The Brain
Meine Poker-Auszeit ist beendet, der Fluch der Pocket-Asse ebenso.
Ermuntert durch die vielen persönlichen Nachfragen an den Tischen schildere ich daher heute meine Erfahrungen. Die Befürchtung, durch die Pokerpause Entzugserscheinungen zu bekommen, war unbegründet.
Es fiel mir unerwartet leicht, auf Poker zu verzichten. Viel leichter, als dem Nikotin abzuschwören. So wurden aus den geplanten neun Monaten Poker-Enthaltsamkeit fast zwölf Monate.
Die ersten vier Starts in 2012 endeten mit einem Sieg, einem zweiten sowie einem dritten Platz. Zugegebenermaßen bei kleineren Turnieren, nicht bei einem großen oder gar Major Event. Man benötigt nach solch einer Auszeit dringend Spielpraxis. Verlernen tut man das Pokern jedoch ebenso wenig wie beispielsweise das Radfahren.
Die Pokergemeinde ist wie eine Familie, in deren Schoß der temporäre Aussteiger zurück kehrt und herzlich wieder aufgenommen wird. Danke dafür!
Für eine persönliche Jahresbilanz bemühe ich mal das chinesische Horoskop. Erst am 23. Januar 2012 ist nach dem chinesischen Kalender zeitgleich mit dem Ende meiner Spielpause Neujahr. Es endete das Jahr des Metall-Hasen und begann der Zyklus des Wasser-Drachen.
Irgendwie passend für mich. Wie ein Hase mit herunter geklapptem Visier bestritt ich meine Poker-Abstinenz-Phase. Um nur nichts zu sehen, hören und sagen. Wie ein Drache möchte ich mein Comeback angehen. Aggressiv und siegreich.
Wobei ich hoffe, das Element Wasser nur zum Trinken und Löschen der flammenden Angriffslust zu benötigen. Und nicht zum Produzieren von Tränen nach deftigen Niederlagen, zu oft gebusteten Premium-Händen oder über alle Maßen häufig verlorene Coinflips.
Grundsätzlich halte ich das Zeitalter der erfolgreichen Poker-Dinosaurier für beendet.
Die Kids zeigen, wo es lang geht. Siehe Pius Heinz, siehe die Siegerlisten großer Events. Konnten sich die Dinosaurier wie Doyle Brunson (78) früher auf ihre jahrzehntelange Erfahrung stützen, sind in Zeiten des Internet-Pokers schon Teens und Twens ausgereifte Persönlichkeiten mit großem Poker-Erfahrungsschatz. Hinzu kommen der Konditions- und Konzentrationsvorteil junger Pokersportler.
Bei dem Versuch, nicht nur auf ausgetretenen Pfaden zu wandeln, habe ich zwei neue Casinos besucht. Osnabrück und Hannover, beide im Verbund der Spielbanken Niedersachsen. Beide in unmittelbarer Nähe des örtlichen Hauptbahnhofs gelegen. Aber damit enden die Gemeinsamkeiten auch schon. Eines der Casinos erhält von mir ein Top-Testergebnis, das andere fällt glatt durch. Mehr dazu bald an dieser Stelle. Bis die Tage also!
Lebt denn der alte Holzmichel noch, Holzmichel noch? Ja, erlebt noch. Welcome back! Komm mal wieder zu Britta, ich schuld dir noch ne Cola. Karsten
