Rainer raist - Drei Gründe, warum Online-Poker nicht aussterben wird

Rainer Vollmar ist seit Jahren als Redakteur in der deutschen Pokerszene unterwegs. Er verfolgt die Entwicklungen beim Live- und Onlinepoker ganz genau, übersetzt Pokerbücher und verfügt daher über ein großes Wissen und sehr gutes Spielverständnis. Allwöchentlich analysiert er auf PokerZeit.com die „Hand der Woche“ für euch. In seiner Kolumne „Rainer raist“ versucht er die Geschichten hinter den Geschichten die Poker schreibt zu finden und diese von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten.

Rainer Vollmar
Rainer Vollmar

Eine Studie der Uni Hamburg zeigt, dass der Online-Pokermarkt in Deutschland seit 2010 rückläufig ist. Müssen wir uns deswegen Sorgen machen? Ja, schon, aber nicht so große, wie mancher vielleicht denkt.

Noch einmal kurz zurück zu den Ergebnissen der Studie der Wissenschaftler. In den letzten drei Jahren gingen die Online-Spielerzahlen in Deutschland um fast 40 Prozent zurück, und das wirkte sich natürlich auch auf den Umsatz aus, der sogar um mehr als 50 Millionen von 392 Millionen Dollar auf 176 Dollar sank.

Warum man sich um Online-Poker dennoch keine allzu großen Sorgen machen muss, hat (mindestens) drei Gründe. Hier sind sie:

1) Freizeitspieler

Die Studie der Uni Hamburg verweist darauf, dass das Reservoir der Online-Spieler vor allem aus Spielsüchtigen und Pokerprofis bestünde.

Das greift allerdings viel zu kurz, denn es gibt ihn durchaus noch, den guten alten Freizeitspieler, der sich ablenken will und dafür auch Geld auszugeben bereit ist.

Dazu ein Beispiel einer Hand, die erst gestern so im Internet gespielt wurde:

Hero raist mit 9 9 auf 3BB, der Button callt und der Big Blind callt. Im Pot sind 9,5. BB Der Flop bringt 9 8 Q, der Big Blind checkt, Hero setzt 7 BB, der Button callt, der Big Blind foldet. Im Pot sind 23,5 BB. Der Turn bringt den J, Hero checkt, der Button setzt  12 BB, Hero callt. Im Pot sind 47,5 BB und die effektiven Stacks betragen noch 50 BB. Der River bringt die 9, Hero setzt mit Quads 28 BB, sein Gegner geht mit 50 BB All-In. Hero callt mit den Nuts und Pot Odds von fast 6 zu 1. Sein Gegner zeigt A 8!

Diese Hand, in der der Button auf dem River, sagen wir, recht optimistisch vorging, sagt eine Menge über den Spieler aus. Strategische Dinge spielen für ihn offensichtlich deutlich weniger eine Rolle als pure Spielfreude und Lust am Gamblen. Er ist mit Sicherheit ein Spieler, der Ablenkung und Spaß sucht, Geld spielt für ihn definitiv eine untergeordnete Rolle. Und solche Spieler gab es online schon immer, und wird es auch immer geben.

2) Neue Märkte

Je weiter man Richtung Osten blickt, desto mehr Möglichkeiten tun sich für die Pokerszene auf. In Indien und Japan fristet Poker bisher nur ein Schattendasein, nicht nur aufgrund der Einwohnerzahlen gibt es dort aber ein schier unendliches Entwicklungspotential, das in Japan z.B. durch einen Spieler wie Naoya Kihara rasch beflügelt werden kann.

Naoyha Kihara Bracelet
Naoya Kihara gewann im letzten Jahr ein Bracelet bei der WSOP und wird den japanischen Markt damit längerfristig beflügeln.

Auch Russland, wo eine Regulierung demnächst umgesetzt werden soll, und China mit seinen fast unendlichen Menschenmassen können reihenweise neue Spieler in die Online-Pokerszene spülen.

Nicht zu vergessen sind auch weiterhin die US-amerikanischen Spieler, die irgendwann ins internationale Online-Pokergeschäft zurückkehren könnten.

Insgesamt sind vor allem außerhalb von Europa noch enorme Erschließungspotentiale, ob alle Spieler am Ende in einem gemeinsamen Pool antreten können, ist allerdings eine ganz andere Frage.

3) Vorteile gegenüber den Live-Casinos

Seinen Laptop öffnen, den Poker-Client anklicken und wenige Sekunden später schon am virtuellen Tisch sitzen, das ist schlicht die bequemste und schnellste Methode, um zu pokern.

online-poker vs live-poker
Die Vorteile von Online-Poker gegenüber dem Live-Poker sind so immens, dass Online-Poker auch in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird.

Will man dagegen im Casino live spielen, muss man vielleicht viele Kilometer fahren und wird dafür in puncto Rake kräftig abkassiert.

Nicht vergessen sollte man auch die höheren Spielumfänge, die man online erzielt. Dank der Fast-Fold-Varianten wie Zoom oder Rush kann man online mehrere Hundert Hände pro Stunde spielen, während im Live-Casino vielleicht 20 bis 40 Hände pro Stunde möglich sind.    

Online-Poker und Live-Poker schließen sich überhaupt nicht aus – beide Varianten haben ihre Vorzüge und können wunderbar nebeneinander existieren.

Unterm Strich ist es sicher so, dass sich der Online-Markt in den letzten Jahren verändert hat. Der Black Friday richtete eine zeitweilige Verwüstung an, der Niedergang von Full Tilt bescherte dem Pokergeschäft viele negative Schlagzeilen und die schleichende Monopolisierung durch PokerStars bietet auch mehr Nach- als Vorteile.

Eins aber ist ziemlich sicher: Online-Poker wird auch in der Zukunft eine gewichtige Rolle spielen.

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