt 4 4 3 und ich checkfolde nach seiner Bet.

Analyse

Gegen einen schwachen Gegner ist der Check-Fold gut, gegen einen starken Gegner aber knapp. Ich bevorzuge eine niedrige C-Bet.

Aus meiner Sicht gewinnt man oft genug, außerdem will ich meinen Gegner nicht zu vielen Calls verleiten, weil er denkt, ich würde nach dem Flop nicht aggressiv weiterspielen.

Hand 3

UTG raist auf 75 und es gibt drei Caller. Ich fülle im BB mit J T auf. Der Flop bringt J 5 2 und der Raiser setzt Pot. Ein Spieler callt und ich folde.

Analyse

Guter und disziplinierter Fold. Zu Beginn spielen die meisten Gegner nach einer Bet und einem Call ziemlich schnörkellos. Dein Top Pair ist auf einem Board, das einen Flush ermöglicht, wenig wert, daher ist der Fold gut.

Hand 4

CO bringt einen Eröffnungs-Raise auf 150 und ich reraise aus dem SB mit Damen auf 300. Der Flop bringt A93. Ich setze 350, er callt. Das Board bringt noch einen Buben und eine Zehn, nachdem wir beide checkten. Er hat A 4 und gewinnt den Pot.

Analyse

Da du bei Stacks über 500 BB keine Position hast, solltest du höher reraisen.

Mit dem kleinen Reraise schaffst du es nicht, sein Spektrum zu definieren, dabei hast du gegen sein sehr breites Spektrum eine sehr starke Hand.

Dies ist eine günstige Situation, um mit einer starken Hand ein paar Chips in den Pot zu bekommen. Sei optimistisch und trau dir nach dem Flop etwas zu.

Angesichts des konkreten Verlaufs ist die niedrige Bet auf dem Flop gut, wobei eine andere Möglichkeit darin bestünde, einige schwache Angriffe zu checkcallen, da ihn die seltsame Höhe deines Raises auf verrückte Ideen bringen könnte!

Hand 5

Ein Spieler in früher Position raist auf 150. Ich calle in Position mit AK und der SB callt ebenfalls. Der Flop bringt KT6 in drei Farben, der Raiser checkt, ich setze 300 und nur der Small Blind callt. Auf dem Turn mit der 5 checkcallt er 600 und auf dem River mit der 8 checkcallt er 1.100. Ich zeige meine Hand und er muckt.  

Analyse

Gut gespielt. Die Hand zeigt die Vorteile, mit einer starken Hand vor dem Flop nur zu callen.

Hand 6

Ein Spieler in früher Position bringt einen Eröffnungs-Raise auf 200 und ich reraise in später Position mit AA auf 400. Der Flop bringt AT8, ich setze 400 und er foldet.

Analyse

Wieder ist dein Reraise zu niedrig, 550 wären viel besser gewesen.

Eine gute Faustregel lautet, „große Hand, großer Pot, kleine Hand, kleiner Pot.“ Du hast die Nuts und Position, daher solltest du versuchen, einen großen Pot aufzubauen.

Große Hand großer Pot
Eine der wichtigsten Regeln lautet: "Große Hand, großer Pot, kleine Hand, kleiner Pot."

Willst Du außerdem mit einigen schwächeren Händen vor dem Flop stehlen, solltest du mehr setzen und deshalb generell höher reraisen. 

Hand 7 

Ein Spieler in früher Position raist auf 200, ich reraise in mittlerer Position mit QQ auf 400 und er callt. Der Flop bringt KJ3 und er checkcallt 300. Der Turn bringt ein Ass und der River eine Sieben und ich gewinne die Hand.

Analyse

Wieder solltest du mit deiner Premiumhand vor dem Flop mehr setzen. Der Verlauf ist eklig und du hast Glück, dass du gewinnst. Bring mit deinen starken Händen mehr Chips in den Pot.

Hand 8

Ein Spieler in früher Position raist auf 150, ich calle im CO mit K T und der Button callt auch. Der Flop bringt A Q 6, er setzt 225, ich calle, der Button foldet. Der Turn bringt die 7, er checkt, ich setze 400 und er foldet.

Analyse

Gut gespielt. Du hättest auf dem Flop mit deinem sehr starken Draw raisen können, allerdings foldet er nie mit einem Ass und es könnte sein, dass er dich blufft, nachdem du getroffen hast, weil er glaubt, dich mit einem schwachen Ass oder einer schwachen Dame zum Folden bekommen zu können. Gut gespielt.

Hand 9

Ich raise aus UTG+1 mit A Q und werde von einem guten Spieler in später Position auf 625 gereraist. Ich calle und folde auf einem Board mit J64 nach einer C-Bet.

Analyse

Schwierig. AQo würde ich ziemlich oft folden.

Vor allem vor Einführung der Antes solltest du nicht davon ausgehen, dass ein guter Spieler in dieser Situation mit schwächeren Händen reraist. Da deine Hand suited ist, ist der Call aber gut. Der Flop ist mies, daher musst du leider checkfolden.

Hand 10

Der CO bringt einen Eröffnungs-Raise, der Button reraist auf 325, ich calle im SB mit Zehnen. Der Flop bringt Q99, der CO setzt 225, beide Gegner callen. Auf dem Turn mit einer 7 setzt er 600 und ich folde.

Analyse

Merkwürdige Hand! Eine 4-Bet vor dem Flop wäre eine Option, treibt aber die Varianz in die Höhe.

Den Flop musst du vermutlich callen, allerdings gefällt mir die Situation nicht. Ich glaube nicht, dass er hier jemals mit einer schwächeren Hand als Zehnen die Initiative ergreift.

Es gibt keine Alternative, sondern du musst auf dem Turn folden.

Hand 11

Ich bringe aus früher Position einen Eröffnungs-Raise mit A K und werde erneut von einem guten Spieler auf 525 gereraist. Ich calle, der Flop bringt Q 9 5 und beide checken. Nach der T auf dem Turn setze ich 625 und er raist auf 1.550. Ich folde.

Analyse

Wieder eine schwierige Situation. Da du eine sehr starke Hand hast, könntest du eine 4-Bet bringen, um seine 5-Bet mit einem All-In zu beantworten (ohne weitere Informationen schwer zu sagen).

Je nach Gegner kann das Standard oder völliger Unsinn sein. Nach dem konkreten Verlauf gefällt mir die Donk Bet auf dem Turn nicht.

Da er auf dem Flop checkte, hat er vermutlich etwas und wird deshalb auf dem Turn praktisch nie folden (Mit Schrott hätte er auf dem Flop vermutlich immer gesetzt).

Für besser halte ich auf dem Turn Check-Call. Du hast einen Gutshot zu den Nuts und zwei Overcards, und manchmal sogar die beste Hand.

Mit einem Check verhinderst du auch einen gegnerischen Bluff-Raise, nachdem du deine Equity aufgeben musst.

Hand 12

Ich calle im Big Blind mit QJo nach einem Eröffnungs-Raise des CO und wir checken die Hand auf einem Board mit 9658A durch. Er hat einen König und gewinnt (hätte ich auf Turn oder River setzen sollen?).  

Analyse

Ja, mir gefällt eine Bet auf dem Turn, da du den Gutshot zu den Nuts und zwei Overcards hast. An dieser Stelle ist das Board für dein Spektrum besser als für seins. 

In seinem Spektrum sind viele Hände mit einem Ass oder einem König als höchste Karte, daher kann eine Bet nie schlecht sein.

Auf dem River würde ich allerdings nie setzen, da er oft Hände mit einem Ass hat und es gut sein kann, dass er callt.

Hand 13

Ein Spieler in früher Position raist und bekommt einen Caller in später Position. Ich calle mit TT im SB und der BB raist auf 900. Ich bin der einzige Caller. Der Flop bringt J65 mit zwei Kreuz und ich checkcalle 900. Der Turn bringt den K und beide checken. Auf dem River kommt eine niedrige Karte (kein Kreuz), ich checke und er setzt 1.100. Ich folde. (Anmerkung: Vor dem Flop callte ich nur, um ein Set zu treffen, redete mir dann aber ein, dass er viele AK/AQ-Kombinationen in seiner Range hat.)

Analyse

Haha, in der Situation war ich schon oft und ich weiß, wie schwer ein Fold auf dem Flop ist.

Hältst du sein Spektrum für so tight, ist Check-Fold auf dem Flop wohl der beste Spielzug, auch wenn es wehtut.

Hand 14

SB limpt und ich checke im BB mit QJo. Ich setze auf dem Flop mit AJT und er foldet.

Analyse

Mir gefällt ein Check auf dem Flop, da du vorne liegst und er kaum Outs hat. Außerdem foldet er nicht, wenn er mit einem schwachen Ass limpte.

Mit einem Check provozierst du gelegentlich einen Bluff auf dem Turn, gegen den du weit vorn liegst.

Hand 15

Ich limpe im SB mit A 3 und der BB checkt. Der Flop bringt 834 mit zwei Kreuz und ich checkcalle 200. Der Turn bringt die 2 und ich checkcalle 600. Der River bringt den J und ich checkcalle wieder, verliere aber gegen ein Set Zweien. (Anmerkung: In dieser Hand gingen ein wenig die Gäule mit mir durch. Sie wurde sehr schnell gespielt und ich dachte nicht über seine Range nach. Stattdessen redete ich mir ein, er hätte einen geplatzten Flush Draw, weil er so schnell setzte.)

Triple Barrel
Wenn ein Gegner in so einer Situation drei Barrels abfeuert, sollte man sich das später im Turnier zu Nutze machen.

Analyse

Außer gegen einen starken Gegner raise ich vor dem Flop. Im konkreten Verlauf ist der Call bis zum River etwas ambitioniert, wenn der Gegner kein Maniac ist.

Die Zwei hilft vielen Semi-Bluffs, außerdem bluffen viele Gegner in ungeraisten Pots selten. Auf dem Flop kann man checkcallen, auf dem Turn sollte man wohl folden, spätestens aber auf dem River.

Blufft er tatsächlich dreimal in dieser Situation, kann man ihm nur viel Glück wünschen.

Hand 16

Ich bringe in UTG ein Raise mit QQ auf 400 und Button und BB callen. Der Flop bringt JJ9, ich setze 600 und der Button callt. Den Turn mit einer weiteren Neun checken beide. Der River bringt eine Sieben, ich setze 700 und er callt mit Zehnen.

Analysis

Gut gespielt. Mir gefallen die Pot-Kontrolle auf dem Turn und die Value Bet auf dem River.

Hand 17

Der HJ bringt einen Eröffnungs-Raise auf 500, ich reraise mit A3o vom Button auf 1.650 und er callt. Der Flop bringt QT8 und wir checken beide. Nach einer Neun auf dem Turn setzt er und ich folde. (Ich spielte recht tight, hatte einen Blocker und den Button und hielt die Situation für günstig.)

Analyse

Gut gespielt. Vor allem in Phasen mit ausschließlich schlechten Karten muss man gelegentlich einen Steal einstreuen. Du hast ein gutes Image, einen Blocker und Position.

Allerdings solltest du etwas niedriger raisen. 1.300 bis 1.450 reichen aus und machen den Bluff billiger. Hässlicher Flop und auf dem Turn musst du aufgeben.

Hand 18

Ein Spieler in früher Position raist auf 575, der HJ callt und ich reraise im CO mit Assen auf 1.750. Alle folden.

Analyse

Standard … aber senke deine Raise-Höhe. Du hast Asse und willst Action! 1.350 reicht locker aus.

Hand 19

Die Hand, mit der ich ausschied. Ein älterer Spieler bringt aus mittlerer Position einen Eröffnungs-Raise auf 650. Ich habe auf dem Button K 9. Normalerweise folde ich, aber der ältere Spieler war ängstlich und passiv und wurde von den andern schikaniert. Ich hielt die Situation daher für günstig und callte.

Der Flop brachte T 9 3. Er setzte 1.500. Ich wusste, dass ich nach einem Raise um meinen gesamten Stack spiele. Ich überlegte einen Call, um die Lage auf dem Turn neu zu bewerten. Offensichtlich war ich ungeduldig und wollte unbedingt verdoppeln.

Ich raiste auf 4.000 (und hatte noch 7.500 behind.) Er hatte etwa 3.000 mehr als ich. Er überlegte ewig und callte schließlich. Der Turn brachte die Q, er checkte und ich ging All-In. Wieder überlegte er ewig, ehe er schließlich callte. Ich muss zugeben, dass ich bei meinem All-In nicht über seine Range nachgedacht hatte.

Nach dem Flop-Raise war ich bereits pot-committed. Als er ewig überlegte, dachte ich, dass er Buben hätte. Der River brachte die 3 und das Turnier war für mich vorbei.

Analyse

Aus meiner Sicht gut gespielt. Du floppst eine starke Hand, mit der ein Raise nie schlecht sein kann.

Vor dem Flop hättest du dagegen durchaus folden können. Diese Art von Gegner raist sehr tight und dominiert dich daher oft.

Aufgrund der Tatsache, dass er vorher herumgeschubst wurde, hätte ich ihn hartnäckiger eingeschätzt. Das bedeutet, dass du die eine sehr starke Hand brauchst.  

Auf dem Flop ist es sehr knapp. Gegen seine Range stehen die Chancen vermutlich ziemlich exakt bei 50 zu 50.

An dieser Stelle würde ich mir folgende Fragen stellen:

  • 1. Verdoppelt er mich mit einer Hand wie JJ, wenn ich treffe?
  • 2. Kann ich stehlen, wenn gefährliche Karten kommen?
  • 3. Was macht mein Gegner mit Buben und Zehnen, wenn ich auf dem Flop raise? (Bessere Hände foldet er vermutlich nie.)

Mir gefällt, auf dem Flop zu callen und viele Turns zu raisen. Im konkreten Verlauf sieht es nach seinem Call auf dem Turn übel aus.

Alles kommt darauf an, ob du glaubst, dass er mit Zehnen oder Buben zu einem Fold in der Lage ist. Wenn ja, ist ein All-In großartig, wenn nicht, solltest du checken und auf einen Treffer hoffen.

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