Tilt – Wenn Pokerspielern die Gäule durchgehen (4)

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20 Januar 2015, Von: Rainer Vollmar
Geposted in: PokerZeit Blog , Featured
Tilt – Wenn Pokerspielern die Gäule durchgehen (4)

Erkennen und Bekämpfen von Tilt

Nachdem wir in den ersten Teilen illustrierten, wie es zu Tilt kommt, folgt nun der wichtigste Teil – der Kampf gegen den Tilt.

liv boeree running
Liv Boeree weiß, wie man Tilt kontrolliert.

Getreu dem bereits zitierten Motto „Man sieht nur, was man weiß“, kann Tilt auch nur der Spieler erkennen, der über seine Emotionen Bescheid weiß.

Laut einer berufenen Spielerin wie Liv Boeree sollte man seine Emotionen überprüfen, bevor man sich an den Pokertisch setzt, um dann entsprechend reagieren zu können.

Entscheidend, so Boeree, sei es zu akzeptieren, dass Emotionen eine natürliche Reaktion auf gute bzw. schlechte Ereignisse sind.

Das allein aber reicht natürlich noch nicht aus, um Tilt zu bekämpfen bzw. abzulegen, wenn er sich eines Spielers bemächtigt.

Am wichtigsten ist vermutlich, sich klar zu machen, wie teuer Tilt sein kann. Dazu führen wir eine kleine Beispielrechnung durch.

Die (potenziellen) Kosten von Tilt

Beispiel: Spieler A ist ein recht erfolgreicher NLHE-Spieler. Er spielt im Internet NL100 und hat sich bei einer stabilen Gewinnquote von 3BB/100 Händen etabliert.

Allerdings ist er recht anfällig für Tilt, und er weiß auch, dass er gelegentlich die Kontrolle verliert.

Erwischt er eine richtig miese Session, kann es durchaus passieren, dass er wütend wird und einen ganzen Stack verblufft.

In seltenen Fällen gelingt der Bluff zwar, doch wollen wir aus Gründen der Vereinfachung annehmen, dass Spieler A immer 100BB einbüßt, wenn er die Beherrschung verliert.

Da er in Normalform 3BB pro 100 Hände gewinnt, braucht Spieler A 3.333 Hände, bis er seinen letzten Tilt wettgemacht hat.

euros
Tilt kostet Nerven, aber vor allem Geld.

Als Full-Ring-Spieler schafft er in der Stunde an mehreren Tischen problemlos rund 300 Hände, womit er mehr als 11 Stunden braucht, um den verlorenen Stack zurückzugewinnen.

Noch einmal, zur Wiederholung: Spieler A muss über 11 Stunden in Normalform pokern, um einen einzigen Ausraster auszugleichen.

Rational dürfte dieses Beispiel jedem Pokerspieler einleuchten, und doch kommt es immer wieder zu solchen Ausrastern.

Entscheidend ist daher, seine Emotionen wahrzunehmen und darauf reagieren zu können – eine Qualität, die jeder ernsthafte Pokerspieler besitzen sollte.  

Wer merkt, dass er nicht mehr vollständig Herr seiner Sinne ist, sollte diese Tipps befolgen, um wieder in die rechte Spur zu kommen:

Tipps bei Tilt

- Bei allen Tilt-Arten: Aufhören, Pausieren = Effekt: emotionale Abkühlung, neuer Konzentrationsaufbau

- Lesen von Büchern und Artikeln = neue Inspiration, Konzentration auf die grundlegenden Techniken

- Bei loose-aggressivem Tilt: Wechsel auf ein Micro-Limit, um dort mit Stacks um sich zu schmeißen = Aggressionsabbau mit deutlich geringeren Kosten

- Bei tight-passivem Tilt: Wechsel auf ein etwas niedrigeres Limit = neues Selbstvertrauen, Erreichen der alten Sicherheit

- Bei Schönspielerei: Bewusste Konzentration auf Standard-Poker, weniger Bluffs, weniger FPS = Rückbesinnung auf „gutes“, tight-aggressives Poker

- Bei ABC-Poker: Bewusste Konzentration auf zusätzliche Bluffs, mehr Check-Raises, mehr Overbets = Abkehr vom formelhaften Spiel, Entwickeln neuer Ideen, Sammeln von neuem Selbstvertrauen

buddha
Achten Sie auf Ihr inneres Gleichgewicht..

Fazit

Kein Pokerspieler ist so erfolgreich, dass er sich regelmäßigen Tilt leisten könnte.

Unterm Strich bleibt somit jedem ernsthaften Spieler nichts anderes übrig, als sich mit seinen persönlichen Tilt-Tendenzen auseinanderzusetzen und, vor allem, zu arrangieren.

An erster Stelle stehen die genaue Beobachtung der eigenen Gemütsverfassung beim Poker (Introspektion) und das möglichst frühzeitige Erkennen der eigenen Gefühle.

Wer es schafft, Tilt häufiger zu erkennen, bevor er größeren Schaden anrichten kann, und daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen, wird auf Dauer deutlich erfolgreicher sein.

Das ist das Ziel, und das sollte für jeden Spieler Motivation genug sein!

Lösung der Aufgabe aus Teil 3:

  • 1. Loose-aggressiver Tilt - Motiv Rachsucht
  • 2. Tight-passiver Tilt - Motiv Ungewohntes Limit, Verlustangst
  • 3. Schönspielerei - Motiv Mangelnde Umsicht, Alkohol

 


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Die Tilt-Serie:

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

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