Theo Jörgensen – Zurück aus der Psycho-Falle

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Theo Jörgensen bei der EPT in London.

Jörgensen über seine Liebe zu London, Fußball, modernes Poker und wie er mit dem Überfall vor einem Dreivierteljahr heute umgeht.

Theo Jörgensen ist so etwas wie ein „Youngtimer“ in der Branche. Er ist erfahren und ein gereifter Spieler, aber man hat das Gefühl, dass er den Höhepunkt seiner Karriere noch nicht erreicht hat.

Seit über zehn Jahren ist er nun schon im internationalen Pokerzirkus unterwegs, und in jedem Jahr hat er vordere Turnierplatzierungen zu verzeichnen.

Zu seinen größten Erfolgen zählen WPT-Titel und WSOP-Bracelet, aber eine EPT konnte er trotz mehrerer Finaltische noch nicht gewinnen.

Er ist außerdem leidenschaftlicher Fußballfan. Leider neigt er auch zu Sportwetten, was gewisse Probleme mit sich bringt.

Nie war er jedoch so präsent in den Schlagzeilen als nach der Nacht, in der Einbrecher im Dezember 2012 in sein Haus eindrangen, ihn beraubten und anschossen.

Wir werden nun erfahren, wie er all das verkraftet hat.

PZ: London ist angeblich dein Lieblingsturnier auf der EPT. Warum?

TJ: Fußball. Die Stadt. Sie ist so unglaublich groß, überall reiht sich ein gewaltiges Gebäude an das andere. Ich liebe diese Stadt.

fc liverpool
Ex-Lieblingsclub Liverpool - ich dachte, ich hätte meine Seele verkauft.

Allerdings könnte ich hier niemals leben. Ich kann mir einfach meine Familie mit meinen beiden Töchtern in diesem Wahnsinn nicht vorstellen.

PZ: Viele Dänen lieben die Premier League. Dein Lieblingsverein?

TJ: Früher war es mal Liverpool. Aber dann habe ich soviel auf Fußball gewettet, dass meine Lieblingsmannschaft quasi von Woche zu Woche wechselte.

Die Sportwetten habe ich inzwischen heruntergefahren, weil ich einmal so viel auf ein Spiel gesetzt habe, dass ich plötzlich das Gefühl bekam, ich hätte meine Seele verkauft.

Ich bin aber ein großer Fußballfan. Ich verfolge auch Fußball in Deutschland, und ich mag vor allem die Art, wie Borussia Dortmund spielt. Eigentlich mag ich vor allem Jürgen Klopp.

Furchteinflößend sind aber vor allem die Bayern. ich dachte, dass sie mehr Schwierigkeiten haben würden, den Übergang von Heynckes zu Guardiola zu meistern, aber wenn man sich ansieht, wie sie letztens Man City im eigenen Stadion dominiert haben, kann man schon Angst bekommen.

Es ist unglaublich, wie gut sie sind.

PZ: Du warst auch beim Finale Dänemark gegen Deutschland dabei, als es 2006 um den Sieg der PartyPoker Fußball meets Poker Veranstaltung ging.

TJ: Ja, ich kann mich noch gut erinnern. Bei den Deutschen war Uli Stein dabei, und wir hatten Kim Christoffte. Das ist übrigens der coolste Typ der Welt.

PZ: Wie das?

TJ: Im Halbfinale der Fußball EM 1992 kamen wir gegen Holland ins Elfmeterschießen. Er war der letzte Schütze und musste treffen, damit wir ins Finale kommen.

Als er an der Reihe war, ging er zunächst acht Schritte zurück, sagte dann zum Schiedsrichter, dass der Ball nicht richtig liegt, ging zurück und korrigierte die Position.

Dann ging er nur einen Schritt zurück und verlud den Torwart ansatzlos. Was für ein Nervenkostüm muss man haben, um so etwas zu machen.

Und als wir dann am Pokertisch saßen, war er ein nervliches Wrack. Er war so nervös, dass wir eine Auszeit nehmen mussten, nur um ihn zu beruhigen.

Er machte lauter Anfängerfehler, nie erhöhte er hoch genug. Das ist aber wichtig, weil man einem Amateur viel mehr glaubt, dass er gute Karten hält, wenn er kräftig erhöht, als einem Profi.

Gus Hansen und ich sagten ihm, dass wir stolz auf ihn wären, wenn er durch einen großen Checkraise-Bluff ausscheidet, aber es kam nie zu diesem Bluff.

kim christoffte
Entscheidender Elfmeter 1992 - der coolste Typ der Welt.

Trotzdem haben wir am Ende gewonnen, das war klasse.

PZ: Das Grand Connaught Rooms ist schon der dritte Spielort der EPT London.

TJ: Mir gefällt es hier viel besser als an den anderen Orten. Es ist mehr Platz da, und das Hilton hat mir ehrlich gesagt überhaupt nicht gefallen.

PZ: Du hast schon bei der WPT und der WSOP gewonnen. Strebst du nach der Triple Crown?

TJ: Nicht wirklich. Ein EPT-Titel steht aber trotzdem ganz oben auf meiner Liste.

PZ: Was wären denn deine größten Ziele?

TJ: Mein Hauptziel ist, soviel Geld zu verdienen, dass es zum Leben reicht.

PZ: Wie schafft man es, so lange an der Spitze zu bleiben?

TJ: Man muss sich anpassen.

PZ: Das sagt jeder. Aber was heißt das denn wirklich?

TJ: Das ist individuell. für mich hieß es, dass ich mich von dem aggressiven Stil verabschieden musste.

Ich sah, dass ich immer wieder sehr light heruntergecallt wurde, also beschloss ich, viel tighter zu werden.

Theo Jorgensen ept london2
Jörgensen vor sieben Monaten - immerhin haben sie mir zwei Mal ins Bein geschossen.

Ich sitze manchmal stundenlang in Turnieren und spiele nur Premiumhände, bis ich mein Image nutzen kann, um mehr Hände zu spielen.

PZ: Während alle Welt heute statt TAG den LAG-Stil predigt, bist du also den umgekehrten Weg gegangen?

TJ: Ja, so würde ich das sagen. (Es könnte natürlich sein, dass ich lüge, Anm. d. Red.)

Ich weiß nicht, ob es an meinen PokerStars-Ansteckern liegt oder daran, dass die Leute zuviel Poker im Fernsehen sehen oder daran, dass ich Skandinavier bin, aber wenn ich 4-bette, halten meine Gegner das automatisch für einen Bluff.

Sogar wenn ich der tighteste Spieler am Tisch bin, sagen mir manchmal Spieler, dass sie mich mit allem heruntercallen würden, nur weil ich es bin.

PZ: Du hast mal gegen Gus Hansen geboxt. Wie wichtig ist körperliche Fitness?

TJ: Für mich steht sie nicht wirklich im Vordergrund, aber es gab ein Turnier, wo meine schlechte Verfassung eine Menge Geld gekostet hat.

Vor gut einem halben Jahr saß ich hier in London am Finaltisch. Es war mein erstes Turnier nach dem Überfall, und ich wurde Vierter.

Ich befand mich in miserablem körperlichen zustand, weil ich mich noch gar nicht richtig bewegen konnte. Immerhin hatte man mir zweimal ins Bein geschossen.

Ich hatte erst zwei Wochen vorher wieder mit dem Training begonnen.

Am Finaltag war ich so müde, dass ich ständig übereilte Entscheidungen traf, und manche davon waren einfach falsch.

Bei der WPT in Paris hatte ich einen viel schwierigeren Tisch im Finale, und da konnte ich mich durchsetzen.

Wenn man bei einem langen Turnier so weit kommt, wird physische Fitness plötzlich sehr wichtig. Ich glaube, dass meine schlechte Verfassung mich an jenem Tag den Titel gekostet hat.

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Spielort Grand Connaught Rooms - ich hasste das Hilton.

Natürlich weiß man das nie, es ist nur so ein Gefühl.

PZ: Da du den Überfall erwähnt hast. Wie kommst du heute damit klar?

TJ: Für mich war am wichtigsten, dass meine Kinder nichts mitbekamen.

Die Geschichte zog natürlich schnell Kreise. Es dauerte nicht lange, bis die Klassenkameraden meiner Tochter vor der Tür standen und die Wunde sehen wollten. So sind Kinder eben.

Ich glaube aber nicht, dass sich diese Sache dauerhaft auf meine Psyche auswirkt.

Anfangs habe ich im Dunkeln schon mehr aufgepasst. Ich war sehr vorsichtig, und ich verließ nur ungern meine Familie.

Heute hat sich das gelegt. Wenn man so überlegt, ist unser Haus wahrscheinlich das sicherste in Dänemark.

Es war so oft in den Medien, dass es jetzt wohl kaum jemand wagen würde, sich dem Haus auch nur zu nähern.

Außerdem habe ich die Alarmanlage aufgerüstet und wir haben uns einen deutschen Schäferhund zugelegt.

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