Das ABC der SnG: Niedrige Pocket Paare

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Niedrige Pocket Paare – nach meiner Definition 22-77 – sind in jeder Situation schwierig zu spielen. In einem Sit-and-Go, bei dem die Blinds rapide ansteigen, können sie einen geradezu verrückt machen.

Zwar kann es einem so vorkommen, als seien sie mächtige Hände, aber tatsächlich rangieren sie zwischen einer stabilen und eine komplett wertlosen Hand.

Mit anderen Worten, Sie müssen jetzt lernen, wie man sie spielt, oder Sie riskieren, auf ewig ein SnG-Fisch auf dem Trockenen zu bleiben.

Niedrige Blinds

In der Frühphase eines Sit-and-Go sind kleine Pocket Paare sehr wertvoll. Die Blinds sind niedrig und die Stacks vergleichsweise groß.

Meistens starten Sitn-and-Gos mit Stacks von 1500 Chips und Blinds von 10/20 oder 10/25. Je nachdem halten Sie 60-75 BB. Zu diesem Zeitpunkt können Sie mit Ihrem niedrigen Paar limpen und darauf hoffen, ein Set zu treffen.

Sets sind extrem starke Hände. Wenn Sie das Glück haben, ein Set zu treffen, während Ihr Gegner Top Pair trifft, stehen die Chancen gut für Sie, zu verdoppeln. Wenn es Ihnen gelingt, früh in einem Sit-and-Go zu verdoppeln, macht das den Rest des Turniers deutlich einfacher.

Deshalb ist es ratsam, sich zu Beginn eines SnG möglichst billig möglichst viele Flops anzusehen. Der entscheidende Begriff hier ist „billig“: Man kann einen Raise auf drei oder vier BB bezahlen, wenn mehrere Spieler in der Hand sind, aber es sich zur Gewohnheit zu machen, mit kleinen PP aus früher Position zu limpen und dann hohe Raises zu bezahlen, ist der direkte Weg zum Verlust vieler Buy-ins.

In den wenigen Fällen, in denen Sie tatsächlich ein Set floppen, werden Sie nicht soviel gewinnen, um den Verlust auszugleichen, der Ihnen durch Limp-Calls vor dem Flop und Check-Folds auf dem Flop entsteht.

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Versuchen Sie, bei niedrigen Blinds Flops möglichst günstig zu sehen.

Mittlere Phase

In der mittleren Phase eines SnG steigen die Blinds, und die Dynamik am Tisch verändert sich. Generell werden SnG zu Beginn recht loose gespielt, aber ab Blinds von 25/50 wird das Spiel deutlich tighter.

Damit sollte sich auch Ihre Spielweise mit Pocket Paaren verändern. Sie können jetzt nicht mehr aus jeder Position limpen und hoffen, ein Set zu treffen. Damit riskieren Sie jetzt zuviel von Ihrem Stack.

Bei 25/50 können Sie zwar immer noch aus später Position limpen, wenn bereits mehrere Spieler in den Pot eingestiegen sind, aber es ist besser, auf eine Raise-oder-Fold-Strategie umzusteigen.

Der 25/50 Level ist an sich ziemlich unbequem. Erhöht man auf 150 und wird gecallt, liegen schon 300 im Flop.

Setzt man nun eine Continuation Bet an und wird bezahlt, haben Sie schon 20% des Stacks investiert. Und da der Gegner noch bezahlt, ist Ihre Hand möglicherweise nicht einmal gut. Sie sind zu einem Fold gezwungen und müssen das Geld aufgeben, dass Sie bereits eingezahlt haben.

Deshalb sind Raises aus früher und mittlerer Position keine gute Idee. Bei Blinds 25/50 sind Pocket Paare praktisch wertlos. Man kann einen Raise nicht profitabel limp-callen, und aus den oben genannten Gründen auch nicht profitabel raisen. Deshalb sollten Sie diese Hände einfach abwerfen.

Steigende Blinds

Da die Blinds weiter steigen – sagen wir ab 50/100 – sollten Sie Ihr Spiel weiter öffnen. Von diesem Level an sollten Limps komplett aus Ihrem Arsenal gestrichen werden. Stattdesses sollten Sie versuchen, Ihren Stack nach und nach durch gestohlene Blinds aufzustocken.

Spielen Sie Raise-oder-Fold, Pocket Paare sind dazu hervorragend geeignet. Wenn Sie auf 3 BB erhöhen, werden Sie häufig den Pot ohne Showdown gewinnen.

Das Großartige an den Pocket Paaren ist jedoch, dass Sie den Pot auch dann noch gewinnen können, wenn es zum Showdown kommt.

Wenn Sie UTG sitzen, brauchen Sie an Ihrem Spiel nur wenig verändern. Sie sollten 22-55 weiterhin wegwerfen, aber von 66 an aufwärts einen Raise einstreuen, vor allem, wenn der Tisch besonders tight ist.

Denken Sie daran, Ihr Ziel ist, den Pot ohne Gegenwehr zu gewinnen. Spielen Sie ohne Position mit einem Underpair, kann das schnell gefährlich werden, also Seien Sie auf der Hut.

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Ihr Ziel: Den Pot möglichst kampflos zu gewinnen.

Der Re-Steal

Der Re-Steal ist in bestimmten Situationen ein extrem wichtiger Spielzug für jeden SnG-Spieler.

Gute SnG-Spieler stehlen häufig. Sie tun das auch mit schwachen Händen, d. h. wenn Sie einen Konterangriff starten, werden diese folden. Damit gewinnen Sie den Raise und die Blinds.

Pockewt Paare sind großartige Re-Steal-Hände. Wenn Sie feststellen, dass Ihre Blinds immer wieder von dem gleichen Spieler gestohlen werden, können Sie sich mit kleinen Pocket Paaren dagegen wehren. Dazu benötigen Sie allerdings Fold Equity.

Sie wollen keinen Call, Sie wollen den Pot kampflos gewinnen.

Sehen wir uns zwei Beispiele an. IM ersten sehen wir einen korrekten Re-Steal, im zweiten einen schlechten.

Beispiel 1

Blinds 50/100, Stack 2400. Der Small Blind hält ebenfalls 2400. Es wird zum SB gefoldet, der auf 300 erhöht. Sie wissen, dass Ihr Gegner hier mit einer breiten Range eröffnet.

Sie sitzen im Big Blind mit 4 4. Sie entscheiden sich zm All-in, und der Gegner foldet.

Beispiel 2

Ihr Stack liegt bei 900, der SB hält 5000. Es wird zum SB gefoldet, der auf 400 erhöht.

Sie sitzen im BB mit 4 4 und gehen mit 900 all-in. Er bekommt 2:1 für sein Geld, bezahlt und gewinnt mit 6 7.

Erkennen Sie den Unterschied zwischen diesen beiden Beispielen? In der ersten Situation müsste der Gegner 2100 in einen Pot von 2700 bezahlen. Damit bekommt er gerade einmal etwas mehr als 1:1. Er müsste schon ein Monster haben, um bezahlen zu können.

Im zweiten Beispiel gehen Sie nur mit 900 all-in, und der Gegner muss nur 500 in einen Pot von 1300 nachbezahlen. Hier bekommt er für sein Geld 3:1 Odds.

Mit einem halbwegs vernünftigen Chipstack wir Ihr Gegner hier niemals folden. Sie verlassen sich jetzt auf die Stärke Ihrer Hand und nicht auf die Fold Equity mit der Handstärke als zweites Trumpf Ass.

Hohe Blinds

In der Schlussphase eines SnG bleibt nur noch wenig Platz zum Spielen. Die meisten Spieler sitzen auf 10 BB. Wenn Sie gecallt werden, gewinnen Sie in 50% der Fälle, aber Sie wollen keine Calls, sondern Folds.

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Bei weniger als 10 BB ist jedes Paar gut genug für ein All-in.

Eine Warnung zum Schluss

Nur weil Sie in dieser Phase bereit sein sollten, mit jedem Pocket Paar all-in zu gehen, heißt das nicht, dass Sie damit auch in jedem Fall callen sollten. Aggressivität ist Trumpf – sie verschafft Ihnen zwei mögliche Wege zum Gewinn.

Wenn Sie mit kleinen Pocket Paaren bezahlen, ist das eine Schwäche in Ihrem Spiel. Es bedeutet, dass Sie nur in der Hoffnung bezahlen, einen Coin Flip zu gewinnen.

Sie wollen Ihr Turnierleben aber nicht für einen Flip riskieren, auch nicht mit 10 BB. Sie sind besser beraten, zu folden und auf einen Pot zu warten, bei dem Sie der aktive Spieler sind.

Pocket Paare sehen gut aus, sind aber nur dann wirklich ein Favorit, wenn der Gegner ein niedrigeres Paar hält, was allerdings unwahrscheinlich ist. Deshalb sind sie zwar gut für einen Push, aber nicht so sehr für einen Call geeignet.

Kleine Pocket Paare können wegen ihrer veränderlichen Wertigkeit Ihr größer Freund oder Ihr schlimmster Feind werden. Sie zu spielen, kann eine ziemlich frustrierende Angelegenheit sein. Wenn Sie aber darauf achten, Sie in Position zu spielen, ohne sich in sie zu verlieben, können Sie auf Dauer sehr profitabel sein.

Suchen Sie nach Spots, in den Sie limpen können, um eine starke Hand zu treffen, und warten Sie auf Gelegenheiten für Steals zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die Blinds höher sind. Dazwischen können Sie zwischen Raises und Limps variieren.

Wenn Sie sich danach richten, reduzieren Sie die unangenehmen Situationen und maximieren die, in denen Sie Ihre Gegner vor unangenehme Entscheidungen stellen.

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