Rainer raist - Gebt uns endlich eine neue Pokershow!

Rainer Vollmar

Rainer Vollmar ist seit Jahren als Redakteur in der deutschen Pokerszene unterwegs. Er verfolgt die Entwicklungen beim Live- und Onlinepoker ganz genau, übersetzt Pokerbücher und verfügt daher über ein großes Wissen und sehr gutes Spielverständnis. Allwöchentlich analysiert er auf PokerZeit.com die „Hand der Woche“ für euch. In seiner Kolumne „Rainer raist“ versucht er die Geschichten hinter den Geschichten die Poker schreibt zu finden und diese von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten.

Vor fast zehn Jahren fing alles an. Nichtsahnend saß ich vor dem Fernseher und landete beim Zappen in einer Sendung auf DSF, bei der wildfremde Menschen an einem Tisch saßen und Karten spielten. Sofort stieg meine Aufmerksamkeit und ich wollte mehr wissen.

Zunächst erfuhr ich, dass diese Männer Poker spielten, obwohl das, was sie taten, nichts mit dem Poker zu tun hatte, das ich aus der Schule kannte.

Bei diesem Poker hatte man zwei Karten, die der Zuschauer sehen konnte, und man kombinierte sie mit Karten auf dem Tisch. Das war mir neu, doch allmählich erschloss sich mir das Geheimnis des Spiels (jedenfalls die Regeln …) und die Faszination blieb.

Als ich schließlich noch in einer Schachzeitschrift las, dass der Großmeister und einer der stärksten Schachspieler Deutschlands, Matthias Wahls, ebenfalls dem Pokervirus verfallen wäre, war es ganz mit mir vorbei und alsbald zählte auch ich zu dieser Kategorie.

Natürlich weiß der Leser längst, dass es sich bei der Sendung auf DSF (heute Sport1) um High Stakes Poker oder Poker After Dark  handelte und dass die „wildfremden Menschen“ Doyle Brunson, Tom Dwan, Phil Ivey oder Mike Matusow waren.

Und jeder, der die Sendung damals sah, weiß, welche Wirkung von ihr ausging. Sogar sechs Jahre später sind die gesehenen Hände noch so interessant, dass wir diese Woche Brad Booth einen der spektakulärsten Bluffs der Geschichte von High Stakes Poker analysieren ließen.

Doch nach all der Schwärmerei kommen wir nun zum traurigen Kapitel. Poker After Dark und High Stakes Poker gibt es nicht mehr. Und das schon sehr lange.

Der Black Friday hat sie 2011 dahingerafft, und dass sie laut Wikipedia noch nicht offiziell für tot erklärt wurden, ist nur ein schaler Trost. Nur die kühnsten Optimisten wagen zu hoffen, dass HSP oder PAD noch einmal über den Äther gehen werden.

Dabei haben wir deutschsprachige Pokerfans noch Glück gehabt. Wir haben mit den German High Rollern ein Format, das der Qualität seiner amerikanischen Vorbilder schon sehr nahe kommt. Dazu gibt es für Anhänger der leichteren Unterhaltung mit der TV Total Pokernacht seit vielen Jahren eine Sendung, die durchaus ihren Reiz haben kann.

High Stakes Poker Season 1
Wer erinnert sich nicht gerne an High Stakes Poker zurück und würde Spielern wie Viktor Blom, Ilari Sahamies oder Tom Dwan wieder auf die Finger schauen können?

Und doch braucht die Welt ein neues HSP oder PAD. Jonas Kronwitter ist eben nicht Phil Ivey und Quirin Zech nicht Patrik Antonius.

Die ganz großen Superstars der Szene kommen weiterhin aus den USA, doch sind mittlerweile viele Spieler aus anderen Ländern nachgerückt, man denke nur an Viktor Blom, Rui Cao oder Jens Kyllönen.

Stellen wir uns doch einfach mal vor, dass diese drei mit Ilari Sahamies, Daniel Cates, Tom Dwan, Phil Ivey, Patrik Antonius und Mike Matusow eine Runde Pot-Limit Omaha um moderate Blinds wie $200/$400 mit Straddle spielen. Wem ginge da nicht das Herz auf?

Die Welt braucht aber nicht nur zu Unterhaltungszwecken ein neues HSP oder PAD. Ein solches Format führt neue Spieler heran, die die Pokerszene gut gebrauchen kann.

Spieler wie Viktor Blom gingen aus dem großen Pokerboom hervor und eine gut gemachte Pokersendung kann irgendwo auf der Welt den nächsten Isildur1 hervorbringen.

Außerdem würden nicht nur kommende Stars, sondern auch viele Freizeitspieler dazu animiert, sich der Faszination Poker anzuschließen.

Als kleinen Appetithappen zeigen wir hier die berühmte Hand zwischen Tom Dwan und Barry Greenstein, bei der vermutlich nicht nur Moderator Gabe Kaplan ins Schwärmen gerät. Tja, wem das nicht gefällt, der sollte vielleicht doch lieber Takeshis Castle schauen…

Aus nostalgischen Gründen gibt es zum Schluss noch eine Riesenhand von High Stakes Poker:

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare