Sit-and-Go-Strategie Teil 3: Short-Handed

Intense in Barcelona

Dies ist der dritte Abschnitt einer vierteiligen Serie, die einem durchschnittlichen Pokerspieler das notwendige Wissen vermittelt, um von einem Anfänger zu einem Shark zu werden. In Teil 3 sprechen wir über das short-handed Spiel.

Im zweiten Teil dieser Serie sprachen wir über das Spiel bei mittleren Blinds und wie Sie dort von standardisiertem TAG-Spiel zu einer looseren, aggressiveren Spielweise wechseln sollten.

Es ist nun Zeit, auch diesen Stil abzustellen und auf hyper-aggressiv umzustellen. Jetzt geht der Spaß erst richtig los. Inzwischen ist das Spiel short-handed, d. h. es sind nur noch vier oder fünf Spieler am Tisch, und Sie sind einer davon (jedenfalls, wenn Sie bis hierher gekommen sind, dank der Lektüre von Strategieartikeln auf pokerlistings.de).

Wahrscheinlich sind alle Spieler inzwischen short. Der Durchschnittsstack liegt bei nur etwa 12 BBs. Das bedeutet für alle: Bald gilt nur noch Push oder Fold.

Jetzt können Sie Profit machen. Der durchschnittliche Spieler spielt in dieser Phase des Turniers so schlecht, dass es manchmal zum Lachen ist. Wenn Sie diese Phase besser beherrschen als der Durchschnitt, werden Sie auf lange Sicht eine positive Gewinnerwartung haben.

Post-Flop-Spiel verliert nun an Bedeutung, denn Sie werden nur noch wenige Flops sehen. Sie haben wie gesagt zwei Möglichkeiten: Push oder Fold. Um Himmels willen, pushen Sie!

Sie wollen die SnGs gewinnen. Sie können sich nicht ins Geld limpen. Wenn Sie das versuchen, verlieren Sie die positive Gewinnerwartung. Sie müssen also den Killerinstinkt entwickeln und die Spieler eliminieren, die froh sind, irgendwie ins Geld zu kommen.

Ein furchtsamer Pokerspieler ist angreifbar. Jeder will ins Geld kommen, und niemand spielt, um auszuscheiden. Sie machen da keine Ausnahme.

Ihr Ziel ist jedoch der erste Platz. Deshalb müssen Sie langfristiger denken. Konzentrieren Sie sich darauf, korrekt zu spielen und vernachlässigen Sie die Ergebnisse.

Wenn Sie korrekt spielen, werden sich die Erfolge von selbst einstellen.

Geben Sie Vollgas

Wie Sie wissen, werden die ersten drei Plätze eines SnG bezahlt. Wenn also nur noch vier oder fünf Spieler am Tisch sitzen, haben Sie die Bubble erreicht. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sitzen mehrere Spieler mit kleine Stacks am Tisch, die glauben, sich nun ultra-tight spielend irgendwie ins Geld schleichen zu können.

 

Business in the front, party in the back
Trotz einer solchen Frisur kann man short-stacked sein

Sie liegen falsch. Es ist jetzt and er Zeit, aggressiver zu spielen, nicht tighter. Short-handed zu spielen bedeutet, hohe Blinds zu spielen. Bei einem durchschnittlichen Stack von 12 BBs verlieren Sie 10% Ihres Stacks bei jedem Umlauf.

Wenn der Tisch short-handed ist, kommen die Blinds rasend schnell zu Ihnen zurück und dezimieren Ihren Stack. Es ist besser, mit irgendeiner Hand all-in zu gehen als sich ausblinden zu lassen. Lassen Sie sich niemals ausblinden!

Die Action erreicht jetzt ihren Höhepunkt. Stehlen Sie, so oft es geht. Wenn Sie einen Spieler identifizieren können, der versucht, ins Geld zu limpen, greifen Sie seine Blinds an - er wird sie nicht verteidigen. Wenn jemand sich von Raises nicht beeindrucken lässt, nehmen Sie sich diesem Spieler gegenüber etwas zurück.

ich werde hier nicht im Detail erklären, welche Hände zum Pushen geeignet sind. Ich beschreibe lieber die Situationen, in denen ein All-in angebracht ist.

Mein Rat ist folgender: Setzen Sie Ihren Stack nicht auf einen Coin Flip. Wenn Sie glauben, dass es auf einen Coin Flip hinausläuft, folden Sie besser und schieben die nächste Hand blind all-in.

Verlassen Sie sich auf die Fold Equity, um Ihren Stack zu vergrößern. Ihre Hand Value wird nur dann interessant, wenn Sie gecallt werden. Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Fold Equity ist wichtiger als Hand Value!

Einige Beispiele:

About to make a move in Barcelona

Es sind noch vier Spieler am Tisch und die Blinds stehen bei $150/$300. Ihr Stack beträgt $2900. Der Spieler UTG geht mit $3200 all-in. Der Button foldet. Sie halten 6 6 im SB.

Was tun Sie? Fold. Sie können im besten Fall auf einen Coin Flip hoffen. Im schlechtesten Fall scheiden Sie aus. Es gibt keinen Grund, Ihren gesamten Chipstack auf einen Coin Flip zu setzen. Es ist besser, zu warten und dann selbst die Initiative zu ergreifen.

Ein weiteres Beispiel:

Vier Spieler am Tisch, Blinds $150/$300. Ihr Stack beträgt $2900. Sie sitzen UTG und gehen mit A 8 all-in. Der Button callt und die Blinds folden. Der Button zeigt 5 5.

OK. Sie sind in einen Coin Flip geraten. Haben Sie also falsch gespielt?

Nein. Sie haben ein gutes As mit weniger als 10 BBs gepusht. Natürlich haben Sie auf einen Fold gehofft. Der Button hat sich jedoch für das Duell entschieden. Das ist vollkommen in Ordnung.

Da die beiden Blinds gefoldet haben, sind nun $450 Chips zusätzlich im Pot. Damit stehen die Odds besser als das 1:1 eines Coin Flips.

Bedeutet das nicht, dass auch der Call mit Pocket Fives richtig war? In gewisser Weise schon, aber damit betrachten wir nur diese Hand im Einzelnen, nicht das Spiel insgesamt. Sie werden in dieser Situation nicht immer A-7 zeigen. Oft genug haben Sie ein besseres Pocket Pair, das den Gegner schlägt.

Entscheidend ist hier, dass Ihr Gegner keine Fold Equity besitzt. Er kann die Hand nur auf eine Art gewinnen: im Showdown. Wenn Sie mit A-7 pushen, können Sie den Pot auch ohne Showdown gewinnen, wenn alle Spieler folden.

Ein letztes Beispiel

Noch vier Spieler am Tisch, die Blinds stehen bei $150/$300. Sie haben den kleinsten Stack mit $1800. UTG gehen Sie all-in mit 8 9. Der Button callt sofort mit A K. Die Blinds folden.

Oh je, Sie wurden von einem Monster gecallt. Furchtbar, nicht wahr?

Falsch. Sie sind nur 40:60-Außenseiter gegen A-K, und dieser Nachteil wird durch die zusätzlichen Blinds im Pot aufgewogen.

Also befinden Sie sich in keiner schlechten Situation. Zwei ungepaarte Karten sind nie deutlicher Favorit gegen zwei andere ungepaarte Karten. Ärgern Sie sich also nicht, wenn es schief geht. Sie haben mit Bezug auf die Fold Equitsy Ihres Moves korrekt gespielt.

Hierin liegt der Schlüssel für SnGs in der Spätphase. Seien Sie der Aggressor. Der Aggressor kann immer auf zwei Arten gewinnen, der Caller nur auf eine. Lassen Sie niemals zu, ausgeblindet zu werden. Das wäre dasselbe, als würden Sie aufgeben.

Versuchen Sie nicht, ins Geld zu limpen, sondern setzen Sie sich durch und gewinnen Sie.

Na gut, manchmal müssen Sie callen

Der Aggressor zu sein, ist zwar der Schlüssel zu einem guten Endspiel, aber Sie können auch nichtjede Hand folden, wenn sie nicht der ursprüngliche Raiser sind. Manchmal ist auch ein Call richtig. Es gibt jedoch einige Dinge, über die Sie nachdenken müssen, bevor Sie sich einen passiven Call erlauben.


Don Magic Juan
Mit 60-40 Bets, bei denen man 2:1 kassiert wird man schnell reich. Oder kann sich wenigsten einen luxurioesen Hut anziehen

Wenn Sie ein Monster haben, versteht sich der Call von selbst. Schieben Sie Ihre Chips in die Mitte und hoffen Sie das Beste. Ich spreche hier über die Grenzfälle.

Sehen Sie sich Ihren Stack an. Wenn Sie Chipleader mit mehr als 20 BBs sind, können Sie natürlich großzügiger sein, als wenn Sie nur sieben BBs besitzen. Wenn Sie noch kein Geld investiert haben, werden Sie nicht leichtsinnig einen großen Teil davon riskeiren.

In der Regel sollten Sie nie coldcallen, wenn Sie nicht glauben, deutlich vorne zu liegen und die richtigen Odds zu bekommen.

Und noch ein Beispiel:

Drei Spieler am Tisch, die Blinds stehen bei $200/$400. Sie sitzen im BB mit $6500 (nachdem Sie den BB gesetzt haben). Der Button foldet und der SB geht mit insgesamt $1200 all.in. Sie halten 8 9.

Was tun Sie? Call! Sie haben bereits $400 investiert. Mit den $1200 Ihres Gegner liegen $1800 im Pot, und Sie müssen nur noch $800 bezahlen. Sie erhalten 2:1 auf Ihren Call.

Der SB muss in dieser Situation mit fast jeder Hand all-in gehen. Ihre Hand sieht gegen seine Range gut aus und Sie erhalten 2:1 Pot Odds. Ihre Hand sieht nur gegen ein höheres Pocket Pair schlechter aus als 2:1, aber eine solche Hand ist sehr unwahrscheinlich.

Wahrscheinlicher ist, dass Sie 60:40 vorne liegen. Da Sie nicht Gefahr laufen auszuscheiden, werden Sie mit 60:40-Situationen und 2:1 Odds auf Dauer Geld verdienen.

Ein weiteres Beispiel:

Drei Spieler, Blind $200/400. Sie sitzen im BB mit $2400. Der Button foldet und der SB geht mit $3000 all-in. Sie halten A T.

Was tun Sie? Call! Hier müssen Sie alle Chips riskieren. Ihre Hand ist viel stärker als der Großteil der Range Ihres Gegners. Selbst tighte Spieler werden in dieser Situation mit fast jedem As pushen, und sie halten eine deutlich überdurchschnittliche Hand.

Ein schwaches As können Sie an dieser Stelle folden, aber mit A-T ist der Call gerechtfertigt.

Ich spreche mich zwar generell gegen einfache Calls aus, muss diese Situation aber dennoch erwähnen. Manchmal staune ich darüber, wie Spieler Hände mit unglaublich guten Odds folden. Als Faustregel gilt: Wenn die Odds besser als 2:1 sind, benötigen Sie einen ziemlich guten Grund, um nicht zu callen.

Folgen Sie mir nun zum letzten Teil unserer Serie, in der wir das Heads-up besprechen.

 

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