Das ABC der SnG: Wann man All-ins von Shortstacks callt

Jonathan Little
Der SnG-Spezialist Jon Little ist ein Push-oder-Fold Meister.

Jeder weiß, dass man SnGs nur durch aggressives Spiel gewinnen kann. Leider ist es nicht ganz so einfach.

 

Wenn wir im Big Blind sitzen und ein Shortstack vor uns all-in geht, nutzt uns alle Aggression nichts. Es gibt nur Call oder Fold.

Wie treffen wir in dieser Situation unsere Entscheidung am besten?

Zunächst bewerten wir unsere Hand. Mit eine guten oder sehr guten Hand trifft sich die Entscheidung von selbst. Halten wir aber irgendeine mittelmäßige Hand, können wir nicht anhand der Qualität entscheiden. Wir behelfen uns mit einer anderen Größe: den Odds.

Viele Spieler ziehen die Odds für ihre Entscheidung überhaupt nicht in Betracht, wenn sie sich entscheiden, einen Shortstack zu callen. Sie denken sich: „Oh, er geht all-in, dann muss er ja eine Hand haben. Mein T-8 liegt sicher hinten."

Das ist aber nicht korrekt. Zwar kann T-8 hier durchaus die schlechtere Hand sein, aber wenn die Odds stimmen, sollten wir trotzdem bezahlen.

Was aber ist gemeint, wenn man „die richtigen Odds" braucht? Nun, die exakten Odds kann man sowieso nicht wissen, denn man kennt ja die gegnerische Hand nicht.

Jerrod Ankenman
Odds von 2:1 sind weit besser als dieser Hut.

Ich habe allerdings schon in der vierteiligen Serie über Sit-and-Go-Strategie geschrieben: Wenn man 2:1 oder bessere Odds bekommt, benötigt man schon einen guten Grund, um zu folden. Das heißt, wenn man es nicht gerade mit Mr. Tight persönlich zu tun hat, sollte man wahrscheinlich den Call machen.

Handelt es sich um ein bereits weit fortgeschrittenes Turnier, geht ein Shortstack mit einer sehr großen Handrange all-in.

Ich spreche hier also nicht nur von Premium-Händen wie AA, A-K oder JJ, sondern acuh von Händen wie 9-8, 44, J-Q und sogar solchem Käse wie 5-3.

Zwei ungepaarte Pocket Cards sind zwei anderen ungepaarten Karten nie sehr weit voraus. Bei Odds von 2:1 oder besser muss man deshalb mit fast jeder Hand bezahlen.

Vergleichen wir die Gewinnchancen einiger willkürlicher Beispielhände.

A-K vs. 9-8: 9-8 gewinnt in 36% der Fälle
A-Q vs. J-Ts: J-Ts gewinnt in 41% der Fälle
44 vs. T-9: T-9 gewinnt in 50,3% der Fälle
A-T vs. 4-7: 4-7 gewinnt in 35% der Fälle
A-T vs. T-8: T-8 gewinnt in 27,6% der Fälle

Schon diese kleine Sammlung zeigt, dass man nur dann wirklich Außenseiter ist, wenn man wie in dem letzten Beispiel mit T-8 von A-T dominiert wird.

In allen anderen Fällen hat man 35-40% Gewinnchance. Deshalb wäre es ein großer Fehler, 2:1 Odds zu folden, wenn man 40% Gewinnchance hat.

Sehen wir es mal so: Wenn man auf eine verbogene Münze wetten könnte, die mit 40%-iger Wahrscheinlichkeit auf Zahl landet und mit 60%-iger Wahrscheinlichkeit auf Kopf, und man jedes Mal das Doppelte seines Einsatzes bekäme, wenn Zahl fällt, würde man an einem Tag einen hübschen Batzen Geld machen. Warum sollte man sich diese Chance in Poker entgehen lassen?

Ein Beispiel:

Die Blinds liegen bei $100/$200. Wir sitzen im Big Blind mit $6000. Der Small Blind hat seinen Zwangseinsatz gemacht und jetzt noch $500. Der Tisch ist voll besetzt und es gibt $25 Ante. Es wird zum SB gefoldet, der mit insgesamt $600 all-in geht. Wir halten T 7 im BB.

Kevin Saul
Er also all-in und ich, huiii, mit dem Call...

Call oder Fold?

So etwas könnte uns jeder Fünftklässler vorrechnen.

Der SB setzt $600, $250 Antes sind ebenfalls im Pot, und mit unserem BB macht das insgesamt $1050. Wir müssen $400 bezahlen, um $1050 zu gewinnen.

Also ein Call? Ja, absolut. Das ist genau so eine Any-two-cards-Situation. Bei 3:1 Odds ist ein Fold praktisch unmöglich.

Im Pokerparadies müssten wir natürlich nie mit einer Hand callen, die schlechter ist als die Handrange unseres Gegners. Wir würden einfach die Blinds von allen anderen Spielern stehlen und uns so von Sieg zu Sieg schleichen.

In der Realität funktioniert das leider nicht. Sie werden in diese Situationen geraten.

Wenn Sie dann regelmäßig folden und 2:1 Odds wegwerfen, begehen Sie einen teuren Fehler.

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