Suicide-Kings und Bedpost-Queen – Mysteriöse Details und Geschichte der Spielkarten

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Ein Deck aus Spanien, 15. Jhd.

Vielleicht hast du dich schon einmal gefragt, wer die Personen auf den Bildkarten beim Poker sind. Ist der Karo-Bube einfach nur irgendein Typ, der zufällig mal bei einem Kartenmacher in der Werkstatt Modell gestanden hat oder eine historische Persönlichkeit? Im folgenden Artikel erfährst du mehr über den Ursprung der Karten und lernst die historischen Vorbilder für die Bildkarten kennen.

Ursprung der Spielkarten

Die Spielkarten kommen ursprünglich aus Ostasien, wo die Herstellung von Kartonkarten früher als in Europa einsetzte. Die ältesten bekannten Spielkarten in Form von länglichen, schmalen Streifen kommen aus China und Korea und können zeitlich dem 12. Jahrhundert zugeordnet werden.

In Europa tauchen die ersten Spielkarten im 14. Jahrhundert auf und wurden erstmals durch eine Erwähnung derselben als „Gebetbuch des Teufels“ in der Stadt Bern belegt.

Erste Verbote des Kartenspiels – Fanatische Mönche machen Jagd auf Spieler

Die rapide Ausbreitung des Kartenspiels, seine Verbindung mit Geldeinsätzen und eine damit einhergehende Zunahme von Spielschulden rief schnell städtische Obrigkeiten auf den Plan, die oft mit Verboten reagierten.

Intensive Verfolgungen verbinden sich vor allem mit den Namen besonders fanatischer Mönche, zum Beispiel Bernhardin von Siena und Johannes Capistranus, die zahlreiche Kartenspiele - und leider auch die Spieler - auf dem Scheiterhaufen verbrennen ließen. Vor allem Capistranus erwies sich als besonders problematisch, weil er zwischen 1453 und 1456 in Deutschland predigte und den zahlreichen Kartenmachern der Stadt Nürnberg für einige Jahre den Broterwerb quasi unmöglich machte.

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Das französische System hat sich durchgesetzt, Quelle: Wikipedia

Die Unterdrückung des Spiels war von Ort zu Ort und auch von Zeit zu Zeit verschieden und nahm - Gott sei dank - mit der Zeit ab. In Deutschland und Frankreich gab es weniger Verbote als in Italien. 

Die Entstehung der heute gängigen Kartenspiele

Heute sind von den älteren Spielkarten vor allem handgemalte erhalten, die damals dem Adel vorbehalten waren. Das älteste erhaltene europäische Spiel aus dem Jahr 1427 stammt aus Stuttgart und zeigt Jagdszenen der Hofgesellschaft.

Preiswertere Spiele wurden erst durch die Erfindung der Holzschnitttechnik möglich. Die Produktion von billigen Spielkarten ist wahrscheinlich der Beginn der Entwicklung des Holzschnittes.

Das sogenannte Hofämterspiel, das um 1450 entstand, ist das älteste, gedruckte und nachträglich kolorierte Kartenspiel, das bis heute erhalten ist. In der Frühzeit wurden besonders in Deutschland die Produktionsverfahren vereinfacht, wodurch die Spielkarten zum Exportgut wurden.

Nebenbei entwickelten sich dadurch Holzschnitt, Kupferstich und Buchdruck in Deutschland früher als in anderen Ländern. Man sieht, dass Spielkarten ein Motor der technischen Innovation waren.

Dominanz des französischen Farbsystems

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Spielkarte aus der Zeit der französischen Revolution

Dominanz des französischen FarbsystemsLyon entwickelte ab dem Ende des 15. Jahrhunderts eine zentrale Rolle in der Kartenspielproduktion und ließ Kartenspiele zu seinem Exportschlager werden. Das Resultat war eine Dominanz des französischen Farbsystems mit Trèfle (Kreuz), Pique (Pik), Coeur (Herz) und Carreau (Karo), das heute immer noch vorherrscht.

Ab dem 16. Jahrhundert wurden Kartenspiele in den Spielsalons gesellschaftlicher Kreise gepflegt. Die heute üblichen Spielkarten dürften sich von dem 4 mal 13 Blatt mit 52 Karten ableiten, das schon dem Johannes von Rheinfelden 1377 bekannt war. Es bestand aus 10 Zahlkarten und 3 Hofkarten. Das Ass bildete dabei den Wert 1 und leitet sich demgemäß von lateinisch „as“, lateinisch für „eins“, her.

Das Anglo-Amerikanische Pokerblatt

Während man für Skat hierzulande stets das so genannte französische Blatt wählt, hat sich für das Pokerspiel das Anglo-Amerikanische Blatt durchgesetzt, welches in Werten und Farben dem französischen Blatt entspricht und nur einige Unterschiede im Design aufweist.

Das Pik-Ass ist zum Beispiel aufwendiger gestaltet, da gemäß einer Verordnung des Englischen Königs James I. jedes Kartenspiel ein Steuersymbol haben musste, dass dem Hersteller eindeutig zuzuordnen war.

Zudem enthielten die anglo-amerikanischen Karten erstmals einen Index, der später auch bei den französischen Varianten zum Standard wurde. Viele männliche Spieler sagen zudem, dass die Damen bei der französischen Variante hübscher aussehen.

Suicide-Kings und Bedpost-Queen

Bei der Bebilderung der Karten gibt es Auffälligkeiten, die immer wieder Anlass zu wilden Spekulationen und Verschwörungstheorien geben. So ist der Pik-Bube, der Herz-Bube und der Karo-König im Profil gezeichnet, während alle anderen Personen frontal abgebildet sind. Die drei genanten Karten werden deshalb auch „einäugige Karten“ genannt und bilden in einigen Varianten Wild-Cards.

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Selbstmordkönig?

Ein weiteres Kuriosum sind Herz- und Karo-König. Der Herz-König hält sein Schwert so an seinem Kopf, dass es aussieht, als wolle er sich selbst töten. Der Karo-König richtet die Schneide seiner Streitaxt ebenfalls genau auf seinen Kopf, so dass diese beiden Könige den Spitznamen „Selbstmordkönige“, auf Englisch „Suicide-Kings“ verpasst bekamen.

Der Karo-König heißt aus diesem Grund auch „Axt-König“ weil er als einziger der vier Könige eine Axt anstelle eines Schwertes trägt.

Der Karo-Bube wird oft der „lachende Junge“, auf Englisch „laughing boy“ genannt, weil er tatsächlich mit einem süffisanten Lächeln im Gesicht gezeichnet ist. Warum ausgerechnet nur er lächelt, bleibt im Dunkeln.

Die Pik-Dame scheint eine Art Zepter zu halten, welches aussieht wie ein Bettpfosten und wird deswegen auch zweideutig die „Bettpfosten-Dame“, auf Englisch "bedpost-queen" genannt.

Historische Vorbilder der Bildkarten

Pik-König

König David – war laut dem 1. und dem 2. Buch Samuel der Bibel der zweite König von Israel und Juda nach seinem Vorgänger Saul und lebte um 1000 v. Chr.

Herz-König

Karl der Große – geboren am 2. April 747, gestorben am 28. Januar 814 in Aachen aus dem Geschlecht der Karolinger war König des Fränkischen Reiches und wurde am 25. Dezember 800 von Papst Leo III. in Rom zum römischen Kaiser gekrönt.

Karo-König

Julius Caesar – geboren am 13. Juli 100 v. Chr. in Rom, gestorben am 15. März 44 v. Chr. in Rom war ein berühmter römischer Staatsmann, Feldherr und Autor.

Kreuz-König

Alexander der Große – geboren zwischen dem 20. Juli und dem 30. Juli 356 v. Chr. in Pella, gestorben am 10. oder 11. Juni 323 v. Chr. in Babylon, war ein Eroberer, makedonischer König und Hegemon des Korinthischen Bundes.

Pik-Dame

Pallas Athene – eine griechische Göttin der Weisheit.

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Die schönste Dame?

Herz-Dame

Judit – biblisches Ideal der Frömmigkeit

Karo-Dame

Rachel – biblische Figur als Ideal der Schönheit.

Kreuz-Dame

Argine – ein Anagramm aus Regina, lateinisch Königin, oft benutzt für Maria, die Mutter Jesu.

Pik-Bube

Hogier – ein Vetter Karls des Großen

Herz-Bube

La Hire – Soldat an der Seite von Jeanne d'Arc

Karo-Bube

Hector de Trois oder Roland – ein Paladin Karls des Großen

Kreuz-Bube

Lancelot – Ritter aus der Artussage

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