Stefan Rapp – „Namen sind etwas für Grabsteine“

Stefan Rapp

Es hätte nicht schlimmer für ihn kommen können. WPT Baden, Money Bubble. Stefan Rapp schiebt als Short Stack seine Chips mit Siebenen in die Mitte und bekommt von Landsmann Stjepan Jokic den Call. Jokic hat Neunen, doch der Flop bringt eine Sieben und Rapp kann durchatmen. Bis…

…ihn eine Neun auf dem River brutal aus dem Turnier befördert.

„Das war definitiv nicht mein Tag“, meint Rapp später. „Schon beim Essen lief es mies. Wir haben Kreditkarten-Roulette gespielt, wer die Rechnung bezahlen muss, und ich habe das entscheidende Duell gegen Chipleader Paul Berende verloren“, schiebt er lachend hinterher.

Schon im Vorjahr ist ihm bei einem großen Turnier in Wien Ähnliches passiert. Mit 70 zu 30 war er vor dem Flop Favorit, doch am Ende platzten auf der Bubble seine Träume vom Preisgeld.

Natürlich aber hatte Rapp beim Poker auch schon mehr Glück als heute. Eine seiner schönsten Geschichten handelt von einem Turnier in Linz.

Dort wurde bei neun verbliebenen Spielern ein Deal verhandelt und Rapp war Chipleader.

„Der erste Platz war mit ca. 1.000 Euro dotiert und die Verhandlungen endeten damit, dass ich das Preisgeld für Platz 1 bekam und sich die anderen den Rest zu gleichen Teilen teilten. Ich hab mich tatsächlich einverstanden erklärt… und die anderen waren auch zufrieden.“

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Stefan Rapp am Finaltisch der Poker EM 2011...
 

„Der Respekt der anderen war natürlich angebracht (lacht), aber aus meiner Sicht sind Namen was für Grabsteine. In der Form gebührt daher dieser Respekt niemandem.“

Seit letztem Jahr gehört Rapp zum Team der Win2Day-Aces, nachdem er zuvor Red Pro bei Full Tilt war.

An seine Zeit als Full-Tilt-Pro denkt er nicht im Groll zurück.

„Eins vorweg. Full Tilt ist mir nichts schuldig geblieben, mein Geld habe ich bis auf eine Kleinigkeit komplett bekommen.

Natürlich war die Art und Weise, wie es mit Full Tilt zunächst zu Ende ging, für mich als Profi genauso übel wie für alle anderen.

Auch ich habe keine Informationen über den Stand der Dinge bekommen, sondern erst nach dem Relaunch.

Dann wurde mir zwei oder drei Wochen später mitgeteilt, dass es keine Red Pros mehr geben werde.“

Trotz der Unklarheit im Fall Full Tilt entschied sich Rapp frühzeitig für ein Engagement bei Win2Day. „Das war aber ohnehin eine gute Entscheidung, mit der ich sehr glücklich bin.“

Im Duell Mann gegen Mann, das beim Poker eine große Rolle spielt, kennt sich der 32-jährige Österreicher bestens aus. Als Jugendlicher gehörte er zu den besten Tischtennisspielern des Landes und spielte danach mehrere Jahre in der 1. Bundesliga.

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... und als Full Tilt Red Pro 2008.
 

„Seit ich sieben Jahre alt war, spielte ich sehr intensiv Tischtennis und gehörte immer zu den zwei oder drei besten Spielern Österreichs. Einige Jahre war ich der jüngste Bundesligaspieler Österreichs, im Studium hat sich mein Interesse aber immer mehr zum Poker hin verlagert.“

Schuld daran ist ironischerweise sein Tischtennistrainer, der ihm das Pokern beibrachte.

„Natürlich gibt es Parallelen zwischen Tischtennis und Poker. Wenn es bei 10 zu 10 knapp wird, muss man wissen, was die Schwachpunkte des Gegners sind und sich entsprechend darauf einstellen.

Welcher Aufschlag oder Rückschlag hat am besten funktioniert, also um es in Pokersprache zu sagen, was ist jetzt der richtige Move?“

„Ja, und beim Poker ist es ähnlich. Nach vielen Stunden Spiel weiß man ebenfalls, wo die Schwachpunkte des Gegners liegen und kann das zum Beispiel in der Bubble-Phase ausnutzen.“

Weitere Parallelen sieht Rapp im mentalen Bereich. „Wie beim Poker spielen sich auch beim Tischtennis die entscheidenden Momente im Kopf ab.“

Einen Tag zum Vergessen hatte Stefan Rapp bei der WPT Baden, doch schon beim nächsten Mal kann alles anders sein.

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