Auf der Schattenseite

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16 September 2012, Von: Christian Henkel
Geposted in: PokerZeit Blog
Auf der Schattenseite

Poker bringt Stars hervor und erzählt großartige Geschichten. Aus Buchhaltern werden Millionäre, junge Hobbyspieler erleben kometenhafte Aufstiege, ganze Fernsehserien werden produziert, in denen um astronomische Summen gespielt wird.

Und Prominente, die sich in die Pokerwelt begeben, verleihen der Szene ein bisschen zusätzlichen Glamour.

Aber Poker hat auch eine Schattenseite. Wer einmal in den Strudel aus Downswings und Selbstüberschätzung gerät, kann sich auch dort verlieren.

Wir zeigen Ihnen sechs Superstars, die nach ihrer aktiven Karriere auf die schiefe Bahn gerieten und dem Absturz nahe kamen.

Michael Jordan (49)

Michael Jordan A
Deshalb nannten sie ihn "Air".

„Jordan ist Gott, verkleidet als Basketballer.“ Das sagte kein Geringerer als NBA-Legende Larry Bird über den jungen Michael Jordan.

Jordan gewann mit den Chicago Bulls sechs NBA-Meisterschaften, wurde fünfmal zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt, wurde zweimal Olympiasieger und 1999 von ESPN zum besten Sportler des Jahrhunderts gewählt.

Und er hatte schon frühzeitig ein gewaltiges Spielsucht-Problem. 1991 kam die dunkle Leidenschaft Jordans erstmals ans Licht. Bei der Überprüfung des Kokain-Dealers James „Slim“ Bouler war ein Scheck in Höhe von 57.000 Dollar von Michael Jordan aufgefallen.

Wie sich später herausstellte, hatte der Basketball-Star Spielschulden beglichen, die er bei Bouler nach einem Wochenende in North Carolina im Poker und Golf gemacht hatte. Und das war nur die Spitze des Eisbergs.

Jordan wettete in Schwindel erregenden Höhen praktisch auf alles: Golf, Pferde, Football und auf Videospiele mit seinen Teamkollegen. Bezüglich des Pokerns rieten die Assistenztrainer junge Spieler von einer Partie mit dem Star ab.

Durch die viele Übung sei Jordan viel zu gut geworden. Richtig in die Vollen ging „His Airness“ allerdings beim Golf. Anfang 1993 erschien ein Buch mit dem Titel: „Michael and Me: Our Gambling Addiction... My Cry for Help“.

Michael Jordan B
Am Pokertisch ging ihm die Luft schnell aus.

Darin schilderte Geschäftsmann Richard Esquinas, wie er Jordan beim Golf um eine Million Dollar erleichtert habe. Sein Fazit: Jordan ist spielsüchtig.

Eine Analyse, der sich heute auch Jordan nicht mehr entziehen würde. In einem Interview bei der bekannten US-TV-Show „60 Minutes“ räumte er 2005 ein: „Ja, ich habe mich durch Poker und Wetten in Situationen gebracht, aus denen ich nicht mehr herauskam. Dafür schäme ich mich. Ich schaue in den Spiegel und sage: Ich war wirklich bescheuert.“

Erfolge:

Sport: NBA-Profi bei Chicago Bulls und Washington Wizards (1984-2003), Nationalmannschaft USA (1981-1992), 6 NBA-Titel, 5 Mal MVP-Award, Olympiasieger 1984 und 1992, „Sportler des Jahrhunderts“ (ESPN-Award 1999)


 

Eike Immel (51)

Immel A
Gute Zeiten - im Nationaltrikot.

Eike Immel war deutscher Nationaltorhüter und stand im Kader bei den Weltmeisterschaften 1982 und 1986 sowie den Europameisterschaften 1980 und 1988.

Mit 537 Bundesliga-Spielen für Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart liegt er als Torhüter bezüglich der Liga-Einsätze auf Platz 2 hinter Oliver Kahn. Allerdings machte Immel offenbar schon früh Bekanntschaft mit Spielsucht.

Harald „Toni“ Schumacher berichtete 1986 in seinem Skandal-Buch „Anpfiff“ von regelrechten Poker-Orgien im Kreise der Nationalelf, bei denen sich vor allem sein Torwart-Konkurrent Eike Immel im besonderen Maße hervorgetan haben soll.

Schumacher wörtlich: „Der pokerte schon wie ein Süchtiger. Oft sah man ihn, wie er sich enttäuscht und völlig gerupft auf sein Bett warf. Nicht selten wurde um 20.000 bis 30.000 D-Mark gespielt.“

Nach Abschluss seiner Karriere verzockte sich Immel dann vollends.

Der 19-fache Nationalspieler verspekulierte sich mit Bauherrenmodellen, scheiterte peinlich als Geschäftsführer für Nobelkarossen und soll Unsummen in Pokerpartien verloren haben.

Eike Immel B
Schlechte Zeiten - Dschungelcamp.

Ab 2007 ging es für Immel dann im rasanten Tempo bergab. 2007 leistete er einen Offenbarungseid, 2008 ging der einstige Millionär in Privatinsolvenz und ins Dschungel-Camp.

Ein Jahr später dann der absolute Tiefpunkt: die Anklage wegen Kokainbesitzes. Heute lebt Eike Immel als Frühinvalide von weniger als 1.000 Euro im Monat.

Erfolge:

Sport: 537 Erstligaspiele für VfB Stuttgart, Borussia Dortmund und Manchester City; Nationalmannschaft Deutschland (1980 – 1988), 19 Länderspiele; Deutscher Meister 1992 mit VfB Stuttgart, Europameister mit Deutschland 1980


 

Jevgenij Kafelnikov (38)

Jewgeni Kafelnikov A
Spiele verschoben?

Jevgenij Kafelnikov ist der beste russische Tennisspieler aller Zeiten. Er gewann in seiner Karriere die French Open (1996), die Australian Open (1999), Olympiagold (2000), den Davis Cup (2002) und war Nummer 1 der Weltrangliste.

Schon während seiner Karriere entdeckte er das Pokern für sich und konnte auch schon bald erste Erfolge vorweisen. 2004 gewann er bei der Korona Russian Poker Tour ein $300 Omaha Hi/ Lo-Turnier.

2004 in Maidstone cashte er dann richtig. Für seinen 3. Platz beim Finale der Pacific Poker UK-Open gab es satte 100.000 Dollar. Und nur ein Jahr später gab es sogar eine Final Table-Teilnahme bei der WSOP im Seven Card Stud.

Allerdings reichte das wohl alles nicht aus, um seine immer dramatischer werdenden Verluste bei hohen Live-Cash Game-Partien auszugleichen.

Beobachter nannten Kafelnikov immer wieder namentlich, wenn es darum ging, Prominente zu finden, die beim Spielen die Kontrolle verlieren.

In diesem Zusammenhang erschienen dann schon bald auch alte Manipulationsvorwürfe in einem neuen Licht.

Jewgeni Kafelnikov B
Gesichtszüge verschoben.

Gerüchten zufolge hatte Kafelnikov in Tennisspielen gegen Fernando Vicente und Diego Armando, die von den beiden krassen Außenseitern glatt gewonnen wurden, vorher Absprachen mit der Wettmafia getroffen.

Der Russe, so der Verdacht, habe mit den erhaltenen Prämien Pokerschulden beglichen.

Erfolge:

Sport: Tennisprofi (1992-2003), Sieg bei den French Open 1996 und bei den Australian Open 1999, Olympiasieger 2000, Weltranglisten-Erster (Mai 1999 bis Juni 1999), Gewinner Davis Cup mit Russland 2002



 

Charles Barkley (49)

Charles Barkley A
Hat "Balls" - Charles Barkley.

Charles Barkley war neben Michael Jordan und Magic Johnson einer der NBA-Superstars der 80er und 90er Jahre und Mitglied des ersten Dream Teams.

1993 war er wertvollster Spieler der Liga und gewann den MVP-Award. Zwischen 1984 und 2000 spielte er für die Philadelphia 76ers, Phoenix Suns und Houston Rockets und wurde 1996 zu einem der 50 besten Basketballspielern aller Zeiten gewählt.

Und er ist einer jener Ex-Sportler, die in ihrer aktiven Karriere als Führungsspieler und Kultfigur galten und danach einen großen Teil ihres Vermögens beim Pokern und Black Jack verzockt haben.

2006 konnte sich ganz Amerika an seiner Spielsucht delektieren.

Der Mann, den das Rolling Stone Magazin auf einem Titelbild einst als Napoleon abgebildet hatte und der von seinen Basketball-Kollegen nur ehrfürchtig „Sir Charles“ genannt worden war, schuldete dem Wynn-Casino satte 400.000 Dollar von einer nächtlichen Spiel-Session.

Und er weigerte sich, den Betrag zurückzuzahlen. Erst unter Androhung von Haft zeigte sich der einstige Star der Phoenix Suns gefügig.

Bei der WSOP 2008 spielte der mittlerweile übergewichtige und auch so angeschlagen wirkende Barkley das „Ante Up For Africa“ Charity-Turnier und erklärte: „Habe ich ein Problem mit Pokern?

Charles Barkley B
Problem mit Pokern?

Ja, ich habe ein Problem mit Pokern. Doch ich kann es mir leisten. Momentan allerdings ist es mir hier in Vegas verboten in Casinos in zu spielen.“

Seit dem Ende seiner Basketball-Karriere hat Barkley, das gab er 2006 in einem Interview zu, „ungefähr 10 Millionen Dollar beim Black Jack, bei Sportwetten, aber vor allem beim Poker verloren.“

Bei diesen Zahlen musste selbst das einstige Super-Großmaul zugeben: „Wenn ich so weitermache, bin ich bald pleite.“

Erfolge:

Sport: NBA-Profi bei den Philadelphia 76ers, Phoenix Suns und Houston Rockets (1984 – 2000); Nationalmannschaft USA (1992 – 1996); MVP-Award 1993, Olympiasieger 1992 und 1996


 

John Daly (46)

John Daly A
Top-Profi mit Topfigur...

„Dass er trotz seines Lebenswandels noch so gut Golf spielt, zeigt einem erst, welch immenses Talent dieser Mann hat“. Das sagte kein Geringerer, als Tiger Woods über seinen schwergewichtigen Kollegen.

Eine Sensation war Daly von Anfang an. 1991 traf er, als gerade mal 25-Jähriger nur zehn Minuten vor seinem Abschlag per Wohnwagen bei der PGA-Championship ein und gewann. 1995 holte er sich bei den British-Open in St. Andrews seinen zweiten Major-Titel.

Schon bei seinem ersten Turnier trank er Bier aus Pappbechern, rauchte Kette und wurde so zum Maskottchen der amerikanischen Unterschicht.

Zunehmend hatte Daly allerdings auch mit Depressionen zu kämpfen, die er vor allem mit ausgedehnten Touren durch die Casinos von Las Vegas zu bekämpfen suchte.

Laut seiner Autobiographie soll er 50 bis 60 Millionen Dollar in Kasinos verzockt haben; an Slot-Machines, Black Jack-Tischen und auch beim Poker.

John Daly
Top gekleidet und mit Top-Lebenswandel.

In einer Nacht nach einem Turniersieg soll dabei mit 1,5 Millionen sogar mal das Doppelte seines Preisgeldes drauf gegangen sein.

Auf seiner CD „My Life“, bei der den Hobby-Gitarristen und Sänger Countymusik-Stars, wie Willie Nelson unterstützen, heißt ein Song: „All my Exes wear Rolexes“ (alle meine Ex-Frauen tragen Rolex-Uhren).

Auch von den Pokertischen, an denen Daly meist betrunken Platz genommen hat, dürfte eine nicht unerhebliche Anzahl von Gegnern aufgestanden und in den Laden des Edeluhren-Herstellers gegangen sein.

Erfolge:

Sport: Golf-Profi seit 1987; 2 Major-Turniersiege der PGA (1991 in Crooked Stick, USA und 1995 in Saint Andrews, Schottland); 18 weitere Turniersiege

 


Manfred Kastl (47)

Manni Kastl A
Manni Kastl im HSV-Trikot.

Mit 21 Jahren galt der damals für den Hamburger SV spielende Manfred Kastl als eines der größten Sturmtalente Deutschlands.

Ein richtiger Durchbrauch gelang dem gebürtigen Franken jedoch nie. Zwischen 1986 und 1992 absolvierte er 122 Bundesligaspiele für den HSV, Bayer Leverkusen und den VfB Stuttgart und beendete ohne jemals Großes geleistet zu haben mit 28 Jahren seine aktive Laufbahn.

Nach einem in der Insolvenz geendeten Abenteuer als Hotelmanager entdeckte er seine Leidenschaft für Poker.

Zwar war er häufiger in Poker-TV-Sendungen zu sehen und spielte auch größere Live-Turniere (z.B.: WSOP 2008, EPT Snowfest 2010), aber erst spät konnte er zu seiner Spielsucht stehen.

Nach eigener Aussage konnte ihn erst ein Psychologe aus den Fängen der Spielsucht befreien: „Es gab einen Zeitraum von neun Monaten, in dem ich mich als Abhängigen betrachtet habe. Ich war regelmäßig, oft viermal die Woche, in diversen Spielkasinos. Das konnte so nicht weitergehen, deshalb habe ich mich an einen Psychologen gewandt. In den Gesprächen mit ihm ist mein Realitätssinn zurückgekehrt.“

manni-kastl
Arbeitet heute als Veranstalter.

Die Schuld für seine potentielle Spielsucht will Kastl allerdings nicht in seiner früheren Sport-Karriere sehen:

„Klar haben wir gepokert und gewürfelt, und am Flughafen auch mal gewettet, welcher Koffer zuerst vom Gepäckband kommt. Aber da ging es um kleine Wetteinsätze, mal um 20 Mark, mal um ein Essen. Ich bin sicher, dass das nicht die Ursache für meine spätere Spielleidenschaft war.“

Kastl ist heute offizieller Repräsentant der Community „Piranha Poker“ und veranstaltet selbst Live-Sachpreisturniere.

Erfolge:

Sport: 122 Erstligaspiele (31 Tore) für Hamburger SV, Bayer Leverkusen und VfB Stuttgart

 

Lesen Sie hier, welche Sportstars es geschafft haben, sich erfolgreich in der Pokerszene zu etablieren.

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