Harvard-Studie entlarvt Sucht-Mythos

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Zwei Professoren der Psychologie erforschten die Legende, dass vereinfachter Zugang zu Glücksspiel zu mehr Suchtkranken führt. Das Ergebnis überrascht selbst die Wissenschaftler.

Howard Schaffer und Ryan Martin von der Harvard Medical School waren nicht angetreten, um mit einem Mythos aufzuräumen. Trotzdem ist ihnen genau das gelungen.

Schaffer erklärte gegenüber der Chicago Tribune: „Wenn Gambling in einer bestimmten Region verfügbar wird, wird in dieser Region auch häufiger gespielt.“ Das gelte besonders für Regionen, in denen Gambling zuvor illegal war. Allerdings schwächt sich der Effekt im Gegensatz zur landläufigen Meinung schnell ab.

„Ich hatte völlig falsche Vorstellungen, als ich mit der Untersuchung begann“, gibt Schaffer zu. Er habe erwartet, dass es mehrere Generationen dauern würde, bis sich die Menschen an das größere Angebot angepasst hätten. Tatsächlich „ließ die durchschnittliche Spieldauer im Internet innerhalb weniger Wochen deutlich nach. Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet.“

Insgesamt sei die Rate der suchtkranken Spieler in den letzten 35 Jahren praktisch stabil geblieben, obwohl es in dieser Zeit durch das Internet einen nie zuvor gesehenen Anstieg der Verfügbarkeit gegeben hat.

Ebenfalls bemerkenswert: „Ca. 98% der Menschen mit einem Glücksspielproblem weisen weitere Verhaltensstörungen auf.“

Im Übrigen gebe es keinen zuverlässigen Maßstab dafür, was einen Menschen für Spielsucht empfänglich macht: „Zwar ist weitere Forschung notwendig, da es keine Hinweise auf eine bestimmte Gruppe von PG [=Probelm Gamblers] gibt, aber wir können ableiten, dass Hobbyspieler und Suchtkranke ähnliche Charakteristika aufweisen. Der Unterschied besteht darin, dass Suchtkranke diese Charakteristika und/oder Spielmuster intensiver aufweisen.“ Mit anderen Worten, Spielsucht kann nicht eindeutig definiert werden, die Übergänge sind fließend.

Vielleicht am interessantesten sind die Forschungsergebnisse von Schaffer und Martin, aber auch anderen Studien hinsichtlich Online-Gambling: Etwa 1% der Bevölkerung nutzt das Internet für Gambling. Nur 2-3% der Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben im vergangenen Jahr im Internet gespielt, und eine Langzeitstudie ergab, dass die Nutzer sich sehr schnell an das Internetangebot anpassten und die Zahl der Spieler ebenso wie die der eingesetzten Gelder rapide abnahm.

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