Sprechen Sie russisch? - EPT San Remo Tag 5

Basilika-San-Remo

Wenn man in San Remo die Strandstraße vom ehrwürdigen Hotel Londra hinunter läuft, vorbei am teuersten Hotel der Stadt - dem Royal - dann passiert man kurz vor dem Casino eine Kirche mit Zwiebeltürmen. Sie ist das nicht zu übersehende Mahnmal an alle russischen Großfürsten die ebenso spielwütig wie ihre Enkel Abermillionen von Rubel an der Riviera di Ponente versenkt haben.

Das Faible der Russen für die nahe gelegene Cote d'Àzur und ihre nicht ganz so wohlhabende italienische Schwester Riviera ist legendär und wurde in unzähligen Roman beschrieben. Schon 1874 und 1875 war Zarin Maria Alexandrowna, Gemahlin Alexander des II in den Edelhotels von San Remo ein und ausgegangen. Aus Dank hat sie am Corso Imperatice ein Dutzend Palmen hinterlassen.

Die Russen sind immer noch passionierte Spieler. Und immer noch investieren sie ihre Rohstoff-Dollar am liebsten am Mittelmeer. In letzter Zeit auch bevorzugt beim Poker. Bei der EPT San Remo waren sie mit fast 80 Spielern dabei und stellten die nach den Italienern teilnehmerstärkste Nation.

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Finaltisch erreicht - Alexej Rybin.

Unter den 24 verblieben Spielern gestern waren noch zwei von ihnen. Und wenn man jemanden fragte, wer wohl der größte Fisch im Rennen sei, dann war die einhellige Meinung: der Russe Alexej Rybin. Weil aber Amateure in einer solchen Situation, wo fast jede starke Hand ein All-in bedeutet, oftmals die Nase vorn haben, marschierte Rybin auch von Anfang an vorne weg.

Zunächst suckte er den Schweden Jakob Carlsson aus, als er preflop fourbettete und erstmals all in war.

Rybin: 3 4

Carlsson: Q Q

Das Board brachte A T  5 8 6  und der Russe war mit 4 Mio. Chips ganz vorn dabei.

Der nächste Suck out war für Allan Baekke vorgesehen. Und weil Rybin mit A Q gegen  Q Q nach einem wertlosen Flop und einem ebenso wertlosen Turn am River mit A noch eins der verbliebenen drei Asse traf, rief er in die Runde: "Kann jemand meine Freunde anrufen? Mit sovielen Chips fühl ich mich alleine einfach nicht mehr wohl." Turnierdirektor Thomas Kremser entlockte das ein vergnügliches Lachen, und der Feature Table hatte spätestens jetzt seinen Entertainer gefunden.

Wenig später nahm er dem Snowfest-Gewinner auch noch die letzten 200.000 Chips ab, als dieser mit Q 8 seinen verbliebenen Stack in des Schicksals weiten Rachen warf. Der Call kam, von wem sonst, vom glücklichen Russen Alexej Rybin. Der hielt Pocket 2er. Der Flop brachte zwar eine Dame aber eben auch eine 2. Allan Baekke wurde Zwölfter und gewann für seine Verhältnisse lächerliche 40.000 Euro.

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PokerStars EPT San Remo - das Finale.

Ganz zum Schluss schien sich der Pokergott, der in San Remo sicherlich auch ein paar Worte russisch spricht aber gegen seinen Schützling und für den starken Online Spieler Jakob „Mendieta19" Carlsson entschieden zu haben. Rybins und Carlssons Chips wanderten gegen Ende des Abends auf einen Flop K T Q in die Mitte. Der Pot war auf monströse 11 Millionen angewachsen Karlsson hat mit Q Q das Set getroffen aber Rybin führte mit  J 9 schon wieder mit einer Straight und hat dazu auch noch den Flush Draw.

Im Media Raum, wo viele dem Schweden die Daumen drücken fing die Meute an zu skandieren: "Pair the Board, Pair the Board..." Der Turn mit 8 war eine Blank, aber der K ließ den Monster-Pot dieses Mal auf die Seite des jungen Schweden wandern. Der schloss den Tag dann mit 13 Millionen ab. Und weil er damit doppelt so viele Chips hat, wie der Zweitplatzierte gilt er nun als klarer Favorit auf die Krone.

Die Rechnung wird hier allerdings nicht ohne die Russen gemacht. Einer, der sich in der russischen Pokerszene bestens auskennt, ist Sergeij Rybachenko (36). Er war der Backer hinter dem Erfolg von Ivan Demidov (2. WSOP Main Event 2008, 3. WSOPE Main Event 2008) und Stanislav Alekhin (2. WSOPE Main Event 2008). Wir haben uns hier in San Remo mit ihm unterhalten und deswegen ist ihm das Interview des Tages gewidmet:

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Sergej Rybachenko - 100 Anfragen pro Tag.

Sergej, du hast mit den Erfolgen von Ivan Demidov und Stanislav Alekhin eine Menge Geld verdient. Welche Pferdchen hattest du denn hier in San Remo im Rennen?

Keine. Leider, denn die russische Nachwuchsszene hat eine große Zukunft. Aber ich habe die sieben Millionen, die ich 2008 verdient habe, komplett in High Stakes Partien vor allem in Moskau verloren. Momentan muss ich erstmal wieder eine Bankroll aufbauen, bevor ich wieder ins Staking einsteigen kann.

Aber du würdest sofort staken, wenn du könntest?

Sofort. Ich habe dafür ein Näschen, das weiß ich. Und ich weiß auch, dass die jungen russischen Spieler bei der EPT in Zukunft noch für eine Menge Aufsehen sorgen werden. Ich bekomme täglich immer noch 100 Briefe mit Angeboten und Anfragen. Aber noch mal: momentan bin ich mir erst mal selbst der Nächste.

Hattest du Alexej Rybin, der nun am Final table sitzt auf deinem Zettel?

Nein, das ist auch unmöglich. Alexej ist Geschäftsmann und pokertechnisch eher als Amateur einzuordnen. Solche Leute tauchen einmal auf und verschwinden dann wieder.

Dann ist er also kein würdiger Repräsentant der russischen Pokerszene?

Eher nicht. Aber er hat Spass, hualt den Tisch bei Laune und er trinkt Alkohol. Das wollen die Europäer doch von uns Russen sehen. Kurios dabei ist nur: von den 80 Russen, die hier gestartet sind, trinken vielleicht zwei, während sie spielen. Unter diesem Gesichtspunkt ist Rybin also ein Geschenk der Russen an die Veranstalter.

Wieviel Euro Alexej Rybin mit nach Hause zu Mütterchen Russland nimmt, entscheidet sich heute im Theater des Casinos San Remo. Hier die Chipcounts der verbliebenen Spieler:

  1. Jakob Carlsson, Schweden, 13.525.000
  2. Toni Pettersson, Finnland, 5.035000
  3. Michael Piper, GB, 4.600.000
  4. Claudio Piceci, Italien, 4.600.000
  5. Liv Boeree, GB, 3.440.000
  6. Atanas Georgiev, Bulgarien, 2.520.000
  7. Alexey Rybin, Russland, 1.890.000
  8. Giuseppe Diep, Italien, 1.830.000

- Christian Henkel

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