Sam Trickett – High Stakes Wien/Macau und deutsche High Roller Analyse

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Super High Roller Sam Trickett.

Der englische Pokerspieler Sam Trickett hat in den letzten beiden Jahren einen einzigartigen Lauf gehabt und ist deshalb mittlerweile der erfolgreichste europäische Pokerspieler aller Zeiten. Wir trafen den 27-Jährigen nach seinem Bustout aus dem EPT Wien Main Event und unterhielten uns über Jan Jachtmanns PLO-High Stakes Cash Game im Wiener Hotel „Sans Souci“, seine Meinung über den Spielstil der deutschen Highroller und die mögliche Rückkehr zu den Super Cash Games in Macau.

PZ: Sam, hier in der Hofburg kursieren Gerüchte, dass PLO-Weltmeister Jan-Peter Jachtmann im Wiener Hotel „Sans Souci“ eine High Stakes Cash Game-Partie ausrichtet und du sollst einer der Stammgäste sein. Kannst du dich dann überhaupt auf €5.000-Turnier konzentrieren?

ST: Ich kann mich auf beides konzentrieren. Ich habe schon immer, während der Major Live-Turniere auch hohe Cash Game-Partien gespielt. Aber gestern Nacht war es schon richtig spät geworden.

Ich hatte nur sechs Stunden Schlaf. Allerdings hat das meine Entscheidungen hier nicht beeinflusst. Allerdings fühlte ich mich heute ein bisschen verflucht. Gestern lief es im Main Event, wie geschmiert und dann kam eine böse Cash Game-Session.

Florian Langmann
Florian Langmann - Gast bei den privaten High Stakes.

Und heute hatte ich das Gefühl, sie haben eine Voodoo-Puppe in dem Penthouse, wo das Cash Game stattfindet, denn es lief einfach gar nichts mehr zusammen.

PZ: Wirst du noch den Rest der Woche ins „Sans Souci“ pilgern?

ST: Ja, jetzt umso mehr, weil ich aus dem Main Event raus bin. Ich bleib noch bis Sonntag in Wien und irgendwas muss man ja machen. Also versuche ich Geld zu verdienen.

PZ: Wie läuft‘s denn dort so?

ST: Nicht gut. Ich verlor gestern innerhalb von vier Stunden fast jede Hand und war wohl um die 60 Mal all in ...

PZ: In Euro?

ST: Mehr als fünfstellig. Ich will nicht zuviel verraten, aber meine Gegner dürften nach der Nacht sehr glücklich gewesen sein.

PZ: Welche Spieler meinst du?

ST: Hautsächlich deutsche Pro`s und österreichische Typen. Ronny Kaiser, Florian Langmann und Noah Boeken waren auch dabei.

PZ: Wie bist du zu der Ehre gekommen eine Einladung zu erhalten?

ST: Ich kenne ein paar Leute von längeren Aufenthalten in Wien.

Gregor Reichardt zum Beispiel, der mal Floorman in der High Roller-Lounge des Montesino gewesen ist.

Ich brachte immer gute Action in die Partien und nun hoffen sie natürlich, dass ich ihnen die Bankroll auffülle.

PZ: Du kennst ja die Deutschen auch aus anderen Pokerpartien. 2012 und 2013 dominierten sie nach Belieben die High Roller und Super High Roller-Turniere. Du warst einer der ganz wenigen europäischen Spieler, die ihnen dort auf Augenhöhe Paroli bieten konnten. Was denkst du über das „teutonische Rudel“, diesen beängstigend guten German Think Tank?

ST: Ich war über die Dominanz nie wirklich überrascht. Sie waren bei fast allen Turniern in großer Spielerstärke anwesend.

Und sie spielen eben einfach auch besser, als die meisten anderen. Und weil sie sich auch gegenseitig nichts schenken, können sie ihre Gehirne fast täglich trainieren.

Ganz nebenbei sind sie auch echt nette Typen.

PZ: Wer ist der Beste?

ST: Das kann man nicht sagen: Quoss, Gruissem, Reinkemeier und Kurganov: vier Spieler mit vier völlig unterschiedlichen Spielstilen.

PZ: Was ist Gruissems Stil?

ST: Ich werde jetzt nicht alle Reads verraten, die ich auf ihn habe. Aber eine Sache ist bei ihm wirklich auffällig. Er denkt über Spielsituationen teilweise wirklich komplett anders nach, als der Rest der Turnierspieler.

Philipp Gruissem
Findet Bluffing-Spots, wo keine sind - Philipp Gruissem.

Sein Postflop-Game ist außergewöhnlich kreativ.

Er findet Bluffing-Spots, die kaum ein anderer wählen würde. Für alle anderen Turnierspieler, gerade im hohen Buy In-Bereich ist Pot-Control sehr wichtig.

Für ihn scheint das oft gar keine Rolle zu spielen.

PZ: Und Tobias Reinkemeier?

ST: Spielt nicht so aggressiv, wie Gruissem. Aber sein Spiel ist sehr klar und geradlinig, nahe an der Perfektion. Er macht kaum Fehler und bestraft dich für jeden schwachen Moment, den du während eines Turniers zeigst.

PZ: Die leben alle in London. Kennst du sie auch privat?

ST: Nein. Ich leb ja nicht in London. Ich spiele zwar hin und wieder ein paar private Cash Games da, aber die Deutschen hab ich da noch nie gesehen.

Ich selbst lebe in einer mittelgroßen Stadt namens Lincoln, im Nordosten Englands.

Aber ich sehe sie natürlich öfter auf den großen Turnier-Serien. Und bei den sehr teuren Turnieren swappe ich auch gern mit ihnen.

Eigentlich sind sie die Einzigen, mit denen ich jemals bei einem High Roller oder Super High Roller geswappt habe.

PZ: Zurück zu den High Stakes Cash Games. Du warst einer der Spieler, von denen man immer wundersame Geschichten von den Super Cash Games in Macau gelesen hat.

Nun hörte man, dass du da nicht mehr eingeladen wirst. Bist du zu gut, zu gefährlich geworden?

ST: Ich habe tatsächlich lange die ganz teuren Cash Game-Partien in Macau gespielt. Tom Dwan und ich waren eigentlich die einzigen Pros, die dort regelmäßig Einladungen bekommen haben.

tom dwan
"Tom Dwan und ich waren die einzigen Pros, die eingeladen wurden."

Aber irgendwann trockneten die Partien aus und als sie wieder regelmäßiger stattfanden, entschieden die lokalen VIP`s, dass sie keine Poker Pros mehr dabei haben wollen.

In den Partien, die für uns organisiert wurden saßen dann oftmals nur westliche Pro`s, es wurde six-handed gespielt und das Ganze war nicht besonders attraktiv.

Ich habe dann noch lange täglich auf die Einladungen zu den wirklich attraktiven Partein gewartet und irgendwann entschieden wieder nach Europa zurückzukehren.

Allerdings hat Tom mir kürzlich erzählt, dass er wieder eingeladen wurde. Vielleicht kehre ich ja schon bald zurück.

PZ: Du und Tom. Was macht dich eigentlich zu diesem außergewöhnlich guten Spieler, der mittlerweile Europas erfolgreichster Pokerspieler aller Zeiten ist?

ST: Ganz ehrlich. Ich denke ich bin gut und auch gut genug, um zwischen den gefährlichsten Haien der Pokerszene zu überleben. Aber in den High Roller- und Super High Roller-Turnieren hatte ich auch eine Menge Glück.

Und ich bin immer gut klar gekommen mit den anderen Spielern. Ich hatte keinen großen Streit und auch keine anderen Totalausfälle. Andere Spieler vertrauen mir und Sponsoren haben mich immer sehr unterstützt. Im Gegenzug gebe ich Interviews auch wenn ich – wie gerade jetzt – gar keine Lust darauf habe (lacht).

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