Strip-Poker als Gesellschaftskritik

strip poker new york

In New York ging eine einwöchige Performance zuende, bei der insgesamt 50 Spieler in einem Schaufenster Strip-Poker spielten, um auf die ungleiche Verteilung des Wohlstands in unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen. Eine „Occupoker“-Bewegung sozusagen.

„I’ll raise you one“ hieß das Projekt, das der Künstler Zefrey Throwell im Fenster von Art in General installiert hatte. Der Titel ist eine gewollte sprachliche Unbeholfenheit und könnte „ich erhöhe um eins“ heißen, aber auch flapsig mit „ich erhöh‘ dir einen“ oder mit „ich hol dir einen runter“. übersetzt werden. Hier wird die Börsensprache mit der Terminologie des beliebtesten Kartenspiels der USA in spielerischer Weise vermischt.

50 Teilnehmer, die sich immer wieder abwechselten, saßen hinter dem Schaufenster und spielten Strip-Poker. Jeden Tag sechs Stunden. Das Spektakel war von der Straße aus zu beobachten und zog Kunstinteressierte wie Hobby-Voyeure gleichermaßen an. Throwell erklärte den Sinn der Veranstaltung so: „Ich sehe das als Kritik an Wirtschaft und Gesellschaft und daran, wie der Wohlstand in unserer Gesellschaft verteilt ist.“

Damit steht die Veranstaltung im Geist der Occupy-Bewegung nahe. Allerdings waren hier die meisten Teilnehmer ab dem zweiten Tag nackt. „Ich habe den Leuten gesagt, dass sie anziehen können, was sie wollen. Kleidung bedeutet hier ja quasi Bankroll. Mein Rat war allerdings, viele Schichten zu tragen.“

Eigentlich ist „I’ll raise you one“ eher so etwas wie ein Fanal der Absurdität und Sinnlosigkeit, und ganz ernst gemeint war die Geschichte auch nicht, aber Kunst muss bekanntlich Grenzen austesten, und Spaß scheint es den Teilnehmern ja auch gemacht zu haben.

Nacktheit als Form des Protests ist übrigens nichts Neues für Zefrey Throwell. Sein bisher berühmtestes Projekt heißt „Ocularpation: Wall Street“. Eine Gruppe von Darstellern, gekleidet als Banker, Manager, Sekretärinnen usw. zog an die Börsenstraße und zog sich ohne offensichtlichen Anlass aus. Das Projekt fand internationale Beachtung.

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Dominik 2011-11-26 17:46:50

Interessante Idee, nur klingt das irgendwie eher nach Fetischauslebung gerechtfertigt...
Nicht, dass ich die angebliche Sache nicht gutheiße, aber ich könnt auch behaupten, dass die Kohle, die ich im Poker einkassiere nur dazu da ist, um aufzuzeigen, wie sich einige freie Abende vorm PC leisten können und dafür noch Geld bekommen, während andere Nachtschicht fahren müssen in der Zeit...