Schwere Zeiten für Phil Ivey

Phil Ivey1

2013 war ein Jahr zum Vergessen für Phil Ivey. Online lief nichts zusammen, es folgte der Rechtsstreit mit dem Crocksford Casino und die Scheidung mit seiner Ex-Frau Lucietta artete in eine Schlammschlacht aus. Diese Pechsträhne scheint sich dieses Jahr fortzusetzen, denn nun wird Ivey vom Borgata Casino auf 9,6 Millionen Dollar verklagt. Das Image ist schwer angekratzt, doch die Pokercommunity stellt sich hinter ihn.

Nickname „Polarizing“ ein schlechtes Omen?

Als Phil Ivey noch unter seinen eigenen Namen bei Full Tilt spielte, war er nahezu unschlagbar. Im Zeitraum von Anfang 2007 bis Ende 2011 dominierte er die High Stakes und machte einen Gewinn von unglaublichen $19.242.744. Damit liegt er nach wie vor unangefochten an der Spitze der ewigen Bestenliste.

Graph Phil Ivey
Graph unter dem Namen Phil Ivey.

Ende 2012 wechselte er dann seinen Nickname auf „Polarizing“. Seitdem ist alles anders und es geht nur noch in eine Richtung: bergab. Es scheint was so, als würde das Pech am neuen Screenname kleben.

In den letzten eineinhalb Jahren musste er eine Niederlage nach der anderen einstecken und verlor gut 4,2 Millionen Dollar.

Graph Polarizing
Graph unter dem Screenname "Polarizing".

Wenn man sich die beiden Graphen anschaut und man nicht wüsste, dass es sich bei beiden um Phil Ivey handelt, dann würde man wohl niemals darauf kommen, dass diese vom selben Spieler sind.

Fest steht, dass sich Poker ständig weiterentwickelt und es immer schwerer wird damit online sein Geld zu verdienen, gerade auf diesen Limits.

Die Konkurrenz schläft nicht und Spieler wie Viktor Blom, Niklas Heinecker oder Daniel Cates haben die Heads-Up und Shorthanded Games revolutioniert und das Niveau enorm angehoben.

So gibt es inzwischen einige, die der Meinung sind, dass der über lange Zeit als bester Allroundspieler der Welt geltende Ivey, derzeit nicht mehr zu den besten auf den High Stakes gehört.

Scheidung artet in öffentliche Schlammschlacht aus

Phil Ivey lernte seine Ex-Frau Lucietta bereits in der High School kennen. Im Mai 2002 heirateten die beiden und lange Zeit gelang es Ivey sein Privatleben aus der Öffentlichkeit fernzuhalten. Manch einer wusste nicht einmal, dass er verheiratet ist.

Das änderte sich jedoch schlagartig, als Phil am 22. Dezember 2009 die Scheidung einreichte. Obwohl die beiden keine gemeinsamen Kinder haben und Ivey den Staranwalt David Chessnoff engagierte, sollte ihn das Ganze teuer zu stehen kommen.

Phil und Lucietta
Lucietta und Phil lieferten sich einen Rosenkrieg erster Güte.

Für großes Aufsehen sorgte damals die Tatsache, als herauskam dass Ivey, kurz nach dem Scheidungsverfahren Ende 2009, dem zuständigen Richter Bill Gonzales Anfang 2010 eine Wahlkampfspende von $5000 zukommen ließ.

Daraufhin stellte Lucietta einen Antrag auf Befangenheit, der von Iveys Anwälten abgewendet werden konnte, worauf sie vor den Nevada Supreme Court zog.

Das Verfahren dauerte mehr als zwei Jahre und brachte Ivey einen festen Platz in den amerikanischen Boulevardmedien. Es wurde aber letztendlich eingestellt.

Nach eigenen Angaben übernahm Ivey 15 Millionen Dollar Schulden seiner Ex-Frau! Doch damit nicht genug, denn auch ihre Handtaschen-Kolllektion, welche 1,2 Millionen Dollar kostete und Schmuck im Wert von einer Million Dollar ließ sich die Gute bezahlen.

Dazu kommen noch eine Wohnung und stolze $180.000 Unterhalt, die Ivey monatlich auf ihr Konto überweisen darf.

Nach dieser jahrelangen Schlammschlacht hat Lucietta nun Anfang April zu allem Überfluss auch wieder geheiratet.

Ivey wird vom Kläger zum Angeklagten

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Phil Ivey nicht nur Poker, sondern auch andere Casinospiele wie z.B. Craps und Baccarat seit langer Zeit um die höchsten Einsätze spielt.

Jahrelang rollten ihm Casinos in der ganzen Welt den roten Teppich aus und ihm wurde es regelmäßig erlaubt die Limits zu erhöhen. Auch dies änderte sich schlagartig, als am 7. Oktober 2012 erste Betrugsvorwürfe laut wurden.

Das Londoner Crockford’s Casino weigerte sich damals seinen Gewinn auszuzahlen und unterstellte Ivey er habe betrogen. Phil hatte damals innerhalb von nur zwei Tagen in der Baccarat Variante „Punco Banco“ einen Gewinn in Höhe von sage und schreibe 7,3 Millionen Pfund gemacht. Bis heute hat er nur seinen Einsatz von einer Million Pfund erhalten.

Laut Angaben des Casinos gelang dies Ivey, indem er eine technik namens „Edge Sorting“ verwendete. Dabei macht man sich einen Produktionsfehler bei den Karten zu Nutze. Das Muster auf deren Rückseite ist asymmetrisch und ein sehr erfahrener und aufmerksamer Spieler, ist dadurch in der Lage zu erkennen, welche Karte als nächstes gedealt wird.

Ivey gab in seiner Anklageschrift zu, dass er ein sogenannter „Advantage Player“ sei und gezielt nach Unregelmäßigkeiten bei den Karten gesucht habe.

Phil Ivey
Phil Ivey wurde vom Kläger zum Angeklagten.

Dennoch hat das Crocksford‘s in diesem Fall im wahrsten Sinne des Wortes schlechte Karten, denn es lag eindeutig in der Verantwortung des Casinos die Karten zu prüfen. Somit hat Ivey lediglich eine Sicherheitslücke sehr konsequent ausgenutzt.

Am Ende wird das Crocksford’s wohl zahlen müssen. Geld das Ivey dringend nätig haben könnte, denn in letzter Zeit tauchen vermehrt Gerüchte auf er sei Pleite. 

Deutlich brisanter ist da schon der neue Fall. Dieses Mal sind die Vorzeichen nämlich umgekehrt und Ivey ist angeklagt. Der Vorwurf ist aber genau derselbe. Das Borgata Hotel und Casino verklagt ihn auf $9,6 Millionen Dollar.

Der Vorwurf ist genau derselbe, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass „Edge Sorting“ im Bundesstaat New Jersey illegal ist, und genau in diesem befindet sich das Borgata.

Zudem kamen neue prekäre Details ans Licht. Ivey tauchte, wie schon in London, in Begleitung der Chinesin Cheng Yin Su auf.

Er bestand darauf, dass der Dealer die Karten in einer bestimmten Art und Weise auf den Tisch legt, was laut Experten das „Edge Sorting“ möglich macht und einen Eingriff in den regulären Spielablauf bedeutet. Wenn man Letzteres beweisen kann, dann hat die Anklage eine Chance auf Erfolg.

Andernfalls wird sie wohl abgewiesen. Zumal es einen große Präsidenzfall aus dem Jahr 2012 gibt, der auch noch aus New Jersey stammt: Beim Baccarat profitierten14 Spieler von ungemischten Karten und gewannen 1,5 Millionen Dollar. Das Casino klagte wegen unfairem Spiel, doch das Gericht entschied zu Gunsten der Spieler mit der Begründung, dass die Spieler den Vorteil nicht ungesetzlich erworben hätten.

Mittlerweile gab es auch schon die ersten Reaktionen aus der Pokercommunity und diese steht geschlossen hinter Ivey. Vanessa selbst bezeichnete die Anklage sogar als „offiziell verrückt und gierig“:

Außerdem wird Ivey in der Anklage vorgeworfen, dass er bei seinem letzten Besuch im Oktober 2012 absichtlich zwei Millionen Dollar verloren hätte, was viele für lächerlich halten. Der aus High Stakes Poker bekannte Haralabos Voulgaris stellte daraufhin die berechtigte Frage, ob Ivey diese zwei Millionen zurückfordern könne, wenn er den Fall gewinnt:

Um es auf den Punkt zu bringen, stellt sich hier die Frage, ob sich nur das Casino einen Hausvorteil verschaffen darf und für die Sicherheit sorgen muss oder auch der Spieler einen Vorteil suchen und ausnutzen darf.

Unser Gerechtigkeitsempfinden und das vieler Poker Pros sagt ganz klar ja und wir wagen die Prognose, dass das auch das Gericht am Ende so sehen wird.

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