Toni Vardjavand – Alles oder Nichts

Toni Vardjavand

Einer der Pokerpioniere erzählt von Ray Bitars Millionenangebot für PokerOlymp, der frühen Dominanz von PartyPoker und dem meistverkauften Pokerbuch der Welt.

Er ist zweifellos einer der Pioniere des deutschen Poker-Business. Mit 32 gründete Toni Vardjavand die erste deutsche Pokernews-Seite „PokerOlymp“. Ein Jahr später den ersten deutschen Pokerbuch-Verlag „PokerBooks“.

Mittlerweile kümmert sich der gebürtige Iraner wieder mehr um seine gastronomischen Projekte. Wir trafen Toni während eines PLO-Side Events der EPT Berlin.

Toni, du warst einst Mister PokerOlymp und stehst nun wieder als Privatperson zwischen den Pokerspielern. Weiß die junge Generation eigentlich wer du bist?

Die jetzt Anfang 20-Jährigen eher nicht. Müssen sie aber auch nicht. Ich genieße es, nach den wirklich wilden Jahren des Pokerbooms wieder meine Ruhe zu haben.

Ich fahre noch zu der EPT in Berlin und dann im Sommer nach Vegas. Ansonsten konzentriere ich mich wieder auf mein Kerngeschäft, die Gastronomie. Da war ich ja schon vor meinen Poker-Aktivitäten zu Hause.

Du hattest eine Disko ...

partypoker highstakes
Der erste Marktführer: PartyPoker.

Genau. Ich habe mit einem Partner eine Großraum-Diskothek geführt. Aber ich war eben auch schon 1995 Teil der deutschen Pokerszene.

Man kann das ja heute selbst nicht mehr glauben, wenn man daran denkt, dass während der Europameisterschaft 1995 kein einziger Tisch No Limit Holdem gespielt wurde.

Ab wann habt ihr da gemerkt, dass jetzt bald der große Rubel rollt?

Es gab schon verrückte Geschichten. Ich kann mich noch erinnern, wie 2004 herum ein Typ Werbung für PartyPoker in den Casinos machte.

Man hätte sofort Partner werden können. Wir haben den nur ausgelacht – und der wenig später uns.

Die Nacht vor dem Pokerboom in Deutschland ...

Ja, und dann wurde es schnell ziemlich verrückt. Vor allem 2006 sind dann Dinge passiert, von denen hätte sich keiner was träumen lassen.

dan harrington
WSOP-Champ 1995 und Erfolgsautor Dan Harrington.

Es gab Affiliates, die mehrere tausend Spieler pro Woche an die Pokerräume vermittelten. Für eine „Vermittlung“ gab es zwischen 200 und 500 Dollar.

Wer sich damals klug angestellt hat, musste hinterher mit Sicherheit nie wieder arbeiten.

Du selbst hast allerdings auch nicht den schlechtesten Riecher gehabt. Immerhin hast du die erste Pokernews-Seite in deutscher Sprache und den ersten deutschsprachigen Poker-Verlag gegründet.

Ich war damals Hobby-Spieler und ein Freund von mir hat gesagt, dass wir auf diesem Markt aktiv werden sollten. Unsere Idee war es, Geld mit Poker-Büchern und mit einer Pokernews-Seite zu verdienen.

Der Beginn von PokerOlymp ...

Ja, das war das erste Projekt. Wir gingen 2006 an den Start und schon ein Jahr später saß Ray Bitar, der CEO von FullTilt bei uns im Büro.

Sein Angebot: eine Million Euro. Wir haben abgelehnt.

Wie bitte?

Wir hatten mittlerweile ein paar andere Hauptgesellschafter und die hatten nie Interesse, mit irgendeiner Newsseite oder einem Magazin ein paar Tausend Euro Gewinn im Monat zu machen.

Das Motto war mehr: wenn unsere Vision die richtige ist, machen wir ein paar Millionen. Wenn nicht, gibt es eben ein paar hundertausend Verlust.

Welche Vision?

Wir wollten ein ganzes Soziales Netz werk um Poker herum aufbauen. Zwar war das noch vor dem großen Facebook-Erfolg, aber die Konkurrenz war trotzdem schon zu groß.

Die „Normalos“ waren bei StudiVZ und die Poker-Nerds bei TwoPlusTwo. Trotz sehr potenter Partner hatten wir da keine Chance.

2+2
Zu große Konkurrenz durch andere Foren.

Und habt irgendwann verkauft ...

Ja, letztes Jahr an Pokerlistings.com. Ende 2010 oder Anfang 2011 ist uns klar geworden, dass sich die Investitionen nicht mehr auszahlen würden.

Also wurde nicht mehr investiert.

Wir hatten ja von Anfang an nicht auf Affiliate-Deals gesetzt und der Traum vom Poker-Network materialisierte sich nicht.

PokerOlymp hat damals eigentlich nie schwarze Zahlen geschrieben. Aber so ist das Geschäft.

Gilt das auch für euren Verlag Pokerbooks?

Nein. Das war von Anfang an eine Erfolgsgeschichte. Wir hatten ja die ausgezeichneten Kontakte zu den Machern von TwoPlusTwo. Und die haben uns dann alle Rechte an ihren Büchern vermacht.

Was ist das erfolgreichste Pokerbuch in deutscher Sprache?

Harrington on Holdem Teil 1. Davon haben wir über 20.000 Stück verkauft, was in diesem Buch-Sektor eine wirklich beeindruckende Zahl ist.

Toni Vardjavand
Nur noch PLO - Toni Vardjavand.

Schon mit etwas Abstand dahinter rangiert Gus Hansens „Every Hand Revealed“. Von diesen Büchern verkaufen wir immer noch 200-300 Stück jeden Monat.

Ein Selbstläufer war dieses Projekt aber sicherlich auch nicht?

Die Qualität der Übersetzungen haben wir uns einiges an Zeit und Geld kosten lassen. 2007 wussten wir, dass das richtig gut werden könnte.

Wir mussten für unsere ersten vier bis fünf Veröffentlichungen zwischen €100k und €200k in die Hand nehmen. Aber das hat sich gelohnt.

Im Ergebnis haben wir dann Anfragen von diversen anderen Verlagen bekommen, ob wir auch ihre Poker-Bücher übersetzen können.

Einer unserer Spezialisten auf diesem Gebiet ist ja Rainer Vollmar, der ja mittlerweile auch an der Qualität von PokerZeit maßgeblich beteiligt ist.

Du warst ja lange Zeit selber aktiver Pokerspieler. Nie Lust auf eine Profi-Karriere gehabt?

Na ja, ich war ja in den Boom-Jahren recht erfolgreich musste aber letztlich akzeptieren, dass Andere viel mehr Zeit in die Vervollkommnung ihrer Fähigkeiten investiert haben.

Ich fand das nie schlimm. Mittlerweile hab ich auf NLHE gar keine Lust mehr und spiele PLO, wenn überhaupt.

Du hattest einst die Spürnase für das Potential des deutschen Pokermarktes. Wie sieht die allgemeine Zukunft des Poker-Business aus?

Das hängt ganz von den Entwicklungen in den USA ab. Wird dort der Markt unter 100 Anbietern zerstückelt, erwartet uns die totale Dominanz von PokerStars und damit auch eine gewisse Stagnation.

Sollte dem Weltmarktführer auf dem größten aller Märkte allerdings ein schwergewichtiger Gegenspieler erwachsen, wird es wohl schon bald eine gewaltige Revitalisierung des globalen Poker-Business in all seinen Bereichen geben.

Für die Szene wäre das sicher das deutlich reizvollere Szenario.

Toni Vardjavand - größte Erfolge

  • Juli 2005, €1.500 NLHE, Velden Masters, 1. Platz: € 41.000        
  • Nov 2006, €2.000 NLHE, Deutsche Pokermeisterschaft Berlin, 3. Platz: € 21.420          
  • Mai 2010, €1.500 NLHE, PokerOlymp Open Hamburg Main Event, 1.Platz: € 26.740

 


Info:

Toni Vardjavand

Varahram „Toni“ Vardjavand kam im April 1974 in Teheran zur Welt. 1985 ist seine Familie nach Deutschland ausgewandert und in Hamburg sesshaft geworden.

Seit seiner Volljährigkeit ist Vardjavand als selbstständiger Gastronom in Hamburg und Umgebung erfolgreich.

Poker spielt er seit seiner Schulzeit, erst Seven Card Stud, dann NLHE und mittlerweile nur noch PLO.

 

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Finn-Dietmar 2013-05-03 06:35:45

Hi Christian,

super Interview - vielen Dank!

Grüße