Problematische Starthände: Wie man A-Q richtig spielt (3)

Daniel Negreanu

Dritter und letzter Teil unserer Serie über die Starthand Ass-Dame. Nachdem wir uns in den ersten beiden Teilen die mathematischen Grundkenntnisse zu A-Q erarbeitet haben, machen wir uns nun daran, diese konkret am Tisch umzusetzen.

Die mittelprächtige Hand

Es wurde bereits in anderen Artikeln wie "Starke Hand, kleiner Pot 2" beschrieben, dass es niemals Sinn macht, mit einer mittelprächtigen, oder kurz gesagt mittleren Hand zu setzen.

A-Q ist ein Beispiel für eine solche Hand. Zwar liegt Ass-Dame am oberen Rand in der Kategorie der der mittleren Hände, gehört aber trotzdem noch dazu.

Auch Anfänger erkennen schnell, dass A-Q zu den besten 5% der Hände gehört, und nehmen deshalb an, dass sie allein deshalb eine profitable Hand sein muss.

Wenn man aber nicht die notwendigen Fähigkeiten, Kenntnisse und auch die notwendige Erfahrung mitbringt, kann A-Q aus früher Position - und bei Anfängern aus jeder Position - eine Verliererhand werden.

Selbst Spieler wie Daniel Negreanu haben schon öffentlich erklärt, dass sie langfristig mit A-Q verloren haben und sich schwer damit tun. Das heißt aber nicht, dass sie sie nicht spielen würden.

Als eine der besten 5% ist A-Q aus statistischer Sicht profitabel, aber nur, wenn man in der Lage ist, sich in verlustanfälligen Situationen von ihr zu trennen.

Mean Gene Simmons
Mal abgesehen von Ace-Queen, wie wär's mal mit Ace Freeley?

Wie man A-Q spielt

Ich habe diese Artikelserie begonnen mit dem Ziel, ein paar Richtlinien und klare Thesen für die korrekte Spielweise aufzustellen.

Leider habe ich das Gefühl, dass dies schriftlich kaum möglich ist. Wenn man sich alles nochmal ansieht, was ich über A-Q geschrieben habe, wird deutlich, dass die Profitabilität stark von der Situation abhängt.

Je nachdem, wie die Gegner spielen und wie sich der Tisch verhält, muss man A-Q anpassen oder auch gar nicht spielen.

Spielt man gegen neun Gegner, die alle nur Premiumhände spielen, ist A-Q ein Verlierer. Spielt man aber gegen Gegner, die jede Hand spielen, verdient man mit A-Q Geld.

Möglicherweise muss man A-Q sogar auf Titan Poker anders spielen als auf PokerStars.

Unabhängig davon, wie man die Hand spielt, kommt es darauf an, damit Informationen zu sammeln. Man muss einen Weg finden, aus dem Gegner herauszulesen, womit man es zu tun hat. Es ist besser, vor dem Flop zwei Bets zu verlieren, als später deutlich mehr.

Frühe Position

Als ich anfing, Poker zu spielen, wurde mir schnell klar, dass A-Q eine Problemhand für mich ist, und ich begann, damit zu experimentieren.

Eine meiner Spielweisen bestand darin, mit A-Q zu limp-reraisen, wenn ich sie in früher Position bekam. Will man vor allem Informationen von den anderen Spielern bekommen, ist das in No-Limit-Partien auf niedrigen und mittleren Limits eine ziemlich sichere Methode.

Da ein Limp-Reraise auf eine extrem starke Hand hinweist, kann man davon ausgehen, dass ein Spieler, der callt oder weiter erhöht, A-Q dominiert hat. In einem solchen Fall verliert man nur den Pre-Flop-Einsatz, im Gegensatz dazu, wenn man den Flop trifft und dann den ganzen Stack abschreiben muss.

Wenn man einen solchen Spielzug zur Informationsgewinnung macht, darf man dabei aber nie vergessen, was das eigentliche Motiv war und was man mit der gewonnenen Information anfängt.

Bekommt man auf einen Limp-Reraise einen Call, muss man sich gedanklich darauf einstellen, A-Q abzuwerfen, unabhängig davon, wie der Flop aussieht - wenn man nicht gerade die Broadway Straight floppt.

Selbst wenn man Top Two Pair trifft, ist das kein sanftes Ruhekissen, denn gegen K-K gewinnt man damit nichts, und gegen A-K auch nur manchmal.

Denken Sie daran, was Ihr Pre-Flop-Spiel über Ihre Hand aussagt. A-K wird jetzt nicht mehr unbedingt bereit sein, auf einem Board A-Q-2 jede Bet zu bezahlen. Jeder Gegner wird im Hinterkopf haben, dass Sie Asse oder Damen halten könnten, und sich entsprechend verhalten.

Ein solcher Spielzug ist nur gegen ABC-Spieler sinnvoll. Ein solcher Spieler wird vorhersehbar auf unseren Spielzug reagieren und sich genau gemäß ihrer Handstärke verhalten.

Versucht man dagegen, diesen Spielzug gegen einen sehr trickreichen Spieler anzuwenden, kann man sich schnell in sehr komplizierte Situationen bringen. Z. B., wenn es sich um einen Spieler handelt, der häufig light setzt, raist oder drei-bettet. Dann nämlich hat man vor dem Flop keine zusätzlichen Informationen gewonnen.

Man hat nun vor dem Flop einen relativ großen Pot aufgebaut, ohne neue Informationen bekommen zu haben. Das macht die Entscheidungsfindung auf und nach dem Flop sehr viel schwieriger.

Treffen Sie gegen einen solchen Spieler ein Ass oder eine Dame, sollten Sie nicht einfach glauben, dass Sie nun vorne liegen. Die Potgröße wird bestimmen, wie sehr es schmerzt, wenn Sie sich täuschen.

Mark Teltscher
Manchmal ist ein Fold die beste Entscheidung.

Späte Position

Wie so oft hängt vieles nicht nur an der Stärke der Hand, sondern auch daran, die Position richtig zu spielen.

Aus später Position würde ich generell empfehlen, einen Pot zu eröffnen, wenn das nicht bereits geschehen ist. Es ist immerhin eine Top 5% Hand, und wenn niemand vor uns Stärke zeigt, ist es wahrscheinlich die beste Hand.

Sitzt man hinter einem Raiser, muss man sich auf seine Reads verlassen. Gegen einen tighten Spieler ist es selten ein Fehler, zu folden.

Selbst wenn der Raiser ein Maniac ist: Vergessen Sie nicht, dass auch solche Spieler ab und zu Monster bekommen, und mit denen werden Sie raisen wie mit allen anderen auch.

A-Q in einem geraisten Pot zu spielen, ist eine Frage des Reads. Sitzt man an einem Tisch, an dem man ein unterlegener Spieler ist, sollte man A-Q besser dem Muck überlassen.

Obwohl ich in gewissen Situationen dazu raten würde, mit A-Q zu limp-reraisen, bevorzuge ich den Spielzug, aus später Position zu erhöhen. Ein Re-Raise zwingt alle anderen Spieler außer dem ursprünglichen Raiser, die Hand zu folden. Damit sind Sie und Ihr Gegner isoliert.

Gute Spieler sind in der Lage, hier mit fast jeder Hand zu bezahlen und dann entweder eine Falle zu stellen oder zu versuchen, uns auszuspielen. Von einem guten Spieler bekommt man einfach nicht genug Informationen, um in diesem Szenario profitabel zu spielen.

Ich möchte mich nicht auf mein Glück verlassen müssen, um meine Hand profitabel zu spielen. Einen Raise einfach nur zu bezahlen ist offenkundig keine gute Entscheidung. Dadurch gewinnen wir keinerlei Informationen, und wir geraten genau in die Situationen, über die wir schon gesprochen haben - und die einen negativen Erwartungswert haben.

Meiner Meinung nach sollte man A-Q hinter einem Raise eher folden, wenn man keinen sehr guten Read auf den Gegner hat. Kann man den Gegner gut lesen, spielt A-Q sowieso keine Rolle mehr. Dann sind die Karten zweitrangig.

Nachbetrachtung

A-Q ist die Starthand, mit der man am häufigsten Probleme bekommt. Allein deshalb sollte man sie am besten abwerfen, wenn man nicht in der richtigen Position sitzt und die Umstände dafür sprechen, sie zu spielen.

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