Die ausgeglichene Range

annette obrestad

Man sollte in jeder Hand, in die man involviert ist, Informationen sammeln und versuchen, den Gegner auf eine Range zu setzen.

Allerdings vernachlässigen viele Spieler ihre eigene Range und wie diese wahrgenommen wird.

Das ist ein Fehler. Wenn wir nicht gerade mit kompletten Trotteln am Tisch sitzen, machen sich unsere Gegner auch darüber Gedanken, auf welche Range sie uns setzen.

Es ist an uns, es jedem Gegner so schwer wie möglich zu machen, unsere Hand genau zu bestimmen. Um das zu erreichen, variieren wir unser Spiel und „balancieren“ unsere Range.

Due zugrunde liegende Idee besteht darin, möglichst schwer auszurechnen zu sein. Wir wollen den Eindruck vermitteln, dass wir in jeder Situation praktisch jede Hand halten könnten.

Wenn unser Gegner uns nicht exakt auf eine Hand setzen kann, werden wir auf lange Sicht das bestmögliche aus unseren Händen herausholen.

Vermeiden Sie typische Spielzüge

Nehmen wir an, Sie sitzen mit einem extrem soliden Spieler am Tisch. Jemand, der grundsätzlich immer mit Top Pair bezahlt, aber auch immer foldet, wenn er weniger hat.

Er erhöht keine Draws und er erhöht auch nicht, wenn er nicht mindestens besser ist als Top Pair Top Kicker.

Bei einem so leicht ausrechenbaren Spieler kann man seine Hände relativ einfach zuordnen. Es sollte nicht lange dauern, bis wir ziemlich genau wissen, was dieser Gegner auf der Hand hält.

sebastian ruthenberg 25581
Ich weiß, was du gerade getan hast.

Der Grund dafür: Er macht typische Spielzüge. Wenn er besser ist als Top Pair, erhöht er, wenn nicht, bezahlt er nur. Selbst völlig unaufmerksame Spieler werden das irgendwann mitbekommen.

Es sollte offensichtlich sein, warum ein solcher Spielstil unbedingt vermieden werden muss. Unserer Gegner werden einfach immer folden, wenn Sie schlechter stehen, und immer bezahlen, wenn sie besser stehen.

Wer so leicht auszurechnen ist, gegen den werden alle Gegner perfektes, fehlerfreies Poker spielen.

Das „Ausbalancieren“ der Range

Unter dem „Balancing“ der Range versteht man im Grunde, dass jeder unserer Spielzüge von aufmerksamen Gegnern auf ganz verschiedene Weise interpretiert werden kann.

Vor ein paar Jahren wurde Online-Poker noch ganz anders gespielt. Ein Re-Raise bedeutete grundsätzlich, das jemand AA, KK, QQ oder vielleicht noch AK hielt.

Dieser Stil wurde schließlich durchschaut. Gute Spieler orientierten sich daran und konnten nun sogar Hände wie JJ nach einem Re-Raise noch vor dem Flop abwerfen.

Als sich das Spiel weiterentwickelte, begannen die Spieler, lighter zu 3-betten (also mit schlechteren Händen), um die anderen Spieler zu Folds zu zwingen. Mit anderen Worten, sie 3-betteten mit einer augeglicheneren Range.

3-Bets mussten nun nicht mehr bedeuten, dass jemand auf jeden Fall ein hohes Paar hielt. Vielmehr konnte dies jede Hand zwischen AA und 5-6s sein.

Da diese Range so „balanced“, also weit gefasst war, konnten die Gegner nicht mehr alle bis auf Premiumhände folden. Sie waren nun gezwungen, mit einer größeren Range auch Re-Raises zu callen. Das führte dazu, dass Spieler, die sehr light 3-betteten, mehr Action bekamen.

dario minieri 25213
Dario Minieris Range ist breiter als 16:9 Fernsehen.

Ausweitung der Calling-Zone

Angenommen, wir sitzen ein einer online 6-max Partie und spielen tight-aggressiv.

Wir werden in Position mehr Raises flat callen als zu 3-betten. Wenn ein Spieler aus dem Cut-off raist, bezahlen wir wahrscheinlich mit einer Range um K-Q, A-J, 99, hohen Suited Connectors usw.

Wenn wir immer mit dieser Range callen, wird unser Spiel leicht berechenbar. Unser Gegner wird realisieren, dass wir bei einem Call niemals ein Monster haben können.

Um diesen Eindruck zu wiederlegen, müssen wir z. B. mit einem Monster bezahlen, also mit AA, KK oder QQ. Dadurch gleichen wir die Range aus.

Nun weiß unser Gegner nicht mehr, womit wir bezahlt haben … es könnte sich um A A handeln, aber auch um 7 8.

Ausbau der Checkraise-Range

Der Checkraise ist ein weiteres Beispiel für „Balancing“. Viele Amateure machen den Fehler, nur mit Monstern zu checkraisen.

Das ist ebenfalls ein Fehler, denn aufmerksame Gegner werden sich das merken und alles bis auf ihre besten Hände wegwerfen. Damit erreicht man mit dem Checkraise genau das Gegenteil von dem, was man eigentlich will, nämlich zusätzlichen Value.

Also müssen wir auch unsere Range für Checkraises ausweiten. Wir sollten nicht nur mit Monstern checkraisen, sondern auch mit Händen wie Straight oder Flush Draws, Top-Pair-Händen o. Ä.

Ein Checkraise mit einer ausgeglichenen Range hat zwei Vorteile. Zunächst kann man eine Reihe von Pots durch Semi-Bluffs gewinnen.

Wenn unser Gegner aufpasst, wird ihm auffallen, dass wir nicht nur mit den Nuts checkraisen, und er wird uns häufiger sehen wollen. Danach wird er uns häufiger auszahlen, weil er nicht weiß, ob wir die Nuts halten oder gar nichts.

nenad medic 25356
Das Ziel ist, den Gegner im Unklaren zu lassen.

Checkraises mit einer breiteren Range machen es dem Gegner extrem schwer, uns zu lesen. Es ist nun fast unmöglich geworden, uns auf eine exakte Range zu setzen. Stattdessen bleibt unserem Gegner nichts Andere übrig, als Vermutungen darüber anzustellen, was wir nun wirklich halten.

Und genau das ist unser eigentliches Ziel. „Balancing“ soll unser Spiel undurchsichtig machen. Je größer die Probleme für unseren Gegner sind, desto ungenauer ist die Range, auf die er uns setzen kann, und desto schlechter werden die Entscheidungen, die er treffen muss.

Wer keine perfekten Entscheidungen treffen kann, macht auch mehr Fehler. Gegnerische Fehler bedeuten aber bares Geld in unserem Account, und jeder einzelne bringt uns Profit.

Die Moral von der Geschicht‘: Spielen Sie bestimmte Hände nicht immer auf dieselbe Weise. Stellen Sie vielmehr sicher, dass ein und derselbe Spielzug eine Reihe verschiedener Schlüsse zulässt.

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