Vom Chef am Tisch zum Chef de Cuisine

Sebastian Ruthenberg

Sebastian Ruthenberg ist einer der erfolgreichsten Spieler Deutschlands. Seine zweite Karriere in der Gastronomie hat bereits begonnen.

Als Sebastian Ruthenberg im Jahr 2007 am Finaltisch der EPT Dortmund auftauchte, war er zumindest international noch ein unbeschriebenes Blatt. Noch im selben Jahr wurde er Zehnter bei der EPT in Baden und 13. in Warschau, und danach kannte ihn in der Pokerszene jeder.

Im Folgejahr setzte er zu einem Höhenflug an, wie er nur selten vorkommt: innerhalb von nur drei Monaten gewann er ein WSOP-Bracelet ($5k 7 Card Stud Hi-Lo) und den EPT Main Event in Barcelona für fast zwei Millionen Dollar. Noch im Dezember saß er am letzten Tisch der EPT in Prag.

Eine Zeitlang war Ruthenberg auch danach noch auf vielen Turnieren zu sehen, aber dann zog er sich zusehends zurück. Blieb nach so vielen Erfolgen vielleicht einfach die Motivation auf der Strecke?

„Keineswegs“, sagt Ruthenberg. „Es war vielmehr so, dass ich lange Zeit mein Leben nur auf Poker ausgerichtet hatte. Auf Dauer war das einfach nicht das Richtige. Also habe ich versucht, eine bessere Balance zu schaffen zwischen Poker und alles Anderem, was das Leben ausmacht.

Hinzu kam eine neue Beziehung. Und dann war ich Anfang des Jahres mit den Leuten von Allin4kids auf Asienreise in Kambodscha, und was ich dort gesehen habe, hat mich sehr beeindruckt und nachdenklich gemacht.

Heute fahre ich seltener zu Turnieren, aber mein Leben ist viel ausgeglichener, und das tut mir gut.“

Leben, aber ausgeglichen

Die Kriterien, nach denen sich Ruthenberg seine Turniere auswählt, sind ebenso simpel wie einleuchtend: „Barcelona ist eine tolle Stadt, und das Turnier ist immer im Sommer, also fahre ich gerne hierher. Prag findet ja im Dezember statt, deshalb werde ich das wohl ausfallen lassen.“

Ein Rezept, das aufgeht. Wann immer sich Ruthenberg entscheidet, an einem Turnier teilzunehmen, ist er weit vorne in den Geldrängen zu sehen. Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit sind z. B. der 16. Platz bei der $50k Players Championship der WSOP 2011 sowie dem 55. Platz im Main Event kurz danach.

Fans werden sich erinnern: Ruthenberg verlor einen Großteil seines Stacks an den späteren Sieger Pius Heinz (AK vs QQ). Wäre diese Hand anders ausgegangen, hätte Ruthenberg wohl den Finaltisch erreicht.

Als einer der ganz wenigen langjährigen Turnierspieler zeigt Sebastian Ruthenberg aber auch noch andere Interessen neben Poker. So hat er nicht etwa vor, sein Leben lang dem Turnierzirkus nachzureisen, sondern plant bereits seine Zweitkarriere in der Gastronomie.

„Ein eigenes Restaurant war schon lange mein Traum. Eigentlich wollte ich es in meiner Heimatstadt Hamburg eröffnen, aber jetzt ist Fernost für mich auch eine Alternative.“

Eine Ausbildung hat er bereits begonnen. 18 Monate Vollzeit, und angeboten vom Hotel Ritz in Luzern. Früh aufstehen und den ganzen Tag arbeiten, das ist nicht unbedingt des Pokerspielers Spezialität. „Kochen ist meine Leidenschaft“, sagt Ruthenberg, und deshalb nimmt er es auch mit solchen Unbillen auf.

„Ich habe schon vor längerer Zeit gemerkt, dass ich nicht für immer umherziehen und die Hälfte meines Lebens in Hotelzimmern verbringen will. Für meine Zukunft habe ich andere Pläne.“

Und was kocht er am liebsten? Rindersteak, lautet die medium-rare Antwort.

Ende nächsten Jahres wird Ruthenberg die Ausbildung beenden. Eine Entscheidung darüber, wie und wo es weitergehen soll, wird erst danach stattfinden. So viel Planung muss dann auch nicht sein.

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