Problematische Starthände: Pocket Buben (3) - Post-Flop-Strategie

Pocket Jacks

Im zweiten Teil haben wir die Stärken und Schwächen von Pocket Buben aus mathematischer Sicht betrachtet. Jetzt ist es Zeit, die korrekte Spielstrategie auf dem Flop zu erarbeiten.

Zu den grundlegenden Konzepten von Poker gehört es, prinzipiell nicht mit der mittleren Hand  - z. B. dem mittleren Paar - zu setzen. Kurz gesagt ist es so: Wenn man mit einer mittelmäßigen Hand setzt, wird man nie von einer schlechteren Hand bezahlt, aber immer von einer besseren.

Deshalb: Lassen Sie es. Das ist ein Prinzip - eine Pokertheorie. Dahinter steckt das Verständnis der „weit vorn oder weit hinten"-Philosophie.

J-J ist ein hervorragendes Beispiel für eine so genannte mittlere Hand. Wenn sie sich auf dem Flop nicht verbessert, bleibt sie eine mittlere Hand. Trifft ein Gegner den Flop besser, wird daraus schnell eine Bottom-Pair-Hand, und damit wird aus JJ nicht mehr als ein Bluff.

In einer solchen Situation hat J-J keinen höheren Wert mehr als 2-3. Zu unserem Glück liegt J-J jedoch am oberen Ende der Skala mittlerer Hände. Es ist die beste aller Hände der mittleren und unteren Klasse. Solange niemand eine Top Hand hat, stehen wir damit sehr gut da.

Mike Wattel
Mit Buben fragt man sich manchmal: Was nun?

Hier sieht man sehr schön, wie sehr jede Pokerhand situationsabhängig ist. J-J ist immer nur so gut, wie die gegnerischen Hände es zulassen - und so gut, wie das Board es zulässt.

Da es sich hier um eine so spekulative Hand handelt, jedenfalls wenn man das Board nicht trifft, sollte man tunlichst versuchen, den Pot klein zu halten.

Kleine Pots

Mit schwachen Händen sollte man kleine Pots spielen. Die meisten Anfänger sind überrascht, wenn sie lernen, was das wirklich bedeutet. Auch auf einem Flop 2 4 9 sind Pocket Buben keine Hand für einen großen Pot. Man sollte auch hier den Pot klein halten, indem man checkt, callt und unterhalb der Potgröße setzt.

Wenn man auf eine große Bet hin einen Call bekommt, wächst der Pot jedesmal exponentiell. Jede folgende Bet muss entsprechend größer sein und bringt uns daher schnell in Situationen, in denen wir pot-committed sind. Wenn man auf den frühen Straßen Pot-Size setzt, zwingt man sich selbst dazu, mit einer mittleren Hand einen sehr großen Pot zu spielen.

Es ist sinnvoller, kleine Pots zu gewinnen und zu folden, wenn jemand anzeigt, eine große Hand zu haben, anstatt die ganze Zeit nur große Pots zu gewinnen und zu verlieren.

Natürlich hängt dies wie alles im Poker von der Situation ab. Wenn wir einen Gegner haben, der gewillt ist, seinen Stack mit Top Pair oder sogar weniger zu riskieren, wird aus dem Overpair J-J plötzlich eine sehr starke Hand.

In einem Standardszenario ist J-J aber nur eine mittlere Hand und sollte auch so gespielt werden.

Buben auf dem Flop

Der Flop kann jede erdenkliche Kombination ausweisen, aber es gibt nur drei Hauptszenarien, denen man mit Pocket Buben immer wieder begegnet. Entweder verbessert man sich zu einer Top Hand (auch Monster genannt), oder man hat ein Overpair, oder man liegt hinter einem Overpair zurück.

Hier die Odds für J-J auf einem Flop J 7 2:

Hand Gewinnchance in %
J J 73
A A 11
T 9 15

Wie man sieht, haben wir hier 73% Gewinnchance, obwohl einer unserer Gegner Asse hält und ein anderer eine Gut Shot Straight. In dieser Situation haben wir nun eine Top Hand. An dieser Stelle verändern wir unsere Strategie und wollen nun so viel Geld in den Pot bekommen wie nur möglich.

Wenn man dagegen ein Overpair gegen andere schwache Hände hält, die das Board gut treffen, verändern sich die Gewinnchancen plötzlich dramatisch:

Hand Gewinnchance in %
J J 44
A K 12
T 9 44

Sehen wir uns die Situation an. Obwohl wie ein Overpair halten, liegt unsere Gewinnchance nur bei 44%. Wir haben die beste Hand bei gleicher Equity, aber die schwachen Odds bedeuten, dass wir uns nun in der Kategorie schwache Hände wiederfinden.

Wir wollen unsere Hand an dieser Stelle nicht folden, aber wir wollen auch nicht unseren ganzen Stack riskieren. Stattdessen versuchen wir, mit Checks und Calls den Pot kleinzuhalten, um zu beobachten, was auf den späteren Straßen noch passiert.

Das dritte Hauptszenario ist ein Flop, auf dem ein Gegner ein Overpair hält. In der folgenden Tabelle fällt der Flop A 7 6.

Hand Gewinnchance in %
J J 7
A K 74
T 9 18

Bryan Devonshire
Pocket Buben können durchaus ein Gefühl der Hochstimmung auslösen.

Auf diesem Flop haben wir plötzlich nur noch 7% Equity. Wir sind ein krasser Außenseiter und sollten unsere Hand entsorgen. Selbst ein kleiner Pot ist schon zu groß, es sei denn, wir haben enorme Implied Odds.

Wenn alle Spieler mehr als 50 BB haben und wir uns sicher sein können, dass unser Gegner seine Asse niemals folden wird, wenn wir noch einen Buben treffen, können wir fortsetzen. In jeder anderen Situation verschwenden wir jedoch nur Geld.

Pocket Buben in Turnieren

In einem Turnier verhalten sich Pocket Buben ganz anders als in einem Cash Game. Abgesehen von den ersten Levels ist man in einem Turnier meistens relativ short-stacked.

In Shortstack-Poker ist die Equity vor dem Flop aber unsere wichtigste Überlegung. J-J ist bei einem Stack von 20 BB eine sehr starke Hand, und man sollte bereit sein, mit einer solchen Hand vor dem Flop oder auf einem Flop ohne Overcards all-in zu gehen.

Shortstack-Pokerstrategie unterscheidet sich grundlegend von Deepstack-Strategie. Mit einem Stack von mehr als 100 BB spielt man ganz anders als mit weniger als 100 BB.

Befindet man sich in einer Hand, in der kein Spieler deutlich Stärke signalisiert, muss man davon ausgehen, dass die Buben ein Monster sind und sie auch so spielen.

Turnierpoker verzeiht normalerweise keinen Fehler. Jeder noch so kleine Fehler kann uns das Turnierleben kosten. Deshalb ist Turnierpoker so stark situations- und readabhängig.

Um J-J gegen ein höheres Pocket folden zu können, muss man beinahe telepathische Kräfte besitzen.

Pocket Buben gehören zu den Händen, die am schwierigsten zu spielen sind. Als Anfänger sollten Sie vorsichtig damit umgehen und nach dem Prinzip „mittlere Hand und kleiner Pot" vorgehen. Halten Sie die Buben als Overpair, spielen Sie sie wie Top Pair.

Denken Sie an eine der ältesten Pokerweisheiten, die da lautet: „Geh niemals broke mit nur einem Paar."

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