Triple Barrel – zwei Kritiken und ein Lobesfall

triple Bush Arnie morph
Eine Triple Barrel der politischen Art.

Daniel Negreanu gewinnt und teilt aus, Neil Channing versteht die Welt nicht mehr, und Phil Hellmuth hat einen neuen Lieblingsspieler.

Die Triple Barrel zeigt Ihnen heute, welche Spieler auch nur Menschen sind – und welche Menschen nur Spieler.

DNegs schmäht Dwan

Daniel Negreanu ist ein Freund offener und klarer Worte – und auch vieler Worte.

Jetzt erschien bei PokerPlayer.co.uk ein Interview mit dem WSOP APAC Champion, in dem er sich überraschend negativ über einen der Weltstars im High Stakes Poker auslässt: Tom „durrrr“ Dwan.

Offenbar hält Negreanu das Wunderkind aus Jersey für allgemein überschätzt.

„Ich halte ihn nicht für einen der besten [der Welt]“, sagt Negreanu.

„Ich bin nicht einmal sicher, ob er je dazugehört hat. Nach seinen Auftritten bei High Stakes Poker wurde er in den Himmel gelobt, weil er gut gespielt hat und er gut für ihn gelaufen ist, aber offen gesagt wendet er nicht genügend Zeit auf und spielt derzeit nicht genug [um wirklich zu den Besten zu gehören].“

Daniel Negreanu
"Vertragsspieler halten sich besser an die Regeln" - Daniel Negreanu.

„Die Top-Spieler lecken sich die Lippen, wenn sie die Chance bekommen, gegen Dwan heads-up zu spielen.“

Vielleicht war Negreanu ja ein bisschen sauer, nachdem Dwan bei dem Wettkampf Full Tilt gegen PokerStars vier Stunden zu spät gekommen war und damit sowohl die Spiele als auch die Medien komplett blockiert hatte.

Von diesem Tag stammt nämlich das Interview.

„Die Medien sind nicht gerade seine besten Freunde, deshalb kümmert er sich nicht um sie“, erläutert Negreanu.

„Aber wenn man ein Vertragsspieler ist und für so etwas bezahlt wird, dann hält man sich besser an die Regeln, sonst fehlt einem der Respekt für den Arbeitgeber und das Spiel. Wem das nicht passt, der soll keinen Patch tragen.“

Deutliche Worte. Mehr davon finden Sie im Original-Interview.

In weit besserer Laune sehen Sie Daniel Negreanu hier bei seinem Sieg im WSOP APAC Main Event. Die Videos sind gerade erst erschienen!

Dicke Luft im Fahrstuhl

Neil Channing ist seit vielen Jahren Stammgast an den Pokertischen der ganzen Welt, aber auch regelmäßiger Kommentator von Pokershows im britischen Fernsehen.

Außerdem ist er ein typischer Engländer: mit knochentrockenem Humor und Sinn für Etikette, aber auch Angst vor peinlichen Gesprächspausen. In seinem Blog kann es dazu zum Glück gar nicht kommen.

In einem voll besetzten Fahrstuhl in Las Vegas erfuhr er zufällig, dass ein nur wenige Zentimeter neben ihm stehender Mann soeben den „Millionaire Maker“ gewonnen hatte.

Sein Glückwünsche wurden von allen Umstehenden ignoriert, was Channing völlig „shocking“ fand.

Auch an den Tischen fiel ihm im Lauf der WSOP auf, dass gerade die höher dotierten Turniere zunehmend von schnöseligen Pseudo-Profis frequentiert werden, die sich offensichtlich in einem ständigen „Wettstreit darüber befinden, wer von ihnen das größte Arschloch ist“.

Neil Channing
Frisst das Spiel sich selbst? - Neil Channing.

Lautes, selbstverliebtes Geplapper, ohne Rücksicht auf Interesse oder Zuhörer, und am besten mit möglichst viel Jargon versehen, damit sich der Amateur am Tisch auch wirklich wie ein Idiot vorkommt, weil er nichts versteht.

Gerne wird dann auch noch über dessen letzten Spielzug abfällig gesprochen, und zwar natürlich in dessen Beisein.

Gleich mehrere Brüche der grundlegendsten Poker-Etikette also, ohne sich darüber Gedanken zu machen.

Was, fragt sich Neil Channing, ist hier los? Einfach nur kein Repsekt vor dem Alter, wie schon Aristoteles beklagt hat? Auf jeden Fall benehmen sich viele Spieler wie die letzten Menschen.

Klar, es darf sich auch jeder einen dicken Kopfhörer aufsetzen und nebenher Open Face Chinese spielen – obwohl es vielleicht schlauer wäre, sich auf den Live-Event zu konzentrieren, den man gerade spielt.

Wo aber ist der Spaß am Spiel geblieben? Wenn dieser nicht mehr da ist, so räsoniert der Engländer mit spitzer Zunge, da frisst das Spiel sich am Ende selbst. Wer will denn mit solchen Typen stundenlang am Tisch setzen?

Ohne Spaß kein Spiel, sagt Channing. So einfach ist das. Und wir stimmen zu.

Hellmuths Hymne

Phil Hellmuth ist bekanntlich ein freundlicher, umgänglicher, humorvoller und bescheidener Spieler, überzeugter High Staker und sponsorfreier Selfmade-Millionär.

Ach nein, halt, das ist Phil Gruissem, Hellmuth ist der, der immer rumschreit und auf den Boden trommelt, wenn was schiefgeht. Egozentrisch, aufbrausend, unberechenbar.

Shaun Deeb
Bei solchen Komplimenten gerät man ins Träumen - Shaun Deeb.

Andererseits ist Phil Hellmuth unzweifelhaft der beste Turnierspieler seit Stu Ungar, und deshalb ist ein Lob aus seinem Mund ebenso selten wie wertvoll.

Dieses hier bekam nun Online-Phänomen Shaun Deeb, und verglichen zu werden mit Chip Reese, das ist nun wirklich ein Ritterschlag.

Ist das womöglich schon die einsetzende Altersweisheit bei Phil Hellmuth? Wir der eines Tages ein freundlicher alter Shark, wie es Doyle Brunson hoffentlich noch lange sein wird?

Ein Tweet wie eine Verbeugung:


 

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare