Spielcasinos in Berlin

Pokerfloor-Casino-Berlin
Betrieb ist da, allein es fehlt die Kompetenz.

Berlin hat nicht nur weit über 3 Millionen Einwohner, sondern auch drei Spielcasinos - wenn man das nahe liegende Potsdam miteinbezieht. Doch werden diese Einrichtungen auch den Ansprüchen der immer größer und stärker werdenden Pokercommunity gerecht? In diesem und den kommenden Artikeln werden wir dieser Frage nachgehen. Ein Erfahrungsbericht von Markus Müller.

Los geht unser Exkurs in der Spielbank am Potsdamer Platz. Erst vor kurzem hat man sich hier entschieden, den Pokerfloor ein wenig auszubauen. Dies war auch lange überfällig, denn fast alle dort anstehenden Turniere sowie Cashgametische waren ständig ausgebucht.

Was jetzt leider noch immer der Fall ist - so viel schon mal vorne weg. Zudem wurden neue Dealer eingestellt, die angeblich „gut ausgebildet" seien. Auch dieses Versprechen entspricht nicht wirklich der Wahrheit. Doch fangen wir von vorne an.

In der Spielbank am Potsdamer Platz findet jeden Tag ein Turnier statt. Dies beginnt jeweils um 19 Uhr 30 und bietet 60 Spielern, plus ein paar Nachrückern die Möglichkeit, ein paar Euros hinzuzuverdienen. Ich entschied mich für ein Bountyturnier, da man hierbei die Möglichkeit hat, sein Buy-In durch zwei Bountys zumindest wieder zu egalisieren.

Früher mussten für das ‚kleinere' Bountyturnier 50 Euro plus 5% Fee (was durchaus vertretbar ist) entrichtet werden. Seit Anfang Mai wurde dieses auf 60 Euro erhöht. Dies liegt wohl daran, dass sich einige Spieler über den zu geringen Preispool beschwert haben.

Gleich zu Beginn sei erwähnt, dass es dieser Spielbank noch immer nicht gelungen ist, Anmeldungen online entgegen zu nehmen. Was bedeutet, dass man mindestens einen Tag vor Beginn des Turniers in die Spielbank muss, um sich dort ein Ticket zu besorgen.

Kommt man erst kurz vor dem Turnierbeginn, ist dieses in aller Regel bereits ausverkauft. Daran sollte unbedingt noch gearbeitet werden. Wieso muss der Spieler zweimal den Weg auf sich nehmen? Besonders, wenn man weiter weg wohnt, kann dies sehr lästig werden.

Also habe ich brav mein Ticket einen Tag vorher besorgt und betrat am nächsten Abend gegen 19 Uhr 15 das Etablissement. Um überhaupt Eintritt zu erhalten, müssen nochmal 2,50 Euro entrichtet werden, womit wir also insgesamt bei 65,50 liegen.

Zumindest den Eintritt könnte man den Leuten mit einem Turnierticket doch gratis ermöglichen, oder nicht?

Im Erdgeschoss des Casinos befindet sich der sogenannte ‚Pokerfloor'. Nun ja. Unter einem Pokerfloor verstehe ich eine Etage, die sich voll und ganz dem Pokern verschrieben hat. Stattdessen wurden hier sechs Turniertische hinter eine Absperrung gepfercht.

Und zwar derart, dass man, wenn eine Person hinter einem entlang läuft, dessen Arme im Rücken spürt. Klar lässt sich mit Turnierpoker nicht wirklich viel Geld verdienen. Doch wenn man diese Möglichkeit seinen Gästen anbietet, sollte dies doch auch ein wenig professioneller vonstatten gehen.

Auf dem Pokerfloor dominieren nämlich keine Pokertische, sondern Automaten und ein großes elektronisches Roulette. Ach ja. Das hätte ich fast vergessen. In einem durch eine Glaswand abgesperrten Bereich stehen noch vier Cashgametische, die zwar verschiedene Limits anbieten, leider aber auch ständig ausgebucht sind. Ohne Warteliste läuft hier gar nichts.

Zumindest in diesem Bereich müsste die Spielbank aufstocken. Denn am Cashgame lässt sich durchaus der eine oder andere Euro verdienen. Zumal die Nachfrage ja besteht.

Nach diesen ersten Eindrücken widme ich mich also wieder meinem Turnier. Auf mehreren Monitoren suche ich nach meinem Namen, um den mir zugewiesenen Platz einzunehmen. Das mit der Software läuft ganz gut. Es werden zunächst alle Blindstufen angezeigt, bevor das Turnier startet.

Zur Struktur sei gesagt, dass diese gar nicht so schlecht ist. Man muss eben bedenken, dass bei einem Turnier für die Spielbank nicht wirklich viel Geld rausspringt. Aus diesem Grund werden auch die Tische, die aufgelöst werden gleich für Cashgames genutzt. Leider schränkt dies eben auch das Platzangebot der Spieler wieder erheblich ein.

Ich zwänge mich also an den mir zugeteilten Platz und harre der Dinge, die mich erwarten. Hier noch kurz die Anfangsstruktur der jeweiligen Turniere:

1. Stufe: 20/20

2. Stufe: 20/40

3. Stufe: 40/80

4. Stufe: 60/120

danach folgt eine 10minütige Pause. Weiter geht es mit:

5. Stufe: 100/200

6. Stufe: 200/400

7. Stufe: 300/600 usw.

Die Blinds werden alle 20 Minuten erhöht und es gibt keine Ante. Der Startstack liegt bei 3000 Chips und bei diesem speziellen Bountyturnier werden die ersten 9 Plätze ausbezahlt.

1. Preis: 820 Euro

2. Preis: 500 Euro

3. Preis: 300 Euro

9. Preis: 70 Euro.

Für jeden Bounty werden 25 Euro ausbezahlt.

Zumindest in den ersten beiden Blindstufen hatte ich mich für die Smallballvariante entschieden. Ich wollte viele Flops anschauen und dann eventuell meine Gegner ausspielen. Doch daraus wurde leider nichts. Nicht nur, dass ich nicht ein anständiges Blatt bekam (mit Q6o, J2o und K4o kann man auf keinen wirklich guten Flop hoffen).

Meine Gegner schienen von anfänglichem Taxieren der Mitspieler noch nicht viel gehört zu haben. So gab es in fast jeder Runde ein Raise und ein Reraise und es fehlte nicht viel, dass bereits in der ersten Blindstufe All-In gepusht wurde. Ich meine, bei Blinds von 20/20 ist solch ein Machtgehabe doch vollkommen überflüssig.

Ein kleines Beispiel:

Ich spielte bis zur zweiten Blindstufe nicht wirklich viel. Limpte mal mit JQs oder AT, nur um mich dann der unweigerlichen Aktion auf dem Flop zu ergeben und meine Karten in den Muck zu werfen.

Dann bekam ich im Small Blind AKs. Vor mir raiste ein aggressiver Spieler aus mittlerer Position auf den dreifachen Big Blind und ich reraiste auf den siebenfachen Big Blind. Natürlich hätte ich mir denken können, dass dieser Typ callt.

Dann kam der Flop: J - 6 - 6 Rainbow. Nun. Bei einem gepaarten Flop habe ich keine wirklichen Bedenken und setzte eine Contibet in Höhe des dreiviertel Pots an. Nach kurzer Überlegung pushte mein Gegner All-In.

Da ich keinen Draw hatte und mir die zweite Blindstufe zu früh für solch ein Glücksspiel erschien, warf ich meine Karten weg. Der Gegner zeigte lächelnd AJo. AJ ist in meinen Augen kein wirklich gutes Blatt.

Vor allem, wenn ein eher tighter Spieler hinter mir reraist. Sollte auf dem Flop ein Ass kommen, liege ich mit dem Jungen als Kicker wahrscheinlich hinten. Doch diese Leute sehen eben nur ihre eigenen Karten.

Die Handrange des Gegners ist da wohl eher nebensächlich. Leider werden diese Spieler für ihr schlechtes Spiel noch belohnt. Was bedeutet, dass sie diese Hände immer wieder überpacen und sich keine wirklichen Gedanken darüber machen.

Zu meinem weiteren Verlauf sei kurz erwähnt, dass meine Karten sich nicht wirklich verbesserten. Mit JJ und AQs raiste ich Pre-Flop und fand keinen Gegner. Zwei oder drei Stealversuche gingen in die Hose und schließlich musste ich als 17. das Turnier verlassen. Immerhin...

Widmen wir uns nun wieder dem Casino. Wie gesagt, kam ich mir irgendwie vor, wie in einer Zelle. Wollte man aufstehen, musste zunächst der Nachbar auf die Seite rücken und man musste darauf achten, seinen Stuhl dem Hintermann nicht ins Kreuz zu rammen.

Die Tische sind nicht wirklich gut gewählt, da man auf Platz 1 und 2 die Spieler 9 und 10 die anderen Spieler nicht gut sehen kann. Man muss sich also ständig nach vorne beugen, um deren Aktionen verfolgen zu können.

Schlimm war auch die ständige Umsetzerei. Mir ist bewusst, dass man die Tische im Laufe eines Turniers zusammenlegen muss. Doch ist es vonnöten, viermal innerhalb von 2 Stunden den Platz wechseln zu müssen? Nachdem man sich ein Bild von seinen Gegnern gemacht hat, steht bereits der nächste Wechsel bevor und das Spiel beginnt von vorne.

Doch das Schlimmste sind die Dealer. Ich möchte nicht alle Kartengeber schlecht machen. Es gibt in der Spielbank am Potsdamer Platz wirklich Personen, die ihr Handwerk verstehen.

Doch wenn ich Eintritt und einen höheren Buy-In bezahle muss ich doch davon ausgehen können, dass dies Standard ist. Oder etwa nicht? Was würden Sie davon halten, wenn beim Austeilen eine Karte aufgedeckt auf dem Tisch landen würde?

Gut, wenn dies einmal passiert, würde ich nichts sagen. Doch wenn das in einer Runde drei oder vier Mal passiert, sieht das schon anders aus. Das Schlimmste erwartete mich jedoch nach einer neuerlichen Umsetzung.

Eine Dealerin z. B. war einfach nicht in der Lage, die Karten korrekt zu geben, war aber auch für die Verteilung der Chips verantwortlich. Wenn man die Karten nicht richtig austeilen kann, sollte man diese den Spielern lieber zuschieben.

Doch nicht genug damit, dass diese Dame desöfteren die Burncard offen ablegen musste, wusste sie augenscheinlich nicht, dass es auch einen geteilten Pot geben kann bzw. dass ein Flush höher als eine Straße ist. Als dann auch noch mehrere Leute All-In gingen und Split-Pots angelegt werden mussten, standen zwei Leute vom Personal hinter ihr und sagten, was zu tun war. Sorry.

Doch wenn ich auf jede Handbewegung achten muss, nur um zu meinem Recht zu kommen, dann ist das einfach völlig inakzeptabel. Aus diesem Grund mein Rat an Sie: Sollten Sie einen Besuch in der Spielbank am Potsdamer Platz in Erwägung ziehen, verfolgen Sie jeden Move genau, um zu sehen, ob auch alles korrekt über die Bühne geht.

Abschließend sei erwähnt, dass die Betreiber des Pokerfloors noch viele Dinge verbessern könnten. Ich verstehe nicht, wieso dies, besonders was das Personal, das Anmeldeprozedere sowie das Platzangebot angeht, noch immer nicht geschehen ist.

Auf der Plusseite steht wohl das breit gefächerte Angebot. Jeden Tag ein Turnier (Freezeout, Bounty, Rebuy), jeden Tag Cash-Game-Tische (wobei mir persönlich das Rake zu hoch ist) sowie am Wochenende verschiedene Sit'n-Go-Tische.

Vielleicht könnte man mehr Alternativen zum NL Hold'em bieten. Es gibt zwar ab und an mal einen Omaha Tisch, ich persönlich finde das aber zu wenig.

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Redaktion 2013-11-06 06:42:39

@inge

Ganz offensichtlich steht im Artikel, dass es mehrfach zu Fehlern kam. Offene Burncards gehören dazu.

Die Redaktion

PS: Du Vogel? Was soll das denn?

inge 2013-11-05 18:32:54

die burncard bleibt verdeckt du vogel

O.K. 2010-11-27 04:13:14

Und wo sind die Artikel über den Alex und Potsdam? Das Logo ist jedenfalls vom Alex, und das Bild nicht vom Potsdamer Platz. Auch dass der Bounty bei 25 Euro liegt, ist falsch, es sind 20.

Schlechter Artikel.

O.K. 2010-11-27 04:11:19

Pokerspieler sind solche Sissys. Unglaublich. Eintritt zahlen müssen auch Roulette-Spieler etc. Und da gibt es einen direkten Bankvorteil.

60 Plätze à 3 Euro Tax sind 180 Euro. Und davon kann eine Spielbank nicht sehr viel selber behalten, da sind Steuern und Abgaben ohne Ende. Vom Rest müssen dann die Dealer bezahlt werden (in Zeiten extrem gesunkenen Troncs), Strom, Miete fürs Gebäude etc. Mit Turnierpoker macht eine Spielbank nicht nur wenig Geld, sie macht Verlust. Und dann übers Rake beim Cash-Game jammern. Wer es sich nicht leisten kann, legal um Geld zu pokern, muss es eben lassen.

Und nicht mal die Getränke sind gratis...
:-(