Bubbledeals – eine Frage des Charakters?

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4 Februar 2014, Von: Rainer Gottlieb
Geposted in: PokerZeit Blog
Bubbledeals – eine Frage des Charakters?

Wer hat es noch nicht erlebt? Ein Turnier nähert sich den Geldrängen. Noch zwei oder weniger Plätze bis man im Geld ist. Besonders bei kleineren Turnieren passiert es dann häufig, dass jemand vorschlägt, dem Bubbleboy“ oder „-girl“ eine Art Trostpreis zukommen zu lassen.

Die Gewinner geben von Ihren Gewinnbeträgen einen kleinen Obolus ab, so dass der/die Unglückliche auf der Bubble zumindest das  Buy-In kompensiert bekommt.

- von Rainer Gottlieb

Das ist eine freundliche Geste und tut keinem weh. Im Gegenteil, es verstärkt zumeist die positive Stimmung der Finalisten und drückt eine Art von Wertschätzung gegenüber der/demjenigen aus, die/der im Turnier mitgekämpft hat und es - leider – gerade nicht in die Geldränge geschafft hat.

Wenn sich alle Finalisten dazu einig sind, ist das eine feine Sache.

Wenn einer der Finalisten aber ein Veto einlegt, so haben dies die anderen ohne jede weitere Diskussion zu akzeptieren.

Und ich sage euch auch, warum: Streng genommen widerspricht ein Bubble-Deal dem Prinzip eines Pokerturniers, nämlich dem der Eliminierung der Gegner.

Man könnte es ziemlich brutal formulieren: wer keine Chips mehr hat, ist aus dem Turnier und es ist egal, ob ihm das in der ersten, einer mittleren oder in der letzten Hand vor den Geldrängen passiert.

Auf pokerstrategy.de hat es „Kevinhostar“ verblüffend einfach auf den Punkt gebracht. Er meint dazu:

Diese bubbleboy Sachen sind aber wirklich lächerlich, und das meine ich jetzt allgemein und nicht auf H. bezogen. Irgendjemand ist immer bubbleboy, wenn man jetzt dem "offiziellen" bubbeboy was gibt ist doch derjenige der davor ausschied der bubbleboy! Alle anderen 85-90% der Spieler haben auch kein Geld bekommen also was soll der Quatsch.“

Wirklich unangenehm kann es werden, wenn man als Novize in eine Gruppe von Turnierregulars gerät, bei denen Bubbledeals übliche Praxis sind.

Wenn der Novize sich der gängigen Praxis nicht anschließen will und einen Bubbledeal egal aus welchen Gründen ablehnt, kann er sich durchaus den Unmut der anderen zuziehen.

So beschrieben an anderer Stelle des oben genannten threads auf Pokerstrategy.

Ich habe dazu ähnliche Beobachtungen gemacht. In einem norddeutschen Pokerroom waren wir in einem kleinen Turnier kurz vor dem Geld. 7 Plätze wurden bezahlt, der 7. würde 78 Euro bekommen.

Es kam ein in meinen Augen absurder Vorschlag: Die sieben letzten sollten je 10 Euro abgeben, damit der Bubble-Boy nicht leer ausgeht.

Damit würde aber der siebte nur noch 68 Euro Preisgeld erhalten während der Bubbleboy auf 70 Euro käme. Deswegen äußerten zwei Spieler Bedenken. Sie lehnten es nicht rundweg ab.

Der Initiator des Bubbledeals, ein durchaus emotional geprägter Mensch, ist dort nahezu täglich anzutreffen.

Er meinte offenbar, so etwas wie Gewohnheitsrecht reklamieren zu können. Er reagierte sehr „temperamentvoll“, unsachlich und es fiel - zwar leise aber trotzdem eindeutig vernehmbar - eine beleidigende Äußerung.

Im Laufe seiner Mosertiraden kam es zu einer Hand, in der ein Shortstack ausschied, ohne das es zu einer Entscheidung zum Bubble-Deal gekommen war.

Der Initiator war danach nicht mehr zu halten. Obwohl die Bubble längst geplatzt war, schimpfte und quengelte er weiter.

Auch nachdem er erfreulicherweise von einem der beiden „Dealablehner“ mit Pocket Kings vom Tisch genommen wurde, setzte er seine Tiraden am Cash-Game-Tisch nebenan fort.

Meine Meinung dazu: Man kann sich über Bubbledeals verständigen, wenn sie als Ergebnis eines netten Pokerturniers in angenehmer Atmosphäre zur Wertschätzung der Bubbleperson dienen. Und wenn sie halbwegs plausibel sind.

Wenn jemand argumentiert, das sei so üblich, ein Veto nicht akzeptieren will, und eine nervige Diskussion vom Zaun bricht, so ist das eine Frage des Charakters.

Keinesfalls sollte man sich von solchen Typen, die gern den Ton angeben, einschüchtern lassen.

Denn wer mit den zweifellos vorhandenen emotionalen Hochs und Tiefs des Pokeralltags nicht zurechtkommt, sollte sich vielleicht eine andere Freizeitbeschäftigung suchen.

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