Spielt mehr Limit Poker!

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Ich weiß, ich sollte jetzt besser in Deckung gehen … oder wenigstens nicht die Kommentare lesen und damit mein Ego schützen. Aber … was soll’s.

Ich habe hier ein Statement abzugeben, und zufällig halte ich es für ein besonders gutes. Es gibt eine Reihe von Gründen, zu Limit Poker zu wechseln. Hier sind ein paar:

Erstens, da so viele Leute No Limit und Pot Limit spielen, gibt es auch viele richtig gute Spieler. Die Spiele werden ständig schwieriger, und ein Ende ist nicht abzusehen.

Es gibt jeden Tag neue junge Spieler, die das Spiel extrem ernst nehmen. Sie verbessern sich so schnell, dass man gar nicht mehr nachkommt. Falls Sie nur zum Vergnügen spielen, können Sie schon lange nicht mehr so einfach ein kleines Nebeneinkommen aufbauen wie noch vor einem Jahr. Die Lebenserwartung Ihrer netten kleinen Bankroll sinkt von Tag zu Tag.

Warum das so ist? Weil die Fische broke gehen.

Ingo Fiedler und Jan-Philipp Rock veröffentlichten am Institut für Recht und Wirtschaft in Hamburg im Jahr 2009 eine Studie, die belegt, dass die überwältigende Mehrheit aller Spieler einmal einzahlen, sich an den Tisch setzen, in weniger als 100 Händen ihr Geld verlieren und dann nie wiederkommen.

Was lernen wir daraus? Das Spiel ist kein Spaziergang, und einfache Partien gibt es nicht viele auf der Welt.

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Jennifer Harman, LHE-Spezialistin.

Zweitens sind die NLHE- und PLHE-Partien viel aggressiver geworden, und Aggressivität steigert die Varianz. Erhöhte Varianz ist nicht nur ein ökonomisches Problem, es sind vielmehr die psychologischen Schwierigkeiten, die mit den Swings einhergehen, mit denen man umgehen lernen muss.

Varianz ist die Mutter von Tilt. Tilt ist der gemeinsame Feind. Ich sehe heute mehr Tilt als noch vor einem Jahr. Ehrlich gesagt tilte ich selbst mehr als vor einem Jahr.

Drittens ist Limit Poker leichter auszurechnen. Es beruht auf gewöhnlicher Heuristik.

Aus den oben genannten Gründen ist solides und tightes, auf Position ausgerichtetes Spiel in Limit Poker viel effektiver als in NLHE. Außerdem ist es leichter zu lernen, und man kann schneller ein guter Spieler werden, zumindest auf niedrigen und mittleren Levels.

Mit „mittlere Levels“ meine ich $4/$8 bis etwa $15/$30, obwohl es ehrlich gesagt nicht einfach ist, auf $4/$8 das Rake zu schlagen, und ab $15/$30 werden die Partien deutlich stärker.

Ich versuche mein Glück meistens sowohl an $5/$10 NLHE-als auch an $20/$40 LHE-Tischen. Bei der ersten Partie beiße ich mir häufig die Zähne aus, bei der zweiten eher selten.

Wer sich für Limit Poker interessiert, sollte übrigens einen Blick in Lou Kriegers Bücher Hold’em Excellence und More Hold’em Excellence werfen. Auch Jennifer Harmans Kapitel über Limit Hold’em in Doyle Brunsons Super System 2 ist lesenswert.

Für Omaha 8 empfehle ich Omaha/8 von Mark Tenner und Lou Krieger sowie Bobby Baldwins Kapitel in Super System 2.

Wer sich mit Limit Poker beschäftigt, stellt schnell fest, dass es einige Pokervarianten gibt, die nur als Fixed Limit gespielt werden. Ich bin in letzter Zeit ein Fan von Stud, Stud 8 und Razz geworden. Alles fing damit an, dass ich begann, H.O.R.S.E. zu spielen und bemerkte, dass viele meiner Gegner gar nicht wissen, wie man Stud spielt.

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Jeff Lisandro, Stud-König.

Die Unterschiede in den Skills sind so groß, dass ich mir eine simple Strategie ausgedacht habe, die bisher tatsächlich funktioniert. In den Hold’em und Omaha-Runden spiele ich nur Premiumhände und drawe ausschließlich zu den Nuts.

Für Omaha 8 ist das immer ein guter Rat, weil man auch mit den Nuts manchmal nur ein Viertel des Pots gewinnt.

Für Stud empfehle ich als Lektüre Seven Card Stud von Konstantin Othmer. Den kennen Sie nicht? Gut, denn Ihre Gegner kennen ihn auch nicht, und ich habe nie ein besseres Buch über Stud Poker gelesen.

Zu Stud 8 lesen Sie Todd Brunsons Kapitel in dem Klassiker seines Vaters.

Für Razz konsultieren Sie David Sklanskys Sklansky on Poker sowie Championship Stud von der gerade in die Hall of Fame aufgenommenen Linda Johnson.

Ich hatte so viel Spaß bei HORSE, dass ich heute mehr Zeit auf Stud verwende als für andere Varianten. Das hat sich nicht nur positiv auf meine Bankroll, sondern auch auf meine Psyche ausgewirkt.

Ich habe in diesen Partien einfach mehr Kontrolle. Ich lerne neue Strategien und erfahre mehr darüber, was Poker insgesamt ausmacht. Um ein kompletter Spieler zu sein, muss man alle Varianten von Poker beherrschen. Die Feinheiten von Stud sind dafür ein guter Ausgangspunkt.

Alle sagen, dass Phil Ivey der beste Spieler der Welt ist. Von seinen WSOP-Bracelets hat er aber kein einziges in NLHE gewonnen.

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