Soft oder nicht soft, das ist hier die Frage

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Eine Studie soll klären, welche Online-Pokerseite am „softesten", also am profitabelsten ist. Die Ergebnisse sind fragwürdig.

Eigentlich hört sich das Konzept für die Studie sinnvoll an: Man nehme eine riesige Datenbank und filtere den Anteil der gewinnenden Spieler heraus. Dann ermittelt man die Zahl der gewinnenden Spieler pro Tisch, und schon weiß man, wo das Geld am lockersten sitzt.

Die Studie erschien bei PTR, die fraglos über eine gewaltige Datenmenge verfügen. Als Grundlage dienten 50.000 Hände pro Spieler. Wer über diese Spielzeit in der Lage war, nicht nur die Gegner, sondern auch das Rake zu schlagen, wurde als „winning player" definiert.

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Gewinner pro Anbieter in Prozent.

Die Ergebnisse sehen Sie links. Es zeigt sich, dass fast alle großen Seiten sich in einem ähnlichen Bereich bewegen: zwischen 6 und 18%. Ausnahme ist allein PartyPoker. Der ehemalige Marktführer liegt fast über die gesamte Zeitperiode deutlich unterhalb der anderen Seiten. Ist dies der Anbieter, bei dem es am schwierigsten ist, Geld zu verdienen?

iPoker und Bodog zeigen größere Ausschläge nach oben, und PokerStars weist von allen die gleichmäßigste Funktionskurve auf. Grund dafür ist das besonders große Spieleraufkommen bei PS. Bei häufig über 200.000 Spielern gleichzeitig würde es nicht einmal auffallen, wenn sich gleichzeitig mehrere tausend „losing player" ein- bzw. ausloggen.

Allerdings gibt diese Statistik zwar Aufschluss über eine Anzahl "n" virtuelle Spieler, aber nicht darüber, wie viele Spieler dafür tatsächlich verantwortlich sind. Da gerade „Regs", also regelmäßige Spieler häufig an mehren Tischen gleichzeitig sitzen, können 10.000 Spieler an den Tischen  also auch von nur 1000 Personen generiert werden.

Hinzu kommt, dass die Anbieter die Zahl der gleichzeitig spielbaren tische unterschiedlich behandeln. Manche Anbieter lassen 6-10 Tische zu, PokerStars nicht weniger als 24. In einer zweiten Zählung gibt PTR den Anteil der gewinnenden Spieler pro Tisch an.

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Gewinner pro Anbieter pro Tisch.

PokerStars setzt sich hier deutlich von den anderen Seiten ab. Um die 30% der Spieler am Tisch sind langfristige Gewinner! Auch hier schlägt das Multi-Tabling massive zu. Ein Profi, der keine Schwierigkeiten damit hat, auf niedrigen und mittleren Limits zu gewinnen, kann dies oft auch an 15 Tische gleichzeitig. Das verzerrt zwar die Statistik, zeigt aber trotzdem, dass die durchschnittliche Spielerqualität bei PokerStars relativ hoch ist.

Wieder findet sich PartyPoker am unteren Rand des Schaubilds. Trotz bis zu 12 möglichen Tischen simultan sind nur 6-15% der Spieler an den Tischen Gewinner. Die Schlussfolgerung: PartyPoker ist der Anbieter, bei dem einem wie im Schlaraffenland die gebratenen Tauben in den Mund flattern. Um bei PS bestehen zu können, sollte man dagegen zumindest Semi-Profi sein.

Obwohl die Daten von PTR unbestreitbar aussagekräftig sind, werden hier einige Faktoren außer Acht gelassen: Ohne Frage ist das Reg-Aufkommen bei PokerStars besonders hoch. Gleichzeitig ist aber auch die Gesamtspielerzahl die höchste. Dadurch relativiert sich der Anteil der besonders spielstarken Gegner.

Spieler, die sich hauptsächlich auf den niedrigen Levels aufhalten, können sich indes trösten. Winning Regs machen einen großen Teil ihres Profits zwar auf den niedrigen Levels, spielen aber auch auf mittleren und hohen. Da sich dort dann mehrheitlich Gewinner aufhalten, steigt der durchschnittliche Anteil der gewinnenden Spieler ebenfalls an. Die Chancen, auf gleichwertige oder schwächere Gegner zu treffen, stehen deshalb auch bei PokerStars sehr gut.

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Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast." - Winston Churchill

Die Kurve von PartyPoker wird dagegen deutlich verfälscht. Dort besteht für Vielspieler die Möglichkeit, den Spielernamen alle 30 Tage zu verändern, was von zahlreichen Spieler auch tatsächlich genutzt wird, um den Gegnern das Sammeln von Informationen zu erschweren. Dadurch erreichen viele Spieler die Zahl von 50.000 Händen nicht, die PTR als Grundlage seiner Studie angelegt hat. Die Qualität ist bei PartyPoker höher, als die Kurve in der Statistik oben vermuten lässt.

Außerdem liegt das Rake bei PartyPoker etwas über dem von PokerStars und Full Tilt, was die Zahl der gewinnenden Spieler automatisch schrumpfen lässt. Spieler, die auf lange Sicht bei Full Tilt eine Gewinnrate von 0,5 BB/100 hands haben, stehen bei PartyPoker auf der Verliererseite.

Die Schlussfolgerung von PTR, dass PartyPoker die „softeste" aller Pokerseiten sei, greift allerdings deutlich zu kurz. Wenn ein Anbieter wenige Gewinner hat, muss es viele Verliere geben, also sind viele Spieler schwach, also kann man dort leicht Geld verdienen. Dies der Gedankengang des Autors, der allerdings eine logische Lücke aufweist.

Gewinnt nämlich nur einer von zehn Spielern, muss man schon gehörige Qualitäten besitzen, um genau dieser Spieler zu sein. Gewinnen aber drei von zehn Spielern, ist die Chance einer dieser drei zu werden, deutlich höher. Die Statistik zeigt ja nur, wer über-bzw. unter dem Strich liegt, aber nicht wie weit.

Ist es also leichter, bei den Marktführern PokerStars und Full Tilt profitabel zu spielen, bei den mittleren Seiten wie PartyPoker und Titan oder bei den Netzwerken wie Ongame? Leider, liebe Leser und Spieler, bleibt es dabei: Es kommt nicht auf den Anbieter an, ob Sie dort gewinnen oder verlieren. Sondern auf Sie.

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