FTP – verdammt oder gerettet?

Share:
3 Oktober 2011, Von: Giovanni Angioni
Geposted in: PokerZeit Blog
FTP – verdammt oder gerettet?

Vater Bernard und Sohn Laurent Tapie wollen einen Teil von Full Tilt Poker übernehmen. Bernard Tapie erreichte in den 1990ern durch sein Engagement bei Olympique Marseille, aber auch bei Unternehmen wie Adidas europaweit Berühmtheit.

Charmant, reich und mächtig – der Bernard Tapie, der 1992 im Chefsessel von Adidas sitzt, verkörpert perfekt den europäischen Idealtypus des erfolgreichen Geschäftsmanns, der seine Konkurrenz erbarmungslos unterdrückt und dabei ein freundliches Lächeln zur Schau trägt.

Der aufkeimende Berlusconiismus südlich der Alpen findet seine französische Entsprechung in der Geschichte der Tapies, die innerhalb von nur 20 Jahren eine gewaltige Dynastie aufbauen, die später in sich zusammenstürzt und dann wie Phönix aus der Asche mächtiger denn je wieder auftaucht.

Olympique Marseille

Um 1990 steigt Olympique Marseille (OM) unwiderstehlich zum erfolgreichsten Verein des Landes auf. Vater dieser „Karriere“ ist Bernard Tapie, seit 1985 der Präsident des Vereins. Nach einem Ausflug in die Politik, der wegen Korruptionsverdacht vorzeitig endet, wandte sich Tapie wieder dem Fußball zu.

Seine Methoden bleiben allerdings so zweifelhaft, dass er schließlich sogar eine Gefängnisstrafe absitzen muss und von der Ausübung öffentlicher Ämter ausgeschlossen wird.

Sein Fall ist tief, weil er ganz oben beginnt. In den Jahren 1989-1992 gewinnt OM vier Mal nacheinander die Meisterschaft. 1990 erreicht die Mannschaft das Halbfinale, im Jahr darauf das Finale des Europapokals der Landesmeister. 1993 gelingt schließlich der Triumph mit einem 1:0 gegen den AC Milan von Tapies persönlichem Freund Silvio Berlusconi.

Nur sechs Tage später folgt der Absturz: Tapie werden Bestechungszahlungen nachgewiesen, der Meistertitel 1993 wird aberkannt, Tapie zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt, die er 1997 absitzt.

Zehn Jahre später taucht Bernard Tapie wieder auf. Als Mitglied der französischen Linken unterstützt er die Kandidatur von Nicolas Sarkozy zum Staatspräsidenten. In der französischen Presse kursiert das Gerücht, Tapies Motivation sei das Versprechen Sarkozys gewesen, Tapie vor unbequemen Fragen des Finanzamts zu schützen.

Mit Tapies Rückkehr ins Rampenlicht kamen auch wieder neue Skandale ans Licht der Öffentlichkeit. So soll die französische Finanzministerin und Freundin von Bernard Tapie, Christine Lagarde, ihre Autorität missbraucht haben, um Tapie in einem Gerichtsverfahren zu unterstützen, in dem Tapie von der Bank Credit Lyonnaise Unregelmäßigkeiten beim Verkauf der Firma Adidas vorgeworfen wurde.

Lagarde ist heute Direktorin des IWF und sieht sich einer Klage wegen Amtsmissbrauchs gegenüber.

Tapie ging unbeschadet aus dem Verfahren hervor, sein persönlicher Gewinn aus dem Verkauf wird auf 400 Mio. Euro geschätzt.

Laurent Tapie, von Beruf Sohn?

Der Name von Bernard Tapies Sohn tauchte kürzlich in den Boulevarblättern auf, wenig überraschend im Rahmen eines Skandals. Bei einem Autounfall soll Tapie, der den Unfall verursachte, das Opfer verbal beschimpft und körperlich angegriffen haben. Natürlich steht das in keinem Verhältnis zu den Geschichten, die sich um seinen Vater ranken.

Laurent Tapie hatte früh Zugang zum Jet Set erlangt und schon um die Jahrtausendwende erste Erfahrungen im Online-Geschäft gemacht. 2005 wandte er sich dem Online-Gaming zu und startete die Seite LiveBetting.com. Sie wurde später von Online-Gigant Partouche übernommen, wo Tapie bis zum Executive Director aufstieg.

Nachdem Laurent Tapie dort wieder ausgestiegen war, begann das erste Vater-Sohn-Projekt mit der Webseite BernardTapie.com, einer Discountseite, die als Marktplatz für alle Mögliche von der Autoversicherung über Reisen, Möbel bis hin zu Krediten firmiert.

Schon wenige Monate nachdem sie online ging, steht die Seite aber bereits wieder im Zwielicht. Es sind Vorwürfe aufgetaucht, dass die Online-Auktionen nicht fair und unabhängig abliefen.

Vielleicht will sich Laurent ja nun von seinem Vater befreien. Online-Poker heißt sein neuestes Objekt der Begierde. Was wird aus dem einst zweitgrößten Online-Pokeranbieter der Welt werden, nun da er in die Hände der Tapies gelangt?

Share:

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare