Tri Nguyen – Interview und Buchverlosung

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Wenn ein professioneller High Roller und Pokerautor ein neues Buch herausbringt, erregt das eine Menge Aufmerksamkeit. Wir rufen Tri „SlowHabit“ Nguyen einfach mal an und fragen ihn, warum es für so viel Gesprächsstoff sorgt.

Nguyens neues Buch, How I made my first Million from Poker, ist ein Manifest für die heutige, junge Spielergeneration. Es beschäftigt sich hauptsächlich mit den vielen kleinen Dingen, die man abseits des Tischs tun muss, um das eigene Potenzial voll auszuschöpfen.

Außerdem finden Sie hier eine Besprechung von Tri Nguyens neuem Buch.

PokerListings.com: Was war der Hauptgrund für dieses Buch und was willst Du Pokerspielern damit auf den Weg geben?

Tri “SlowHabit” Nguyen: Hauptsächlich ging es mir um Folgendes: Ich habe das Gefühl, dass viele Spieler die mentalen Komponenten des Spiels einfach nicht genug würdigen und nicht gut auf ihre geistige Gesundheit achten.

Wenn jemand sein Spiel verbessern will, geht es immer um Strategie. Da heißt es dann: Wie spielt man A-K oder eine andere Hand noch besser, oder so. Das ist zwar hilfreich, aber nicht so wichtig wie Selbstmanagement.

Der Prozess kann langwierig sein, und er braucht seine Zeit. Doch wenn man letztlich ein “Profi” geworden ist und weiß, wie man mit sich selbst umgehen muss, die eigenen Grenzen begreift, auf Körper und Geist achtet, die richtigen Partien auswählt und Situationen aus dem Weg geht, die eine Menge Geld kosten können, spielen die spieltechnischen Veränderungen kaum noch eine Rolle. Man hat seinen Platz für lange Zeit gefunden.

Es ist schwer, einem erfolgreichen Spieler begreiflich zu machen, dass er noch mehr lernen muss. Aber wenn man nur die aktuell beste Strategie zur Verfügung hat, gewinnt man zwar momentan Geld, verliert jedoch eventuell den Anschluss, wenn sich die Spielbedingungen in der Zukunft ändern.

how i made my first million
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PokerListings.com: Abgesehen von den Einnahmen, die du natürlich mit dem Buch erzielen wirst und die auch in dem Buch thematisiert werden, worin besteht bei einem Projekt wie How I made my first Million from Poker dein persönlicher Gewinn?

Häufig höre ich, dass Pokerspieler kein erfüllender Beruf sei. Das mag in mancher Hinsicht stimmen, aber es kann sehr erfüllend sein, andere Spieler zu trainieren, Bücher zu schreiben oder Videos zu produzieren.

Jeden Morgen freue ich mich, wenn ich nach dem Aufstehen die vielen Emails lese, in denen sich Leute für die Bücher bedanken und dafür, wie sie ihnen weitergeholfen haben. Das ist ein gutes Gefühl.

Dieses Buch war besonders schwer zu schreiben, weil es sehr subjektiv gehalten ist. Ich habe etwa zwei Jahre dafür benötigt.

In Let There Be Range lernt man, wie man mithilfe von Spektren Hände analysiert, und in Exploiting Regulars zeige ich, wie man gegen routinierte Spieler gewinnt. Aber das neue Buch basiert auf meiner persönlichen Erfahrung als Pokerspieler, daher fiel mir das Schreiben schwerer. Ich war erleichtert, als ich damit fertig war.

Außerdem erzielt man mit einem Buch passive Einkünfte, ein Thema, das ich darin ebenfalls anspreche.

Als professioneller Pokerspieler kann man bei einem anhaltenden schlechten Lauf das Gefühl bekommen, dass das ganze Leben zerbricht. Man hat plötzlich Angst, seine Rechnungen nicht mehr bezahlen zu können, und man fürchtet, nie wieder zu gewinnen, obwohl die eigene Erfahrung dem widerspricht.

Ein Buch, das für ein zweites Einkommen sorgt, und die Gewissheit, am Ende des Monats keine Sorgen wegen unbezahlter Rechnungen zu haben, machen es einem viel einfacher, bei einem Downswing den Tisch zu verlassen.

Außerdem: Je besser man wird und je höher man spielt, desto weniger geht es um Quantität. Natürlich muss man weiterhin viele Hände spielen, aber es geht mehr um Qualität, denn die Gegner sind besser. Bei weniger Fischen am Tisch muss man sich konstant voll konzentrieren, um weiterhin gute Ergebnisse zu erzielen und profitabel zu spielen.

 

PokerListings.com: Schlägt man das Buch auf, sieht man als Erstes das Vorwort von Barry Greenstein. Wie froh bist Du darüber, dass dieses Buch als Weiterführung von Greensteins Ace on the River verstanden wird?

Ich war überglücklich, als Barry damit einverstanden war, das Vorwort zu schreiben.

Die Geschichte ist ziemlich witzig. Als ich vor sechs oder sieben Jahren auf dem College war, hatte ich das Glück, dass mir ein Exemplar von Barrys Buch in die Hände fiel, und für mich warf es Fragen auf. Warum zum Beispiel erzählte er mir etwas vom Lebensstil eines Live-Profis, während ich doch wissen wollte, wie man bestimmte Hände richtig spielt und damit im Casino Geld gewinnt.

Damals ergab das keinen Sinn für mich, doch als ich dann Profi war, änderte sich das dramatisch. Barry hat begriffen, dass auf den höheren Limits kein großer spielerischer Unterschied zwischen Dir und Deinen Gegnern besteht, sondern dass es dort mehr um das Selbstmanagement geht, mit dem man sich in eine bessere Ausgangsposition bringt.

Mit meinem neuen Buch möchte ich dasselbe erreichen, aber meine Zielgruppe sind die jungen Online-Spieler.

Ich weiß nicht, wie das ist, 40 oder auch nur 30 Jahre alt zu sein. Meine Tipps sind mehrheitlich sehr offensiv formuliert, und zwar deshalb, weil ich mich an 18-24-Jährige richte, denen nicht so einfach beizubringen ist, dass sie besser auf sich aufpassen müssen.

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60 Prozent des Spiels gehören den mentalen Aspekten.

PokerListings.com: Du unterscheidest zwischen den technischen und den mentalen Aspekten des Spiels, die mit Lebensstil, Lebensfreude, Gesundheit usw. zu tun haben. Wie wichtig ist diese mentale Komponente Deiner Meinung nach?  Und setzt sie voraus, dass man bereits ein technisch starker Spieler ist?  

Müsste ich es in Prozent ausdrücken, würde ich das Verhältnis mit 60 zu 40 beziffern. Dabei sollten 60 Prozent der Zeit für die mentale Komponente aufgewendet werden.

Wenn man Handanalyse, die richtige Spielweise auf Flop und Turn und all das beherrscht, was man für den Erfolg auf den niedrigen Limits braucht, nimmt die Bedeutung der mentalen Komponente immer mehr zu. Man spielt besser, lernt mehr und hat mehr Energie für die Verbesserung seines Spiels, wenn man sich gut fühlt.

Aus diesem Grund liest man auch von so vielen guten Spielern, dass sie seit dem Schwarzen Freitag nichts mehr auf die Reihe bekommen. In Zeiten wie diesen braucht man Hoffnung und Energie, um weiter zu spielen.

Leider schaffen viele das nicht. Es ist schon Ironie, dass viele sich Poker verschrieben haben, weil sie das Spiel so lieben und damit ihren Lebensunterhalt verdienen wollten, und jetzt nach wenigen Jahren ihren Traum wieder aufgeben.

PokerListings.com: Für viele Anfänger ist Pokerprofi ein Traumberuf, und obwohl nicht alle erfolgreich sind, hat jeder dieselbe einmalige Chance. Bist Du glücklich, Pokerprofi zu sein, und welche Chancen siehst Du für andere junge Menschen, die bereit sind, hart an sich zu arbeiten?

Müsste ich auf einer Skala von 1 bis 10 mein Glück bewerten, Pokerspieler geworden zu sein, würde ich 100 sagen.

Ich bin davon überzeugt, dass junge Leute soviel ausprobieren sollten wie möglich, um herauszufinden, was sie wollen und was sie glücklich macht. Wenn man dabei auch noch Geld gewinnen kann, umso besser.

Wer früh viel Geld verdient, kann später aggressiver vorgehen, unabhängig davon, ob es um Investitionen geht, um Studien oder etwas Anderes.

Eigentlich ist es fast ein bisschen ungerecht, dass es Poker gibt. Als ich zum Beispiel auf dem College war, verdiente ich schon mit 19 oder 20 Jahren mit Poker eine Menge Geld, und nach meinem 21. Geburtstag durfte ich ins Casino und gewann dort sechsstellige Summen.  Wenn ich also studieren oder ein Projekt starten will, kann ich dieses Geld dafür verwenden, während viele meiner Freunde auf Praktikumsplätze hoffen oder nebenher arbeiten müssen.

Ich weiß nicht genau, was sie tun, aber nach dem, was ich so höre, sind die Jobs nicht so toll.

PokerListings.com: Glaubst Du, dass Poker-Anfänger eine realistische Vorstellung davon haben, wie viel Arbeit im Erfolg steckt?

Ich bin mir absolut sicher, dass die meisten davon keine Ahnung haben. Es ist eben kein normaler Beruf, aber deshalb lieben wir ihn doch auch so sehr. 

Als ich viel spielte, dachte ich Tag und Nacht nur an Poker. Ich träumte sogar davon, wie man eine Hand richtig spielt. Am Morgen spricht man als Erstes über die Hände der letzten Session, und wenn man mit dem Spielen aufhört, redet man auch über Hände.

In den meisten anderen Berufen ist das wohl nicht der Fall.

PokerListings.com: Thanks Tri.

 

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