Sieben Eigenschaften, die Sie zu einem TAG-Fisch machen

Raymond Wu
Nur weil Ihr Gegner aussieht wie ein TAG, muss er noch lange nicht gut sein.

Heutzutage werden Online-Tische von so genannten tight-aggressiven Spielern (kurz: TAGs) bekanntlich geradezu überschwemmt.

Neben den guten, profitabel spielenden TAGs gibt es aber auch eine wachsende Zahl von break-even oder gar verlierenden Spielern, die ich hier gerne als TAG-Fische bezeichnen möchte.

Es iust auf den ersten Blick nicht so einfach, einen TAG-Fisch von einem gewinnenden, regelmäßigen Spieler zu unterscheiden. Er steigt mit einem vollen Buy-in ein, macht in jeder Hand Druck, hat ganz gute Stats und spielt, was er für gutes Poker hält. Nur scheint er nicht gewinnen zu können.

Das liegt daran, dass Poker mehr ist als Statistik. Poker ist ein Spiel für Denker; man kann nicht einfach etwas nachmachen, was man gelesen hat und automatisch Geld gewinnen.

Man muss in der Lage sein, das Erlernte umzusetzen und jedes Mal wieder eine richtige Entscheidung zu treffen, wenn man an der Reihe ist.

Ein TAG-Fisch kann das nicht. Er spielt immer dasselbe Spiel, jeden Tag, unabhängig von der Situation. Und auf Dauer verliert er oder kommt gerade so null auf null, und dann denkt er, dass er mehr Pech hat als jeder andere Spieler auf der Welt.

Finden Sie heraus, ob Sie selbst ein TAG-Fisch sind:

1) Denken Sie über die Range des Gegners nach, aber nicht Ihre eigene?

Jeder weiß, dass man seinen Gegner auf eine Handrange setzen muss. Das gehört zu den Grundlagen.

Ein TAG-Fisch denkt dabei aber nicht über seine eigene Range nach. Ein Gegner spielt seine Hand unterschiedlich, je nachdem, was er glaubt, was Sie halten.

Sie können die Range des Gegners nicht korrekt einschätzen, wenn Sie sich nicht überlegen, wie er Ihre Range wahrnimmt.

Brian Townsend
Wenn Sie die Lektionen von Brian Townsend nicht korrekt umsetzen, sind Sie wahrscheinlich ein TAG-Fisch.

2) Wenden Sie die erlernten Skills falsch an?

Ein TAG-Fisch versucht, sich zu verbessern, indem er z. B. Lehrvideos ansieht, Artikel liest und sich intensiv mit dem Spiel beschäftigt. Aber er kann die Informationen nicht gewinnbringend umsetzen.

Er liest z. B., dass man nach einer C-Bet auf dem Flop nicht folden sollte, also feuert er auf dem Turn grundsätzlich ein zweites Mal.

Er liest, dass man Spieler, die zu häufig c-betten, gut ausnutzen kann, indem man den Flop floatet und dann den Pot auf dem Turn gewinnt, aber er floatet mit gar nichts anstatt wenigstens einem Gutshot Draw oder einer Hand mit ein paar versteckten Draws.

Er list, dass es profitabel ist, eine Three-Bet anzusetzen, aber er tut das, ohne einzukalkulieren, wie oft sein Gegner diese Bet bezahlt. Und außerdem wählt er dafür die falschen Hände.

Letztlich lernt der TAG-Fisch nur die Hälfte der Skills. Er weiß zwar, was zu tun ist, aber nicht, wann und gegen wen.

 

3) Sie callen im Cut-off mit denselben Händen wie auf dem Button

Für einen TAG-Fisch sind Cut-off und Button exakt dieselbe Position. Erhöht ein Gegner aus früher Position, bezahlt er aus dem Cut-off mit 6 9 und hält das für einen guten Spielzug, weil er ja Position hat.

Das ist jedoch schlicht nicht der Fall. Hinter dem Cut-off sitzt nämlich noch der Spieler am Button, und wenn der etwas drauf hat, wird er Ihnen das Leben zur Hölle machen.

Ein solcher Spieler kann ungestraft three-betten, wenn Sie regelmäßig mit schlechten, spekulativen Händen bezahlen. Er stiehlt Ihnen damit die Position und kann Sie auf dem Flop auch noch bestrafen.

Während ein guter TAG den Button benutzt, lässt ein TAG-Fisch zu, dass der Button ihn benutzt.

4) Überschätzen Sie Ihre Implied Odds?

Ein TAG-Fisch glaubt, dass er jedes Mal, wenn er die Nuts hält, auch einen Batzen Geld gewinnt. Er glaubt, dass er seinem Gegner jedes Mal den gesamten Stack abenhmen kann, wenn er aus dem Big Blind mit einem Pocket Paar bezahlt und ein Set trifft.

Also bezahlt er mit spekulativen Händen pre.Flop, check-foldet auf dem Floop, wenn er nicht trifft, und bringt seinen Gegner zum Fol, wenn er trifft.

Er verliert sein Geld bei den Versuchen, dieses Set zu treffen, und wenn er es dann trifft, bekommt er sein Geld trotzdem nicht zurück.

5) Haben Sie Problem, auf dem Flop weiterzuspielen?

Ein TAG-Fisch spielt normalerweise pre-Flop recht gut. Er hat diesen Teil des Spiels verinnerlicht und verstanden.

Er weiß z. B., dass man mit Q-9 nicht limpen und erwarten kann, dass das ein profitabler Zug ist. Er weiß, dass man A-K für Value erhöht usw. Wenn der Flop aber fällt, beginnt er Fehler zu machen.

Es ist nicht schwierig, vor dem Flop zu folden. Wann es aber richtig ist, Top Pair mit niedrigem Kicker aufzugeben, ist eine schwierigere Frage. Zu wissen, wann man die zweite Bet bringt und wann auch eine dritte, ist wirklich komplex.

Ein TAG-Fisch spielt seine Karten zu oft und die Situation oder seine Gegner zu selten.

Chris Lee
Poker fängt erst nach dem Flop so richtig an.

6) Betrachten Sie jede Entscheidung für sich?

Ein TAG-Fisch steht plötzlich vor einer schwierigen Situation und denkt sich, „Oh Mann, verdammt, was nun? Was mache ich jetzt?"

Dabei hat er sich selbst in diese Situation manövriert, denn entscheidend ist, wie er zuvor in der Hand gespielt hat.

Ein TAG-Fisch hat kein Konzept dafür, wie er eine Hand spielt. Er macht erst einmal einen Schritt und dann den nächsten. Er reagiert statt zu agieren.

7) Neigen Sie schnell zum Tilt?

Ein TAG-Fisch tiltet nicht in dem klassischen Sinn „ich schmeiße jetzt aus Wut mit 5-8o alles rein".

Wenn er auf die Verliererstraße gerät, wird sein Spiel aber immer schlechter. Er trifft übereilte Entscheidungen. Er stellt auf Autopilot. Und das Schlimmste: Er spielt viel zu lange.

Ein TAG-Fisch hasst es, eine Session mit Verlust zu beenden, deshalb spielt er die ganze Nacht weiter, um einen Verlust wieder hereinzuholen - und spielt dabei die ganze Zteit miserables Poker. Wenn er dagegen eine Winning Session hat, hört er früh wieder auf, spielt nur kurze Session und freut sich über seinen kleinen Gewinn.

Und jetzt fragen Sie sich ehrlich: Haben Sie sich wiedererkannt?

Wenn ja, kein Grund zur Sorge. Das TAG-Fisch-Syndrom ist heilbar.

Konzentrieren Sie jedes Mal, wenn Sie an der Reihe sind darauf, die richtige Entscheidung zu treffen. Der beste Spielzug ist nicht immer offensichtlich.

Wenn Sie sich aber über die Konsequenzen jeder Ihrer Entscheidungen im Klaren sind, werden Sie mehr gute als schlechte Entscheidungen treffen.

Wenn Sie kein TAG-Fisch mehr sein und profitabel spielen wollen, dann ist genau dies der Punkt, an dem Sie ansetzen sollten.

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Tanis 2015-05-09 20:04:04

"Er steigt mit einem vollen Buy-in ein, macht in jeder Hand Druck" was hat dieser Satz auch nur annähernd mit einem TAG zu tun? Jedem TAG-Fish ist es bewusst, dass er nicht nur Preflop die richtigen Entscheidungen treffen muss. Und Tatsache ist, wenn man seinen Grips ein wenig anstrengt, dann weiß man, dass es genügend Spieler gibt, die überdurchschnittlich viel Pech haben. Es gibt Menschen die nahezu dauerhaft zufällig mehr Pech oder mehr Glück haben. Das ist Wissenschaft. Diese Zufälligkeit steckt in allen Dingen. Genauso wie es gleichermaßen "intelligentere" und "dümmere" Menschen gibt. Es gibt Menschen die über 1000 Hände gespielt nur eine 30% Winrate mit AA preflop AI haben. Klar, gute Tipps, dass man sich Gedanken machen soll und nicht einfach stupide nach Schema zocken soll, aber teilweise doch echt schwach dieser Artikel.