Schachmatt - Almira Skripchenko am Pokertisch

Almira Skripchenko
Almira Skripchenko ist Frauengroßmeisterin und Internationale Schachmeisterin. Poker ist eine neue Herausforderung für sie.

Auf den ersten Blick scheint es nur wenige Parallelen zwischen Poker und dem Spiel der Könige zu geben. Aber der Eindruck täuscht.

Almira Skripchenko, Internationale Meisterin des Weltschachverbands FIDE, behauptet zumindest, dass es genug Ähnlichkeiten und Anreize gibt, um sich den Karten zuzuwenden.

Nachdem sie im Sommer bei der WSOP 2009 einen Finaltisch bei einem $2000 NLHE Event erreicht hat, fällt es schwer, ihr zu widersprechen.

„Schachspieler sind von Natur aus gute Pokerspieler, weil sie durch Schach sehr gute Strategen sind", erläutert Skripchenko.

„Natürlich spielt Mathematik für Poker eine große Rolle, aber strategische Fähigkeiten sind wichtiger. Jeder kann die mathematischen Berechnungen anstellen, aber Strategie und Analysefähigkeiten muss man erst entwickeln."

Die in der heutigen Republik Moldawien geborene Almira Skripchenko begann im Alter von sechs Jahren, Schach zu spielen.

Als 15-Jährige gewann sie die Jugendweltmeisterschaft der unter 16-Jährigen, fünf Jahre später wurde sie Europameisterin der Frauen. Die FIDE verlieh ihr 1995 den Titel einer Frauengroßmeisterin und 1998 den eines internationalen Meisters.

Ein paar Freunde überzeugten sie nach einem Schachturnier im Jahr 2003 davon, an einem Pokerturnier in Paris teilzunehmen.

„Wenn man über Poker spricht, denkt man zunächst an Bücher und Filmklassiker, aber das war ein Turnier, wie ein Sportereignis, also wollte ich dann auch teilnehmen."

„Als wir im Taxi saßen, erklärten mir meine Freunde innerhalb von zehn Minuten das Spiel, und noch am selben Abend saß ich im Finale."

Vom Pokervirus infiziert, begann sie, gelegentlich Pokerturniere im berühmten Aviation Club in ihrer neuen Wahlheimat Paris zu spielen.

Almira Skripchenko
"Schachspieler sind von Natur aus gute Pokerspieler."

Ihren nächsten Erfolg feierte sie als Zweitplatzierte in einem für das Fernsehen produzierten Turnier, an dem mehrere Pokerprofis und Sportstars teilnahmen. Im Jahr 2008 bot ihr Winamax schließlich einen Sponsorenvertrag an.

Skripchenko spielt zwar weiterhin in der Weltspitze des Schachsports, ist aber inzwischen auch auf der PokerStars EPT unterwegs und reist zu den großen internationalen Turnieren.

„Es ist eine ganz andere Herausforderung", erläutert sie. „Im Schachsport habe ich schon sehr viel erreicht. Mir fehlt nur noch die Weltmeisterschaft, und ich werde auch nächstes Jahr wieder versuchen, diesen Titel zu gewinnen."

Zwar sieht Skripchenko zahlreiche Ähnlichkeiten zwischen Schach und Poker, aber auch deutliche Unterschiede.

„Wenn man Poker spielt, sollte man erst einmal alles vergessen, was man über Schach weiß und was einen zu einem guten Schachspieler macht. Gut, man muss sich ein paar Fähigkeiten bewahren, aber man muss auch einige andere entwickeln, und man muss einige Faktoren in seine Entscheidungen mit einbeziehen, auf die man im Schach gar nicht kommen würde."

„Ich musste lernen zu bluffen und zu schauspielern, und das ist ganz und gar nicht meine Natur. Diese neuen Elemente in mein Spiel zu integrieren hat mir aber auch viel über mich selbst gezeigt. Es ist ein bisschen wie Psychoanalyse, denn ich habe festgestellt, dass ich diese Dinge eigentlich gerne und gut mache - ich kann bluffen und schauspielern."

Der größte Unterschied zwischen den beiden Spielen ist laut Almira Skripchenko der Risikofaktor.

„Schach ist ein ruhiges, sehr rationales Spiel", sagt sie. „Poker hat auch viel mit Rationalität zu tun, aber im Schach gibt es im Grunde keinen Risikofaktor. Pokern bedeutet, dass man gewillt sein muss, Risiken einzugehen."

Almira Skripchenko
"ich kann nicht zaubern, ich lerne ja noch."

Als Skripchenko im Sommer den siebten Platz bei einem WSOP-Event erreicht, hat sich ihre Risikobereitschaft offenbar ausgezahlt, und obwohl sie natürlich lieber das Turnier gewonnen hätte, gewann sie doch immerhin an Erfahrung und lernte eine wichtige Pokerlektion:

„In gewisser Weise habe ich mir bewiesen, dass ich inzwischen ein dickes Fell habe. Für eine Schachspielerin ist das beinahe ein philosophisches Thema, denn Niederlagen werden sehr selten. Durch Poker lernt man, Niederlagen zu akzeptieren und weiterzumachen.

Ich war stolz auf mich, denn ich glaube, ich bin dadurch stärker geworden. Das ist mein größter Gewinn. Ich habe drei Tage lang mit großartigen Spielern am Tisch gesessen. Einmal war ich sogar fast Chipleader. Aber ich eben nicht zaubern, ich lerne ja noch.

Mein Freund [Manuel Bevand] hat gesagt, dass er mich innerhalb eines Jahres in eine Pokermaschine verwandeln wird. Ich bin nicht sicher, ob mir diese Vorstellung gefällt, aber gut, dann ist es eben mein Ziel, eine Pokermaschine zu werden."

 

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