Scream V - Die Rückkehr der TV Total Pokernacht

raab-boxen
Geben Sie's zu, dafür wollten Sie auch schon Mal verantwortlich sein.

Sie ist wieder da. Zum gefühlten 428. Mal wird ein Pokertisch im TV-Total-Studio aufgebaut, und eine Reihe mehr oder minder bekannte Personen versuchen, eine Partie Poker nachzuahmen. Die Kandidaten sind einmal mehr handverlesen, der Online-Qualifikant trägt den vielsagenden Namen „orgi3000".

Der Erfolg eines Werbespots entsteht durch schonungslose Wiederholung, „damit das Produkt auch richtig eingehämmert wird", wie Otto Waalkes schon Anfang der 80er Jahre während einem seiner Bühnenprogramme feststellte. Das war natürlich ironisch gemeint. Selbst schlecht gemachte Horrorserien wie „Police Academy" wurden nach der sechsten oder siebten Folge eingestellt. Nicht so die TV Total Killer-Pokernacht.

Also schauen wir uns nächsten Dienstag Abend „Raab Wars 19 - Keine neue Hoffnung" an, denn draußen liegt Schnee, bei den Öffentlich-Rechtlichen ist sowieso wieder irgendeine nichtssagende Talkshow am Start, und die Privaten drohen mit Eigenproduktionen à la „Die strengsten Eltern der Welt". Für die Ruckelfilme auf RTL II ist es dagegen noch zu früh.

Mal sehen, wer sich dieses Mal bereit erklärt hat, auch ohne Kenntnisse vor die Kamera zu treten und Karten zu spielen. Wir sollten im Übrigen nicht zu streng sein, denn Poker steht nun mal nur bedingt im Vordergrund, und ein wenig spielerischer Umgang mit dem noch immer so häufig verteufelten Spiel tut nicht nur der Fernsehlandschaft ganz gut.

 

goetz-otto Fluch der Karibik fürs Prekariat - Götz Otto.

Götz Otto

Eins von beidem ist der Vorname. Ganz sicher. Wurde als Bösewicht für den Bond-Streifen „Der Morgen stirbt nie" (1997) engagiert, nachdem er beim Casting zu hören bekam: „Sie haben 20 Sekunden, um sich vorzustellen" und daraufhin sagte „Ich bin groß, ich bin böse, ich bin blond, ich bin Deutscher. Das waren fünf Sekunden. Behaltet den Rest."

Das ist übrigens eine Anleihe an Gert Fröbe, der einst dank der Sätze „I'm bad, I'm bald, I'm German" zu Goldfinger wurde (1964). Der Unterschied ist: An Gert Fröbe erinnert man sich noch.

In den letzten Jahren Auftritte in Blockbustern wie „Pfarrer Braun", „Die Erntehelferin", „Ein Haus voller Töchter", „Der Bulle von Tölz" und zuletzt in den Literaturverfilmungen „Die Wanderhure" und „Die Säulen der Erde", wobei der Begriff Literaturverfilmung hier irreführend ist, denn die „Wanderhure" ist keine Literatur, sondern religiös verbrämter Voyeurismus, und die „Säulen" wurden nicht verfilmt, sondern verkitscht.

Ein(e) Fan(in) von ihm erklärte auf der Boulevardseite monstersandcritic ihre Bewunderung darüber, wie er einen Autunfall wegsteckte „als wehre (!!!) nichts passiert. Aber ich schätze das er jetzt realisiert was ihm da passieret ist, und denkt sich: puu, noch mal großes glück(schwein) gehabt."

Der PokerZeit-Super-Wahnsinns-Expertentipp: Seine Fans kann man sich nicht aussuchen - deshalb bringen sich so viele Volksmusiker um. Trotzdem: Wenn Götz Otto doppelt so schlau ist wie seine Anhänger, und das ist er mit Sicherheit, wird er immer noch mit Abstand Letzter. Platz 6.

 

stefan-raab Mein lieber - Herr - Gesangsverein!

Stefan Raab

Mal ehrlich, was soll man noch sagen zu dem Mann, der in seiner Show immer versucht, so zu kalauern und zu zitieren wie Harald Schmidt, und zu parodieren und zu imitieren wie Oliver Kalkofe - und in beiden Fällen scheitert? Man darf sich eben nicht mit den Großmeistern messen.

Immerhin erlaubt ihm das wohlgepflegte „Enfant terrible"-Image, die einzige halbwegs regelmäßige Pokershow ins Fernsehen zu bringen. Und, ja ja, Lena „Laf, oh Laf" Meyer-Dingsbums war auch irgendwie seine Kreation. Jedenfalls zeigt sich allein darin, dass man das glaubt, worin Raab am besten ist.

Der PokerZeit-Super-Wahnsinns-Expertentipp: Hat seine Stärken in den Bereichen Selbstdarstellung, Komposition und In-einer-Pfanne-eine-Eisbahn-runterrutschen, aber nicht in den Bereichen Squeeze, Block Bet und Implied Odds. Kommt wegen Wetterchaos zu spät und spielt seine erste Hand, wenn Otto schon ausgeschieden ist. Platz 5.

 

elton3 Tja, Hauptsache besser als der Raab.

Elton

Eigentlich erstaunlich, dass Egomaniac Raab ihn noch neben sich auf der Bühne duldet, nachdem sich Elton bei der letzten Stock-Car-Geschichte mit seinem Wutausbruch endgültig emanzipiert hat. Nachdem Raab seinem früheren Edelpraktikanten wiederholt unmotiviert ins Heck gekracht war, kletterte dieser aus seinem Wrack, sprintete durch die Halle und trampelte derartig auf Raabs Restauto herum, dass man sehen konnte, wie viel lieber er eigentlich auf Raab herumgetrampelt wäre.

Abgesehen von einigen Auftritten als Quizmaster bei „Schlag den Raab" ist er nur noch selten im TV zu sehen. Macht aber nichts, es gibt Leute, die haben Besseres zu tun.

Der PokerZeit-Super-Wahnsinns-Expertentipp: Der kundige Spieler mit dem Trommelwirbelpuls ist im Grunde für jede Platzierung gut. Entscheidend ist für ihn aber dieses Mal, weiterzukommen als sein „Chef". Verliert danach die Konzentration und scheidet aus. Platz 4.

 

miriam-pielhau „Doll braune" Haare - Miriam Pielhau.

Miriam Pielhau

Wurde 1975 als Tochter eines Iraners und einer Deutschen in Heidelberg geboren. Das klingt interessant. Hat außerdem Krebs und den Tsunami in Süd-Ost-Asien überlebt. Das klingt ernst. Für uns heute etwas zu ernst.

War ein Jahr lang Moderatorin eines Morgenmagazins mit dem Namen „Weck Up", das es angeblich immer noch gibt (der Autor dieser Zeilen schaut kein Frühstücksfernsehen). Das zeigt zum Einen, wie es um die sprachliche Kreativität der Fernsehmacher bestellt ist, aber auch, dass Frau Pielhau in der Lage ist, über längere Zeit so früh aufzustehen, dass es sogar einem Bäcker grausen würde.

Auf ihrer Website gibt sie unter Augen- & Haarfarbe „doll braun" an. Warum die Seite auch sonst sprachlich auf Kleinkindniveau angesiedelt ist, bleibt rätselhaft. „Sonne anzwinkern" ist kein Hobby, Frau Pielhau!

2007 arbeitete sie beim DSF und moderierte u. A. eine Pokershow und American Football. Danach arbeitete sie sich über „Extreme Activity" und „Big Brother" bis zur Moderation von „Baustelle Liebe" nach unten. Die Show wurde nach der zweiten Folge auf RTL II (!) wieder aus dem Programm genommen.

Der PokerZeit-Super-Wahnsinns-Expertentipp: Pielhaus Aktivität beim DSF spricht nicht automatisch für Pokerkenntnisse - aber wenigstens auch nicht dagegen. Ist außerdem schön anzusehen und hat einen Mann geheiratet, der nicht nur Sänger war, sondern auch in Salzgitter geboren wurde. Schon allein für diese noble Geste sollte sie bis ins Heads-up kommen. Klappt aber nicht ganz. Platz 3.

 

evil-smiley Des Qualifikanten PokerStars-Bild.

Orgi3000

Setzte sich gegen wasweißichwieviele Spieler online durch und wurde dafür am Finaltisch als „Luckbox" und einiges mehr beschimpft und geschmäht. Das ist nichts Besonderes, weil das jedem Freeroll-Gewinner passiert, zeigt aber, dass er etwas kann. Stichwort: Viel Feind, viel Ehr'.

Spielt seit Jahren bei PokerStars und hat schon tausende von Turnieren auf Mikro-Level auf dem Buckel. Das macht den Screen-Namen natürlich auch nicht origineller.

Oder seinen Avatar.

Der PokerZeit-Super-Wahnsinns-Expertentipp: Normalerweise immer der eindeutige Favorit, aber nach der unheimlichen Begegnung der langweiligen Art mit dem Qualifikanten in der letzten Ausgabe setzen wir den „neuen" dieses Mal ausnahmsweise nur auf: Platz 2.

 

buelent-ceylan „Gammelfleisch, weißt du? - Bülent Ceylan.

Bülent Ceylan

Wenn Sie nicht wissen, wie man diesen Namen ausspricht, dann warten Sie erstmal ab, wie er es selbst tut: mit einem ausgeprägten „Monnemer" Dialekt nämlich. Der Kabarettist aus der Kurpfalz spielt auf der Bühne geschickt mit seiner türkischen Herkunft (und seinen langen Haaren) und spielt den Klischee-Macho vom Bosporus („Produzier misch ned, isch weiß wo dein Haus wohnt") mit entlarvender Perfektion.

Seit seinem ersten Programm („Döner for one - mit alles") schon zehn Jahre auf Tour und mehrfach ausgezeichnet (u. A. Deutscher Comedy Preis). Spielte vor 10.000 Zuschauern in der SAP-Arena und dürfte deshalb zumindest kein Lampenfieberproblem haben.

Der PokerZeit-Super-Wahnsinns-Expertentipp: Ob Ceylan irgendwelche Vorkenntnisse besitzt, konnten wir nicht ermitteln. Ist aber offenbar clever und sympathisch und neben Charlotte Roche erklärter Lieblingskandidat dieser kleinen Kolumne. Platz „eens".

 

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