Sebastian Langrock bei der EPT – Glück, Mut und Akribie

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Von Günther Jauch zur EPT Prag.

Neun Monate nach seinem Triumph bei „Wer wird Millionär“ sucht Sebastian Langrock bei der EPT in Prag nach dem Durchbruch in der Pokerszene.

Erinnern Sie sich noch an die „20-nach-4-Stellung“? Sebastian Langrock wusste damals, dass es Gastronomen sind, die mit diesem Begriff vertraut sind, denn so liegen Messer und Gabel gemeinhin auf dem Teller, wenn abgeräumt werden kann.

Wir treffen Sebastian Langrock am Rande der EPT Prag im Casino des Hotel Hilton. Der Spieltag ist soeben zu Ende gegangen.

Die Antwort machte ihn zum Millionengewinner in der Show mit Günther Jauch, und in der Pokerszene sorgte das vor allem deshalb für Aufregung, weil Langrock „Pokerprofi“ als Beruf angegeben hatte.

Wie entwickelt sich jemand nach einer solchen Geschichte? Wir fragen nach.

Der Weg nach Köln

„Ganz korrekt war das damals nicht mit dem Pokerprofi“, lächelt er. „Aber wenn man in die Show kommen will, muss man auch irgendetwas Besonderes an sich haben. Ein ungewöhnlicher Beruf erhöht einfach die Chancen, eingeladen zu werden. Und dann sollte man auch noch halbwegs sympathisch wirken.“

Soll heißen, wer sich gut verkaufen kann, muss auch nicht alle Wissensfragen beantworten können, die bei  den ersten Telefonaten gestellt werden.

Wenn es trotzdem nicht reicht, einfach weiter bewerben. Nach eigener Aussage startete Langrock „rund 200“ Bewerbungen, bis er schließlich die Einladung bekam.

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Die Eine-Million-Euro-Frage - "Er wollte mich nicht von dem Stuhl runterhaben."

Seine Pokerkarriere begann schon vor ein paar Jahren.

„Ich hatte mit etwa 30 Jahren eine kleine Midlife-Crisis. Ich hatte kein Ziel, die Beziehung ging kaputt, ich wollte nur noch weg“, sagt er. „Also habe ich alles verkauft und bin nach Thailand gegangen. Ein Jahr lang habe ich dort von Online-Poker gelebt, aber dann habe ich mein soziales Umfeld vermisst und kam zurück.“

Eine Zeitlang habe ich dann Gastronomie und Online-Poker halb und halb aufgeteilt, bis mir klar wurde, dass ich mit Poker mehr Geld verdienen konnte. Also habe ich mich intensiver mit dem Spiel beschäftigt und bin komplett auf Poker umgestiegen.“

So systematisch wie er Poker anging, hat sich Langrock auch auf „Wer wird Millionär“ vorbereitet.

„Ich habe ein halbes Jahr lang reihenweise Bücher zu unterschiedlichsten Themenbereichen gelesen, außerdem jeden Tag mehrere Tageszeitungen.“

„Außerdem habe ich mit einem Freund trainiert, der ebenfalls auf dem Stuhl bei Jauch gesessen hat, aber bei 32.000 aussteigen musste. Jetzt wollten wir mehr.“

„Dass ich soviel Zeit hatte, um mich vorzubereiten und so viele Bewerbungen zu schicken, verdanke ich natürlich auch dem Umstand, dass ich mich mit Online-Poker über Wasser halten konnte.“

Langrock ist davon überzeugt, dass jeder mit dieser Strategie gute Chancen auf den heißen Stuhl hat.

„Jeder, der es wirklich darauf anlegt, kann dort angenommen werden. Um zu gewinnen, braucht man natürlich auch Glück, aber es geht genauso darum, sich konsequent vorzubereiten und seine Joker richtig auszuspielen.“

Sitzt man erstmal auf einem der fünf Kandidatenstühle, muss dann alles stimmen – die Frage wie auch die Geschwindigkeit beim Antworten. „Ich war 12 Hundertstelsekunden schneller als der Zweitplatzierte“, erinnert er sich heute.

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Der Triumph - "Jeder, der es darauf anlegt, kann gewinnen."

„Wenn man dann auf dem Stuhl sitzt, muss man zwar Einiges wissen, aber manchmal auch mutig genug sein, um zu zocken und etwas zu riskieren, damit man die Joker möglichst lange behält.“

Der Tell

Durch die Pokerpresse geisterte nach der Sendung die Meldung, dass Günther Jauch „Tells“ gezeigt habe, die sich Langrock zunutze machte. Das Thema wurde kontrovers diskutiert. Gab es die Tells wirklich?

„Es gab Situationen, in denen ich zu einer bestimmten Antwort eine Tendenz hatte, aber mir nicht sicher war. Jauch kann in solchen Momenten zu einem Joker raten oder es lassen.

Weil er es nicht tat und ich auch nicht den Eindruck hatte, dass er mich von dem Stuhl runter haben wollte, interpretierte ich das so, dass ich richtig lag. Und das hat dann ja auch gestimmt.“

Am Ende erreichte Langrock die 15. und letzte Frage, ohne alle Joker genutzt zu haben. Und er benötigte sie auch dort nicht.

Nach der Show

Was passiert, wenn man im Fernsehen vor einem Millionenpublikum eine Million Euro gewinnt? Genau das, was man erwartet: Man erhält viele aufrichtig gemeinte Glückwünsche, aber in mindestens gleichem Maße auch negative Reaktionen: Bittbriefe, Schmähungen, windige Investitionsangebote.

„Viel zu leichte Fragen“, reifen die Neider anonym in den Foren, „unsympathisch“, schrieben die, denen gar nichts Vernünftiges einfiel.

„Man muss lernen, damit umzugehen und so etwas zu ignorieren“, sagt Langrock. „Obwohl man natürlich ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn Leute um Geld für ihre kranken Familienmitglieder bitten. Aber dann wiederum weiß man ja nicht, was davon wahr ist und was erfunden.“

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Langrock in Prag - drei Wochen im Monat auf Pokerturnieren unterwegs.

„Unterstützung fand ich in dieser Situation bei einem Freund von mir, der bei ‚Schlag den Raab‘ drei Millionen Euro gewonnen hat und mir sagen konnte, wie man sich am besten verhält.“

(Anm. d. Red.: Da es bisher nur eine Sendung gab, in der der Kandidat bei „Schlag den Raab“ 3,0 Mio. Euro gewann, müsste es sich dabei um den am Max-Planck-Institut beschäftigten Nino Haase handeln, der im Mai 2009 denkbar knapp triumphierte.)

Poker

„Das Schönste ist, dass ich nach diesem Abend keine finanziellen Sorgen mehr hatte. Das ist sehr beruhigend. Geändert hat sich in meinem Leben ansonsten aber gar nichts.“

Langrock wohnt noch immer in der Münchener WG, die er schon gegenüber Günther Jauch als Wohnadresse angegeben hatte.

„Wozu soll ich mir denn ein großes Haus kaufen, in dem ich dann alleine herumsitze?“, fragt er sich. „Ich lebe lieber mit anderen zusammen, und in der WG fühle ich mich wohl.“

Das zweitschönste dürfte sein, dass Langrock sich voll auf Poker konzentrieren kann, ohne einen zusätzlichen Job annehmen zu müssen.

„Ich muss mich beweisen und zeigen, dass ich tatsächlich etwas kann am Pokertisch. Dafür brauche ich einen Erfolg.“

Ein paar davon sind schon zu verzeichnen. Im Mai gewann Langrock ein Turnier im King’s Casino Rozvadov, und im Sommer kam er mehrfach bei WSOP-Events in die Geldränge.

Gut, aber nicht gut genug für Langrock. „Ich bin drei von vier Wochen im Monat bei Pokerturnieren unterwegs. Es hat bisher zwar gereicht, um im Plus zu sein, aber nicht für den echten Durchbruch.“

Dafür sollte es dann schon so etwas wie ein EPT-Finaltisch sein. Das sollte dann die letzten kritischen Stimmen verstummen und Online-Pokerräume aufhorchen lassen.

Vielleicht reicht es ja dann auch für einen Sponsorenvertrag – am besten bei PokerStars.

„Die sind eben Marktführer, aber ich höre mir gerne auch Angebote von anderen an.“

Erste Kontakte hat es schon gegeben. So wurde Langrock zu den German High Roller eingeladen, schlug das Angebot aus bankrolltechnischen Gründen aber aus.

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Sebastian Langrock - bald auch "Pocket Pair" in Millionen für die Liebe?

„Ich will da nicht mein gewonnenes Geld riskieren. Da können schnell mal 100.000 Euro weg sein, und das ist mir zu viel. Wenn ich genug gewonnen habe, um mich da nur mit Profit an den Tisch setzen zu können, dann würde ich das gerne mal machen.“

Merke: Auch ein Millionenabräumer hat eine Comfort Zone.

Die nächste Show

Für die Zukunft plant Sebastian Langrock nicht zu langfristig: „Ich gebe mir noch ein oder zwei Jahre Zeit, um herauszufinden, ob ich von Poker leben kann. Dann sehen wir weiter.“

Den Medien bleibt Langrock aber auch 2014 verbunden. Zumindest zeitweise. Nachdem er im vergangen Jahr durch mehrere Talkshows gereicht worden war, steht jetzt eine ganz andere Art von Sendung an.

Im Frühling wird Langrock bei der neuen Kuppelshow von SAT1 auftreten. Titel: „Millionen für die Liebe“. Wird so eine Art „Bachelor“ mit mehr Männern (und hoffentlich mehr Esprit).

„Es ist natürlich Quatsch, zu glauben, dass sich da Frauen anmelden, die wirklich auf der Suche nach Liebe sind und nicht nach Geld“, grinst Langrock und fügt scheinbar ernst hinzu: „Aber ich habe im Fernsehen mein finanzielles Glück gefunden. Wieso sollte ich dann nicht auch die Liebe finden.“

Dann muss er weg, der bisher letzte Millionengewinner bei Günther Jauch. Tags zuvor wurde ihm nämlich das Portemonnaie gestohlen, inkl. Bargeld, Scheck- und weiteren Plastikkarten.

Noch nicht einmal ein Hotelzimmer für die kommende Nacht ist gebucht, denn das Weiterkommen war lange nicht gesichert.

Ganz normale Probleme irgendwie, und ein ganz normaler Typ.

PS: Sebastian Langrock schied an Tag 3 auf Platz 148 in der ersten Auszahlungsstufe (€8500)  aus. 151 Spieler kamen ins Geld.

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