Reiseblog Zypern Teil 3 – Wie man nicht pokern sollte

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12 Juni 2013, Von: PokerZeit.com
Geposted in: PokerZeit Blog
Reiseblog Zypern Teil 3 – Wie man nicht pokern sollte

Egal, welches der zahllosen Casinos im Großraum Kyrenia man betritt, auf die Frage an den Registrierschaltern, ob Poker im Angebot ist, lautet die Antwort immer „Ja“. Manchmal wird sogar noch auf die Anzahl der Tische hingewiesen.

Erfreut marschiert man rein, versucht, die typischen ovalen Spieltische auszumachen - und findet sie nicht. Man ist verunsichert und fragt sich – zumindest beim ersten Mal: „Na, was war denn das für eine Auskunft am Eingang?“

Auf zum nächsten dunkelgekleideten Angestellten und erneut gefragt. „Yes, we offer Poker, let me show you“, lautet dann sinngemäß die Antwort.

Und dann wird klar, was gemeint ist. Es geht um diese elenden „Poker“-Games, bei denen man gegen das Haus spielt, nicht gegen die anderen Spieler.

Diese Spiele tragen alle den Begriff Poker im Namen, und meist ist er auch groß auf die Tücher der blackjack-förmigen Tische aufgedruckt.

Diese Spiele haben mit Poker nur zwei Elemente gemein: die Rangreihenfolge der Kartenkombinationen von No Pair bis Royal Flush und ein gewisses Frustrationselement, in Ansätzen einem Bad Beat vergleichbar.

Ansonsten sind es Spiele mit Hausvorteil, und der kann je nach Spielerverhalten enorm werden, d.h. man verliert dort im Laufe der Zeit.

Aus Sicht der Betreiber sind dies durchaus legitime Angebote, was mich jedoch immer den Kopf schütteln lässt ist, wie sich Scharen von Spielern an diese Tische begeben und sich auf ein Ungleichgewicht zugunsten des Hauses einlassen, dass sich weit jenseits dessen von Roulette oder Black Jack bewegt.

casino floor
Immer gut besuchte Tische, bloß warum?

Die Spiele haben so illustre Namen wie „Casino Stud Poker“, „Star Poker“, „Super Poker“, „Double Pay Poker“, „Russian Poker“. Weitere konnte ich mir nicht merken.

Allen gemeinsam ist folgendes Prinzip: Jeder teilnehmende Spieler zahlt ein sog. „Ante“ in Höhe von einer Einheit, die er selbst bestimmen kann, z.B. fünf Dollar, 25 Dollar oder hundert Dollar.

Dafür bekommt er seine Pokerhand aus fünf Karten, der Croupier als Vertreter des Hauses erhält ebenfalls eine Hand. Dann entscheidet der Spieler, ob er diese Hand spielen will. Wenn sie ein Paar oder besser enthält, sollte man das auch tun.

Wer seine Hand spielen will, muss die doppelte Ante (also zwei Einheiten) in die „Bet“ Box setzen. Wer nicht spielen will, verliert seinen Ante Einsatz sofort.

Anschließend wird einfach nur verglichen: Ist die Hand eines Spielers besser als die des Croupiers, so gewinnt er, auf ein Paar z.B. 1:1 auf Ante und 1:1 auf den Betbetrag.

Ist seine Hand noch besser, so steigt die Quote auf Bet, für den Royal Flush z.B. gibt es die „Traumquote“ von 100:1. Ist die Hand des Croupiers besser, verliert der Spieler seine Ante plus Bet.

Doch jetzt kommt eine entscheidende Nebenbedingung, die das Spiel zusätzlich frustrierend machen kann und den Charakter eines Bad Beats annehmen kann:

Der Croupier muss sich qualifizieren!

„Dealer only plays with A/K or higher“, diese Regel ist auf dem Tuch ebenfalls aufgedruckt.

poker floor concord card casino
Diesen Anblick sucht man auf Zypern oft vergeblich.

Wenn der Croupier sich nicht mit einer Hand wie A/K oder besser qualifiziert, bekommen die aktiven Spieler lediglich ihren Ante-Einsatz ausgezahlt. Auch wenn sie eine Bombenhand wie ein Fullhouse oder Quads bekommen haben, die 7:1 oder 20:1 auf die „Bet“ bekommen hätte.

Wenn das passiert gehen manche Spieler sofort auf Tilt, das konnte ich mehrfach beobachten.

Die eben beschriebene Variante zeigt die Grundform. Mittlerweile sind weitere Varianten im Angebot, die dem Spieler zusätzliche, aber kostenpflichtige Optionen einräumen, z.B. Kartentausch.

Damit wird ihm zusätzliche Einflussnahme vorgegaukelt, tatsächlich zahlt er bloß mehr. Pro getauschter Karte ist das eine Einheit.

Und jetzt kommt‘s: diese Beträge wandern nicht etwa zu den Einsätzen des Spielers, sondern direkt ins Chiprack des Croupiers, unabhängig vom Ergebnis der Hand.

Es ist mir unbegreiflich, wie man an solchen Spielen teilnehmen kann, trotzdem sind diese Tische immer dicht umlagert. Dort wird die Illusion vermittelt, man würde pokern.

Im nächsten Bericht zwei kleine Begebenheiten dazu, die ich selbst miterleben konnte, und die illustrieren, wie verrückt das Spiel ablaufen kann.    

- Rainer Gottlieb

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