Von World of Warcraft zu Online-Poker

Thomas Rewwer
Thomas Rewwer.

Wie ein Nachwuchsspieler aus Magdeburg versucht, sich als Online-Profi zu etablieren.

Den Beruf Pokerprofi assoziiert man schnell mit Reisen um die ganze Welt, dem Gewinnen großer Turniere mit gewaltigen Prämien, High Stakes Partien mit den lebenden Legenden des Spiels und einem Jet-Set-Lebensstil, der eher dem von James Bond gleicht als dem von dem Büroangestellten nebenan.

Aber wie sieht die Realität aus?

So ziemlich jeder, den die Faszination Poker erfasst hat, stellt sich früher oder später die Frage, ob man sich damit seinen Lebensunterhalt verdienen kann.

Wenige davon wagen tatsächlich den Schritt und machen sich als Pokerspieler selbstständig, und von diesem gelingt es wiederum nur einem kleinen Teil, tatsächlich erfolgreich genug zu spielen, um davon leben zu können.

Einer, der zu dieser Gruppe gehören will, ist Tom Rewwer, gebürtig aus Osnabrück und heute wohnhaft in Magdeburg. Karten gehören schon seit der Kindheit zu seinem Leben. Schon als 7-Jähriger lernte er Bauernskat von seinem Großvater. Später kam u. A. Doppelkopf dazu.

Seine Geschichte beginnt nicht mit einer WSOP-Sendung auf Sport1, sondern mit professionellem World of Warcraft. Damit verdiente Rewwer bis ins Jahr 2008 seinen Lebensunterhalt. Als das zu uninteressant wurde, machte er sich auf die Suche nach einem neuen Spiel und blieb eher zufällig bei Online-Poker hängen.

Battle of Malta
Der Battle of Malta war eines von Rewwers ersten Live-Turnieren.
 

Mit ein paar Euro und einem Willkommensbonus begannen die ersten Gehversuche, und Rewwer ist ehrlich genug, um seinen anfänglichen Erfolg heute richtig einzuschätzen.

„Ich hatte zuerst einen mächtigen Upswing. Ich stieg jede Woche um mindestens einen Level in den Limits auf und gewann immer weiter. Damals dachte ich natürlich, dass ich ein Genie bin, aber eigentlich hatte ich nur wahnsinnig viel Glück.“

Trotzdem: Der Pokervirus hatte ihn zu diesem Zeitpunkt bereits erfasst, und er hat ihn bis heute nicht losgelassen. Dank intensivem Theoriestudium und ausgeprägten Fähigkeiten in Mathematik erreichte Rewwer schnell ein Level, auf dem er von Poker leben konnte, wenn auch nicht gerade luxuriös.

Was folgte, war eine Phase knallharten Bankrollmanagements, im Jargon auch spaßhaft „Bonushurerei“ genannt.

„Ich habe jedes Rake-Race, jede Bonusaktion und alle möglichen Promotions mitgenommen, die ich finden konnte. Das mache ich eigentlich heute auch noch so. Außerdem bin ich von einem Pokerraum zum nächsten gewechselt, um die Startboni mitzunehmen.“

Das und eine zunehmend große Zahl von gleichzeitig gespielten Tischen – inzwischen bis zu 16 – sorgten dafür, dass Rake und Profit gemeinsam zum Leben reichten.

„Ich habe praktisch von Anfang an Vollzeit gespielt. Nach einer Woche konnte ich NL10 schlagen, nach zwei Wochen NL25, nach drei Wochen NL50.

Nach drei Monaten war ich soweit, mehr oder weniger vom Rake leben zu können. Die Theorie kam dann nach und nach dazu.

poker cake
Geburtstagsgruß oder neuer Sponsor?
 

Natürlich ging es ab und zu auch wieder bergab, aber das Rake-Geld habe ich konsequent getrennt und mehr oder weniger davon gelebt.“

Dass einzelne Pokerräume von besonders schwachen Spielern bevorzugt werden, gilt in der Szene als Mythos. Schließlich würden die Sharks ja sofort dorthin strömen, wenn sie davon hörten.

Tom Rewwer widerspricht, und er ist mit seiner Vergangenheit einer, der es wissen muss.

„Bei Cake Poker ist es eindeutig am einfachsten, profitabel zu spielen“, sagt Tom, der online unter dem Nick „Nexby“ unterwegs ist. „Dort und bei PartyPoker spiele ich deshalb am häufigsten.“

Cake Poker ist auch der Pokerraum, bei dem Rewwer nun auf einen Sponsorenvertrag spekuliert.

Erfahrungen mit Live Poker hat er u. A. in Las Vegas schon gemacht, bei den großen EPT Events allerdings noch nicht. Der Battle of Malta hat ihn offenbar so richtig auf den Geschmack gebracht.

Auf einen „normalen“ Beruf will er sich als zweites Standbein nicht verlassen. auch nicht, wenn es irgendwann mit Poker mal nicht mehr funktionieren sollte.

„Ich bin ein Lebenskünstler. Ich schaffe es eigentlich immer, irgendwie durchzukommen. Im Notfall finde ich ein anderes Spiel, mit dem ich Geld verdienen kann.“

 

Über den Autor: Dirk Oetzmann
Dirk Oetzmann ist leitender Redakteur bei PokerListings/Europa.

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