Tilt – Wenn Pokerspielern die Gäule durchgehen (2)

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6 Januar 2015, Von: Rainer Vollmar
Geposted in: PokerZeit Blog , Featured
Tilt – Wenn Pokerspielern die Gäule durchgehen (2)

Nach unserer Einführung in die Welt des Tilt beschäftigen wir uns nun mit den zentralen Fragen rund um das Thema.

In Teil 2 versuchen wir aufzuklären, warum ein Spieler überhaupt auf Tilt geht. Danach beschäftigen wir uns mit den verschiedenen Arten von Tilt und schließlich mit den Gegenmaßnahmen.

Warum geht ein Spieler auf Tilt?

In der Vorstellung der meisten Pokerspieler besteht Tilt darin, aus Wut über einen Bad Beat oder eine länger anhaltende Pechsträhne wild zu setzen oder insgesamt zu loose zu spielen.

Tilt ist aber ein viel weiter gefasstes Problem und bezeichnet zunächst einmal nur, dass ein Spieler nicht mehr auf normalem Niveau spielt.

Auslöser sind oft Pech und unglückliche Niederlagen, es können aber ganz unterschiedliche Faktoren wie Glück, Pech, Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, Euphorie oder Alkohol bzw. Drogen die Ursache sein.

Alle genannten Phänomene lösen Emotionen aus (oder sind bereits welche) und sorgen dafür, dass der Spieler nicht mehr rein „rational“, sondern in erhöhtem Maße „emotional“ spielt.

Wann ein Spieler auf Tilt kommt, ist völlig unterschiedlich, und auch das Ausmaß des Tilts ist individuell verschieden.

Eines gilt aber für fast alle Spieler (außer dem schon erwähnten Chip Reese) – sie sind mehr oder weniger anfällig für Tilt.

sheikhan matusow poker players on tilt
Manchmal sind es einzelne Spieler, die einen zur Weißglut bringen.

Zur Illustration, was Tilt auslösen kann und wie dieser aussehen kann, hier einige Beispiele:

1. Spieler A findet Spieler B aus irgendwelchen Gründen unsympathisch.

Spieler A beschließt, Spieler B zu zeigen, wer der bessere Spieler ist, ihm permanent auch mit schwächeren Händen gegenüber zu treten und ihn zu vernichten.

Als Konsequenz spielt er zu aggressiv.

2. Spieler C versucht sich an einem höheren Limit als gewohnt. Die gestiegenen Einsätze sind eine emotionale Belastung für ihn und er spielt vorsichtiger als normal und damit zu passiv.

3. Spieler D hat einen feucht-fröhlichen Abend erlebt und kommt bestens gelaunt nach Hause. Er öffnet seinen Client und beginnt Poker zu spielen. Mit seiner guten Laune spielt er zu viele Hände und ist insgesamt zu unvorsichtig.

Die genannten Beispiele sind nur eine kleine Auswahl, wie sich Emotionen ins Pokerspiel einschleichen können.

Natürlich hätte auch der Bad Beat oder der verlorene große Pot genannt werden können, doch das ist nicht die entscheidende Frage.

Jeder Leser kennt sich selbst am besten und kann einschätzen (oder sollte es lernen), in welchen Situationen er sich von seinem optimalen Spiel entfernt.

Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung – und genau darum geht es auch beim Thema Tilt.

Unabhängig von der relativen Spielstärke ist bei einem ambitionierten Pokerspieler im Normalfall der Kopf bzw. die Vernunft ausschlaggebend für die Entscheidungen.

Je nachdem, wie stark sich Emotionen in sein Spiel eingeschlichen haben, weichen seine Entscheidungen immer weiter von den rein rationalen Faktoren ab und werden immer stärker von den emotionalen Faktoren beeinflusst.

Das kann so weit gehen, dass ein Spieler im wahrsten Sinne nicht mehr Herr seiner Sinne ist, sondern nur noch von Emotionen getrieben wird.

Das kann sehr teuer sein und verheerende Auswirkungen auf die Bankroll haben. Wichtig ist daher, zu wissen, woher Tilt kommt, und im zweiten Schritt dessen verschiedene Formen zu kennen. In der nächsten Folge schauen wir uns daher an, wie sich Tilt äußern kann und welche Ursachen hinter der jeweiligen Ausprägung stecken können.

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Die Tilt-Serie:

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

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