Problematische Starthände: Was A-Q wirklich wert ist (2)

Doyle Brunson

Zweiter von drei Teilen unserer Besprechung der Hand, die in Texas Hold'em am schwierigsten zu spielen ist. In diesem Artikel erläutern wir, wie man als ernsthafter Spieler A-Q zu einer langfristig profitablen Hand macht.

Zweiter von drei Teilen unserer Besprechung der Hand, die in Texas Hold'em am schwierigsten zu spielen ist. In diesem Artikel erläutern wir, wie man als ernsthafter Spieler A-Q zu einer langfristig profitablen Hand macht.

Im ersten Teil dieses Dreiteilers besprachen wir den statistischen Wert von Ass-Dame, außerdem betrachteten wir allgemein, wo man mit dieser Hand an einem Full-Ring-Tisch normalerweise steht. Darauf werden wir nun näher eingehen.

A-Q; die wichtigsten Eckpunkte

Sehen wir uns nun einige Szenarien an. Über die exakte mathematische Berechnung machen wir uns keine Sorgen. Es genügen hier ungefähre Werte.

Wenn man mit A-Q vor dem Flop erhöht, wird man von vier verschiedenen Kategorien von Händen gecallt:

  1. Hände, die A-Q dominieren
  2. Hände, die A-Q dominiert
  3. Coin Flips
  4. Rags (marginale Hände)

1. Hände, die A-Q dominieren: AA, KK, QQ, A-K

The Champ!
Auf dem Weg zu seinem WSOPC-Titel nahm Allen Cunningham mit Ass-Dame Justin Bonomo vom Tisch.

Wir können unsere Gewinnrate gegen AA, KK und QQ bei 0% ansetzen. Diese Hände re-raisen uns normalerweise aus dem Pot. Gelangt man trotzdem irgendwie bis zum Flop, verliert man in etwa 90% der Fälle. Die wenigen großen Pots, die man damit gewinnt, werden durch die vielen Pots, die man verliert, wenn man mit A-Q gegen Asse oder Damen eine Dame bzw. ein Ass trifft, mehr als wettgemacht.

Mit A-K liegt die Sache in bisschen anders. Sagen wir, wir werden in etwa 50% durch ein Re-Raise aus dem Pot getrieben. Dann sehen wir in den anderen 50% der Fälle folgende mögliche Flops:

  • Ass hoch: Wie verlieren einen großen Pot.
  • Dame hoch: Wir verlieren einen kleinen Pot.
  • A-Q auf dem Board: Wir gewinnen einen großen Pot.
  • A-Q-K auf dem Board: Wir verlieren einen großen Pot.
  • Gefloppte Straight: Wir gewinnen einen mittelgroßen bis großen Pot.
  • Gefloppter Straight Draw: Wir verlieren einen mittelgroßen Pot.
  • Flop komplett verpasst: Wir verlieren einen kleinen Pot.

Sehen wir uns die Möglichkeiten an, dann erkennen wir, dass sich die Ergebnisse mehr oder aufheben. As Problem an unserer kleinen Aufstellung hier ist, dass wir keine Wahrscheinlichkeiten angefügt haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir den Flop komplett verpassen, ist bei weitem am höchsten.

Die Chanen auf ein Board Ass hoch ist mehr als doppelt so groß wie die auf ein Board mit Ass Dame.

Die Chance, eine Straight zu floppen, ist nur halb so groß wie die auf einen Straight Draw.

Sieht man sich die Odds genauer an, wird deutlich, dass A-Q gegen A-K einen sehr negativen Erwartungswert hat. Man verliert nicht nur 50% sowieso, man verliert auch von den anderen 50% noch viele große Pots. Damit hat A-Q gegen unserer erste Gruppe eine Gewinnrate von unter 0%, also eine negative Gewinnerwartung (-EV).

2. Hände, die A-Q dominiert: A-J, K-Q, A-T, Q-J

Diese Hände stehen ähnlich zu A-Q wie A-Q zu A-K. Wir dominieren jede einzelne davon. Der Unterschied ist, dass diese Hände schwächer sind und deshalb häufiger vor dem Flop gefoldet werden bzw. seltener große Bets bezahlen. Wir gewinnen daher weniger Geld gegen jede dieser Hände, als wir gegen A-K verlieren.

Insgesamt jedoch wiegt der Profit gegen all diese Hände den Verlust gegen A-K auf. Damit haben wir gegen diese Handgruppe eine positive Gewinnerwartung (+EV).

3. Coin Flips: JJ-22

Obwohl 77-22 keine Top 20 Hände sind, kann es durchaus Sinn machen, sich damit in einem Cash Game viele Flops anzusehen. Deshalb werden viele Spieler einen Raise damit bezahlen. Auf dem Flop erwarten uns damit folgende Szenarien (abgesehen von den seltenen Situationen, in denen Flushs oder Striaghts gegen Full Houses verlieren):

  • Niemand trifft den Flop.
  • Wir floppen Top Pair.
  • Der Egner trifft sein Set, wir verpassen den Flop.
  • Wir treffen Top Paar oder besser, der Gegner trifft das Set.

Verpassen beide Spieler den Flop, schätze ich die Gewinnrate auf 50%. In der Hälfte der Fälle hat der Gegner ein niedriges Paar, dass er folden wird, in der anderen Hälfte nicht.

Gus Hansen
Jemand, der spielt wie Gus Hansen, kann alles Erlernte in Frage stellen.

Treffen wir Top Pair und der Gegner verfehlt, wird er folden. Die Fälle, in denen der Gegner das Set trifft, und die, in denen er verfehlt, halten sich auf lange Sicht in etwa die Waage.

Trifft der Gegner aber das Set und wir nichts, dann folden wir.

Treffen wir Top Pair und der Gegner sein Set, verlieren wir eine signifikante Menge Geld.

Insgesamt werden wir auf lange Sicht gegen diese Hände deutlich verlieren. Es gibt kein Szenario, in dem wir dauerhaft große Pots gewinnen, aber es gibt eines, in dem wir sie verlieren.

Treffen wir eine Straight gegen ein Set, gewinnen wir einen großen Pot, aber diese Gewinne werden wiederum durch die Verluste aufgewogen, die wir erleiden, wenn das Board sich pairt.

4. Rags

Schwache Hände werden praktisch immer folden und geben uns damit fast 100% Gewinnrate, allerdings bedeutet das nur sehr wenig Geld.

Ergebnisse

  1. Hände, die A-Q dominieren: -EV (mittelmäßige Verluste)
  2. Hände, die A-Q dominiert: +EV (mittelmäßige Gewinne)
  3. Coin Flips: -EV (große Verluste)
  4. Rags: +EV (sehr kleine Gewinne)

In jedem der Szenarien zeigen die Berechnungen, wie A-Q auf lange Sicht große Verluste erspielen kann. Man hat keinerlei Kontrolle darüber, wie und mit welchen Händen die Gegner antreten, und damit werden wir mit A-Q in eine Reihe von -EV-Situationen gezwungen.

Der letzte Aspekt, auf den wir hier noch eingehen müssen, ist der Flush. Treffen wir mit A-Q einen Flush, so ist es der bestmögliche. Kleine Pots, die wir damit gewinnen, werden durch die kleinen Verluste aufgewogen, die wir erleiden, wenn wir mit Flush Draw fortsetzen, dieser aber nicht ankommt (bei entsprechenden Odds). Bekommen wir den Flush, können wir zwischen sehr kleinen und sehr großen Pots alles gewinnen.

Wenn Sie in der Lage sind, schwierige Situationen zu vermeiden, und nur dann mit A-Q spielen, wenn es sich wirklich anbietet, können sie mit dieser Top 5% Hand klare Gewinne einfahren.

Im dritten und letzten Teil gehe ich auf verschiedene Spielweisen von A-Q ein. Letztlich nutzt Ihnen ja alles nichts, was Sie hier lesen, wenn Sie nicht wissen, wie man es in der Praxis umsetzt.

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