Stephan Kalhamer in Macau – „Die Cash Games sind immer Deepstack“

Stephan Kalhamer

Vor Kurzem war Pokercoach Stephan Kalhamer eine Woche lang in Macau, um dort mit Kunden des Gaming Institutes den Cash Game-Dschungel zu durchqueren. Wir sprachen mit dem Regensburger über die Unterschiede zwischen Macau und Las Vegas, die Super Cash Games und warum in China eine Acht genauso viel Wert ist, wie ein Ass.

PZ: Stephan, du bist kürzlich aus Macau zurückgekehrt. Leidest du noch unter kulturellem Jetlag?

SK: Der Weg nach Macau und zurück ist in jeder Hinsicht ein weiter. (lacht)

PZ: Und warum gehst du solch weite Wege?

SK: Das Ganze war ein Pilotprojekt für ein neues High-End-Produkt des Gaming Institutes. Es beinhaltet die Kombination einer zehntägigen Reise nach Macau mit Einzelbetreuung. Wer sein Spiel auf Herz und Nieren prüfen lassen will, um dann gut vorbereitet Cash Game gegen die Asiaten spielen zu können, ist bei mir an der richtigen Adresse. Das Angebot ist nicht an Macau gebunden, aber es unterstreicht den High-End-Charakter des Produktes. Sowohl von der Entfernung, als auch vom zeitlichen und finanziellen Aufwand her ist das schon eine ordentliche Hausnummer – das muss man wirklich wollen. 

PZ: War das Ganze auch für dich selbst Pionierarbeit?

SK: Ja, das war es. Ich konnte mir aber einen guten Überblick verschaffen. Mit Thomas Bihl, dem H.O.R.S.E. Bracelet-Gewinner bei der WSOP Europe 2007, habe ich einen ausgesuchten Experten vor Ort. Thomas lebt seit einigen Jahren in Thailand. Wir waren zunächst ein paar Tage bei ihm zu Gast und haben uns sozusagen akklimatisiert und hinsichtlich der spielerischen Ziele genauer kennengelernt. Zudem wurde mein Kunde auf taktischer Ebene voran gebracht. Wir haben mit ihm strategische Zielsetzungen, sowohl für die Cash Games in Macau, als auch für seinen spielerischen Werdegang an sich, definiert. 

PZ: Von Macau hört man ja immer, dass es dort viele superreiche Chinesen geben soll, deren Mega Cash Games jegliche Vorstellungskraft sprengen. Ansonsten bleibt das immer ein bisschen farblos. Wie muss man sich denn das Pokerspielen in Macau nun vorstellen?

SK: Wenn man auf das Pokerspiel an sich fixiert ist erscheint einem Vegas, so wie auch viele andere Orte weltweit, eindeutig bunter. Im Wesentlichen gibt es drei mittelgroße Poker Rooms, von denen keiner so aufregend ist, dass man ihn unbedingt gesehen haben muss. Der attraktivste Raum ist für meine Begriffe der Pokerstars Live Room im Casino „City of Dreams“, wobei der in Vegas auch nur als „Durchschnitt“ eingestuft werden würde. 

Macau
Macau.

PZ: Welche Spiele und welche Limits gibt es in Macau?

SK: Nach oben hin gibt es keine Grenzen. Die niedrigsten Limits liegen bei 20/40 Hong Kong Dollar, was in etwa €2/€4 entspricht. Diese Tische werden am Wochenende jedoch erst gar nicht angeboten.  

PZ: Was habt ihr gespielt?

SK: Am wohlsten fühle ich mich bei €2/€4 oder auch etwas höher. Die meisten meiner Kunden spielen ebenfalls in diesen Limits.  

PZ: In Vegas findet sich ja teilweise ein richtiger Menschenzirkus an den Cash Game Tischen zusammen. Wie ist das in Asien?

SK: An den Tischen saßen ausnahmslos Einheimische. Mein Kunde und ich waren die „Exoten“. 

PZ: Mit den Chinesen redet man folglich auch nicht viel oder?

SK: Wenn man kein Chinesisch spricht, kommt auch keine Konversation in Gang. 

PZ: Warum dann ausgerechnet diese Stadt?

SK: Rein aus persönlichem Interesse. Ich bin schon lange im Geschäft und habe schon sehr viel erlebt, bin aber auch immer auf der Suche nach neuen, interessanten Erfahrungen. Ich kann einfach nicht mehr mit dem gleichen Enthusiasmus nach Vegas fliegen, wie ich es vor 10 Jahren getan habe. Also muss etwas Neues her.

PZ: Wenn du so neugierig bist, hast du dich bestimmt auch auf die Suche nach den Super Cash Games gemacht. Hast Du Tom Dwan oder Sam Trickett gesehen?

SK: Leider nein. Soweit ich weiß, gibt es einen High Roller Room im Star World Casino, wo u.a. Phil Ivey, Tom Dwan und Sam Trickett regelmäßig zu Gast sein sollen. Es heißt, dass der spektakulärste Tisch Blinds von €10k/ €20k hat. Für mich ist das der reinste Wahnsinn. Es gibt einen Spielerpool von über 150 Spielern, die bereit sind diese Limits zu spielen. Das spielt sich aber alles hinter einer Wand ab und um da hinein zu kommen, war „mein Interesse“ dann doch nicht groß genug. (lacht)  

Tom Dwan and Phil Ivey
Tom Dwan und Phil Ivey werden regelmäßig zu den Mega Cash Games eingeladen.

PZ: Dann hast du dich auf dein eigenes Cash Game – und das deines Kunden – konzentriert. Was muss man denn nun beachten, um kein böses Erwachen in Macau zu erleben?

SK: Grundsätzlich würde ich dieselben Tipps geben, wie überall anders auch. Mach alles, was dich bisher erfolgreich gemacht hat. Und wenn du bisher nicht erfolgreich warst, fahr nicht nach Macau. 

PZ: Das ist alles?

SK: Man sollte sich in Macau auf Deepstack Poker vorbereiten. Dort setzt sich keiner nur mit 40 Big Blinds an den Tisch. Es ist komplett anders, als in Vegas und auch in Wien. In Macau muss man schon einen 300 bis 700 Big Blind hohen Stack spielen können. Andernfalls fühlt man sich immer „short“.  

PZ: Und weiter?

SK: Die Zahlenmythologie der Chinesen spielt auch am Pokertisch eine große Rolle. Die Acht ist dort die Glückszahl. Ein Beispiel: Es wird Preflop geraist und der Flop bringt A 8 4. Wenn du hier gegen einen Chinesen spielst, ist bei ihm die Achter-Kombination genauso wahrscheinlich, wie die Ass-Kombination. Genau betrachtet, ist dieses Beispiel besonders interessant, denn die 4 ist bei den Chinesen die Unglückszahl. Mein Gegner würde hier 8 5 mit der gleichen Wahrscheinlichkeit spielen, wie A 5. Dagegen würde er A 4 wahrscheinlich sofort folden. Das hört sich alles ein wenig profan an, aber man sollte diese Situationen in Macau auf jeden Fall  im Auge behalten.

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