Filmpremiere: „Spieler“

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Drei Jahre lang war die Österreicherin Katharina Copony eine meist stille Begleiterin der deutschen Live-Pokerszene. Heute feiert ihr dabei entstandenes Werk „Spieler“ in ihrer Heimatstadt Graz Weltpremiere.

Wir unterhielten uns mit der Wahl-Berlinerin über den steinigen Weg bis zur Fertigstellung des Films, den Einfluss von „California Split“ und wie man als Frau in der Pokerszene unter besonderer Beobachtung steht.

PZ: Du hast vor „Spieler“ Filme mit komplett anderer Thematik realisiert. Was hat dich ausgerechnet in die Pokerszene geführt?

KC: Das Thema „Spieler als Beruf“ hat mich schon immer sehr interessiert und dann ist mir vor ein paar Jahren aufgefallen, dass es auch Teile meines Bekannten- und Freundeskreises erreicht hat.

Mir wurde klar, wie viele eigentlich regelmäßig spielen, und wie viele, vor allem junge Männer Pokern und versuchen damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Zumindest für eine Zeit lang.

Darüber hinaus taucht das Thema auch in der Filmgeschichte häufig auf, wobei sich  das mit dem Onlinespielen ja stark verändert hat und in gewisser Weise viel „unfilmischer“ geworden ist.

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Premiere: heute Abend in Graz.

PZ: Nun ist „Spielen“ im Allgemeinen und „Poker“ im Besonderen ein weites Feld. Wo fängt man da mit der Recherche an?

KC: Das Ganze begann ja mit der Faszination für Live-Poker. Ich war zwischen 2008 und 2010  häufiger in Los Angeles und bin dort auch ins Casino oder Cardclubs gegangen.

Die Atmosphäre hat mich  fasziniert. Die Tatsache, dass dort Menschen jeden Alters und aus allen Milieus, mit ihren unterschiedlichen Lebensgeschichten miteinander stundenlang am Tisch sitzen und nicht weg können, ist schon einzigartig.

Was sich da an Spannung herstellt und wie sich das auch wieder auflöst, hat mich inspiriert.

PZ: Du hast sehr lange an dem Film gearbeitet. Wieso?

KC: Ich habe ausführlich recherchiert und dann dauert es eben oft lange, bis ein Film  finanziert ist.

Meine erste Recherche war die EPT 2010 in Berlin, die dann auch gleich überfallen wurde.

Dort ist mir übrigens auch zum ersten Mal klar geworden, wie groß und jung diese Szene eigentlich ist und vor allem, dass sie bezüglich der großen Live-Turniere eigentlich wie eine Sportszene funktioniert. Der Grossteil der Dreharbeiten fand dann 2012 statt.

PZ: Und in welche Richtung haben dich deine Betrachtungen am Ende getragen?

KC: Ich wollte von Anfang an einen oder mehrere Berufsspieler finden, deren Alltag ich porträtieren kann. Lustigerweise war auf mein Protagoniste Rustem Saparov der erste, auf den ich gestoßen bin.

Meine ursprüngliche Idee war, einen jungen (Online)Spieler mit einem älteren (Live-)Spieler zu kontrastieren. Doch der ältere Spieler ist mir dann mehr und mehr entschwunden.

PZ: Es gibt nun also Rustem und dann gibt es eine Stimme aus dem Off. Warum ist das die Stimme einer Frau?

KC: Weil der Film durch meinen Blick, also einen weiblichen geprägt ist. Und die ganze Szene so stark von Männern dominiert wird. Dieser Kontrast hat mich interessiert.

Und in diese Tonspur sind nun alle möglichen Dinge eingeflossen: Interviews die ich geführt habe, Dinge die ich gelesen habe. Eine Collage aus sehr vielen Quellen.

PZ: Welcher Film, welche Bücher haben dich am stärksten inspiriert?

KC: Sehr gut fand ich „California Split“ von Robert Altman. Man kann darin viel über die sozialen und psychologischen Aspekte des  des Pokerns erfahren.

Unter den Büchern sind mir vor allem „Cowboys Full - the Story of Poker“ von James McManus, „Poker – Parody of Capitalism“ von Ole Bjerg und „The Biggest Game in Town“ von Al Alvarez in Erinnerung geblieben.

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Grinders Hölle und Paradies zugleich.

Und für sehr interessante Interviews möchte ich mich an dieser Stelle auch bei Michael Keiner, Martin Hanowski und Helfried Bernhard bedanken

PZ: Der Film hat dich lange beschäftigt. Wie steinig war der Weg am Ende?

KC: Sehr steinig. Es war ein insgesamt ziemlich schwieriges Projekt. wenn man dieses Thema darstellen will, muss man sehr viel konstruieren. Es gibt da eine gewisse Endlosigkeit.

Der Prozess des Spielens hat keinen richtigen Beginn und kein richtiges Ende. Zeit bekommt eine ganz eigene Qualität. Neben höchster Konzentration und Spannung sind ja auch Langeweile und Monotonie wichtige Begleiter des Berufsspielers.

PZ: Und was ist – in ein paar Worte zusammengefasst – am Ende herausgekommen?

KC: Die Beschreibung eines ungewöhnlichen Berufsalltags. Es ging mir nicht darum Poker zu erklären oder das Spiel moralisch zu bewerten, sondern um die allgemeine Systematik.

Und dabei stehen nun vor allem auch die aktuellen Entwicklungen – sprich Online-Poker – im Fokus.

Zusammengefasst: ein junger Mann entscheidet sich in einem extremen Spannungsfeld zwischen Selbstanalyse, Selbstkontrolle und dem totalen Ausgeliefertsein zu bewegen.

Es gibt außergewöhnliche Aufstiegschancen, aber eben auch die permanente Unsicherheit, die Gefahr die Kontrolle zu verlieren.

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Filmemacherin Katharina Copony.

PZ: Wie war es eigentlich, als Frau einen Blick auf die Szene zu richten?

KC: Ich stand ja im wahrsten Sinne des Wortes unter Beobachtung. Erstmal als Frau in dieser sehr männlichen Welt und dann natürlich durch den Drehvorgang. Mein Team und ich stehen und der Rest sitzt. Da fällt man einfach  auf.

PZ: Bist du zu einer guten Spielerin geworden bei all den intensiven Recherchen?

KC: Ich habe in der Hasenheide in Berlin häufiger gespielt. Aber trotz kleiner Erfolge muss ich zugeben, dass ich als Spielerin bis jetzt wirklich schlecht bin. (lacht).

PZ: Wo und wann kann man den Film sehen?

KC: Zweimal bei der „Diagonale“, dem Festival des österreichischen Films in Graz. Heute Abend und am Sonntag gibt es um 11 Uhr eine Wiederholung.

Und dann gibt es bald eine Berlin-Premiere. Wir geben Bescheid.

Wenn der Film auf Festivals gelaufen ist, wird er irgendwann nächstes Jahr auch bei 3Sat gezeigt. Denn die haben den Film, neben österreichischen Kunstfilm-Förderungen mitfinanziert.


Zur Person:

Katharina Copony (geb. 1972 in Graz) studierte bei Peter Weibel an der Universität für angewandte Kunst in Wien und an der Hochschule der Künste in Berlin. Studienreisen führten sie nach Japan (1998), Rom (2002) und London (2003). Copony lebt und arbeitet in Wien und Berlin. „Spieler“ ist ihr insgesamt fünftes Groß-Projekt. Für ihre Dokumentarfilme „Oceanul Mare“ (2009), Il Palazzo (2006) und „Der Wackelatlas – sammeln und jagen mit H.C. Artmann“ erhielt die Regisseurin Preise der Duisburger Filmwoche und den Fernsehpreis der österreichischen Volksbildung.

Verwandte Links zum Film:

Produktionsfirma, Grazer Filmfestival

 

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