Starke Hand, kleiner Pot Teil 2: Die mittlere Hand

Seven-Handed

Manche Amateure glauben, dass man mit starken Händen nur kleine Pots gewinnen kann. Das würde natürlich bedeuten, dass große Pots nur mit schwachen Händen gewonnen werden.

Die dahinter stehende Überlegung lautet ungefähr so:

„Erhöht und gecallt wird pre-Flop nur mit guten Karten, also steigt die Wahrscheinlichkeit, mit niedrigen Karten den Flop zu treffen und die guten Hände zu knacken."

Zwar ist das eine Logik, die auf einer Halbwahrheit basiert und an der Grenze zur Lächerlichkeit steht, aber das Konzept schwache Hand, großer Pot ist gar nicht soweit hergeholt. Es kommt durchaus zu Szenarien, in denen das Konzept exakt zutrifft.

Hoyt Corkins
Großer Hut, großer Pot?

Kleine Hand, großer Pot

Ein Amateur, der seine Hand nicht loslassen kann, hat selten eine schlechtere Hand als Top Pair.

Mit Händen wie 7-9o setzt man sich kaum dem Risiko aus, sich an eine Hand zu hängen, die es nicht wert ist.

In dem unwahrscheinlichen Fall jedoch, in dem man den Traumflop 6-8-5 trifft, sieht man gegen AA wie ein Genie aus und gewinnt einen Riesenpot. Wenn man trifft, gewinnt man große Pots, und wenn man nicht trifft, verliert man nur wenig Geld, denn man kann sich relativ einfach von der Hand trennen.

Ehrlich gesagt, diese Philosophie ist vollkommen in Ordnung. Ich stimme sogar mit ihr überein.

Zwar bekommt man mit solchen Händen nie genug Equity für die Pot Odds, aber für die Implied Odds. Richtig angewendet, können solche Hände in Cash Games eine Menge Geld wert sein.

Wenn wir unsere Range für schwache Hände auch auf Q-J, K-Q, K-J und ähnliche ausweiten, löst sich unsere durchaus robuste Theorie allerdings in Luft auf.

Diese Hände werden sehr einfach dominiert, z. B. von allen Premiumhänden. Jeder, der bereit ist, viel Geld zu bezahlen, wenn Sie mit einer der eben genannten Hände Top Pair getroffen haben, hat Sie wahrscheinlich geschlagen.

Die Theorie der schwachen Hände und großen Pots funktioniert nur mit sub-marginalen Händen.

Betten Sie niemals das mittlere Paar

Starke Hände - gutes Geld.

Marginale Hände - gewinnen wenig oder gar kein Geld.

Schwache Hände - gewinnen viel Geld.

Das passt zu der allgemein anerkannten Theorie, dass man niemals das mittlere Paar betten sollte. Diese Theorie stammt nicht von mir, sie wurde an anderer Stelle veröffentlicht. Ich will sie mir deshalb auch nicht ans Revers heften, sondern gebe sie hier nur wieder.

Stellen Sie sich vor, zwei Personen spielen Karten. Es wird mit nur drei Karten gespielt, einem Ass, einem König und einer Dame.

Beide Spieler bekommen eine Karte, dann folgt eine Setzrunde. Danach werden die Karten umgedreht, und die höhere Karte gewinnt den Pot.

In diesem Spiel würde man mit einem Ass immer setzen (starke Hand). Ein Ass ist hier die Nuts, man kann nicht verlieren, und manchmal würde ein König bezahlen, wenn er glaubt, dass man nur die Dame hält.

Hält man dagegen die Dame, macht es ebenfalls Sinn zu setzen, denn man kann einen König zum Fold bringen, der glaubt, man habe das Ass.

Hält man dagegen den König, macht es niemals Sinn, zu setzen. Eine Dame wird nie bezahlen, und ein Ass wird nie folden.

Man kann also mit der besten und mit der schlechtesten Hand Geld verdienen, aber niemals mit der mittleren.

Phil Hellmuth
Großes Ego, großer Pot?

Fazit: Wer hat Recht?

Richtlinien aus dem Lehrbuch über Pot Size gegen Handrange sind, wie alle Pokerstrategie, abhängig von der Situation.

Es gibt kein korrektes Poker. Jede Situation muss neu analysiert und interpretiert werden. Deshalb dürfte es Sie nicht überraschen, dass sowohl dieser Artikel als auch „Starke Hand, großer Pot..." korrekte Aussagen beinhalten, obwohl sie sich anscheinend widersprechen.

Mit starken Händen sollte man immer versuchen, den ganzen Stack in die Mitte zu schieben, obwohl es einem manchmal so scheint, als würde man damit nur kleine Pots gewinnen. Mit marginalen Händen dagegen sollte man möglichst um kleine Pots spielen.

Letztlich hat man mit schwachen Händen die Möglichkeit, sehr große Pots zu gewinnen, ohne allzu große Verluste zu riskieren. Das ist einer der Gründe, warum Sie manchmal im Fernsehen sehen, dass Profis solche Hände auch gegen Raises spielen.

Die mittlere Hand ist dafür prädestiniert, Ihnen schlechte Bets und geplatzte Bluffs zu zeigen. Es gibt diese Konzepte, die es Ihnen erlauben, ein starker, konstanter Spieler mit aggressivem Stil zu werden.

Jeder Poker-Spielzug muss begründet sein. Man setzt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, nicht um des Setzens willen.

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