Problematische Starthände: Pocket Buben (2) - Ausgerechnet

max-moritz
Ein Paar Buben sind immer gefährlich.

Bevor wir näher darauf eingehen, welche Strategie und Spielweise mit Pocket Buben anzuwenden ist, müssen wir uns die Stärke dieser Hand aus mathematischer Sicht verdeutlichen.

Extrem schwache und extrem starke Hände sind im Allgemeinen recht einfach zu spielen. Wenn man Asse bekommt, weiß man, dass man die beste Hand hat, und mit 2-7 hat man eben die schlechteste. Auch die Hände, die hinsichtlich ihrer Stärke in der Nähe dieser Extreme liegen, machen nicht allzu viele Schwierigkeiten.

Wenn man Könige hält, liegt man wahrscheinlich vorne, mit T-5 wahrscheinlich nicht. Um das zu erkennen, braucht man keine besonderen Kenntnisse oder Fähigkeiten.

Es sind die Hände in der Mitte der Stärkeskala, die die mehr Überlegung erfordern. Von diesen sind die Pocket Buben die vermutlich stärkste.

Knapp ein Viertel der Karten im Deck haben einen höheren Wert als das Paar, das man nun auf der Hand hält. Bekommt ein anderer Spieler am Tisch eine dieser Karten, liegt die Chance, dass er gleich noch eine zweite davon bekommt, bei 16%. Bekommt ein Spieler zwei (verschiedene) Overcards zu unseren Buben, verdoppelt sich die Chance, dass er auf dem Flop ein Paar trifft, auf 32%.

Wie wir im ersten Teil gelernt haben, liegt die Chance, dass ein anderer Spieler ein höheres Paar bekommen hat, bei 12% oder 1:8. In 12% der Fälle liegen wir also schon vor dem Flop weit zurück, und wenn alle Spieler, die eine höhere Karte als einen Buben halten, auch den Flop ansehen, kommen weitere 32% Verlustquote hinzu.

Sorel Mizzi
Sorel Mizzi gehört zu den Spielern, für die das Gefühl wichtiger ist als die Statistik.

Das hört sich zunächst einmal nicht besonders gut an, denn damit verlieren wir in rund 44% der Fälle.  Bevor wir uns aber fragen, wie man denn J-J bei solchen Zahlen zu den fünf besten Händen zählen kann, müssen wie uns vor Augen halten, dass eine Statistik Spielstil und Spielermentalität vollkommen außer Acht lässt.

Nicht jeder Spieler, der eine hohe Karte bekommt, sieht auch einen Flop. Die Zahlen beschreiben also nur, wo Pocket Buben ungefähr stehen, bevor das menschliche Element ins Spiel kommt.

Noch ein paar Daten

In der ersten Tabelle vergleichen wir die Pocket Buben gegen unterschiedlich viele verschiedene, willkürliche Starthände auf einem willkürlichen Board bis zum River. Die Chips lassen wir für den Moment außen vor. Jedes dieser Szenarien wurde millionenfach durchgespielt.

Weitere Hände am Tisch Gewinnchance von Pocket Buben
9 Hände 19%
8 Hände 22%
7 Hände 25%
6 Hände 29%
5 Hände 34%
4 Hände 40%
3 Hände 49%
2 Hände 61%
1 Hand 78%

Es handelt sich hier um die statistische Gewinnchance.

JJ gegen spezifische Hände

In einer Vielzahl der Fälle wird unser Raise mit den Buben dazu führen, dass wir heads-up auf den Flop gehen. In der nächsten Tabelle sehen wir uns an, wie die Buben gegen die Hände aussehen, gegen die wir am wahrscheinlichsten auf dem Flop antreten.

Gegnerische Hand Gewinnchance von Pocket Buben
AA, KK, QQ 18%
TT oder niedrigeres Paar 83%
A-Ks 54%
A-Ts 68%
7-8s 78%

Chris Bjorin
Dieser Gesichtsausdruck könnte auf ein geflopptes Set Buben hinweisen.

In einer Heads-up-Situation liegen die Buben also gegen fast alle Hände (außer drei) vorn. Und deshalb gilt JJ als eine der zehn stärksten Premiumhände.

Die Realität sieht leider so aus, dass wir von AA, KK und QQ immer einen Call bekommen werden, und des Öfteren auch von den anderen Händen. Und wenn das geschieht, gewinnen wir meistens nur einen kleinen Pot, wenn die Gegner nicht treffen, verlieren aber einen großen, wenn sie es tun.

Wenn wir nach einem Raise pre-Flop gegen mehr als einen Gegner auf dem Flop antreten müssen oder unsere Buben vor dem Flop gar nicht raisen, brauchen wir ein ziemlich gutes Gefühl dafür, wie unsere Hand gegen eine ganze Reihe von Ranges steht.

Die nächsten drei Tabellen zeigen, wie sich die Buben gegen eine Mehrzahl verschiedener Hände verhalten. Die gegnerischen Hände stellen einen besonders ungünstigen, einen besonders günstigen und einen Mischfall dar.

JJ gegen ein „günstiges" Feld

Hand Gewinnchance
J J 53%
9 9 9%
4 5 14%
3 3 13%
9 T 11%

JJ gegen ein „ungünstiges" Feld

Hand Gewinnchance
J J 9%
A A 45%
K Q 12%
5 6 20%
T J 15%

JJ gegen ein „gemischtes" Feld

Hand Gewinnchance
J J 37%
A K 24%
3 3 15%
6 5 15%
A 9 9%

Zwar werden wir uns in all diesen Situationen wiederfinden, aber das gemischte Feld ist bei Weitem der häufigste Fall. Wie man an den einzelnen Werten erkennen kann, ändert sich unsere Gewinnchance je nach Verteilung und Zahl der gegnerischen Hände dramatisch.

In einem Feld wie dem obigen haben wir 37% Gewinnchance (sind also 2:1-Außenseiter), bekommen aber 4:1 für unser Geld.

Obwohl die Buben eine Top-5-Hand sind und häufig gute Gewinnchancen haben, werden sie von Anfängern oft fälschlich wie ein Premium-Paar gespielt.

D. h., sie spielen Buben oder Damen genauso wie Könige oder Asse, obwohl die Statistik eindeutig belegt, dass JJ eben bei Weitem nicht so stark ist wie eines der anderen hohen Paare.

Im dritten Teil dieser Serie werden sehen wir uns genauer an, wie die Buben sich aus mathematischer und spielerischer Sicht auf dem Flop verhalten, und wie man die Equity der Buben zu seinem Vorteil ausnutzt. Unter Equity versteht man die relative Stärke einer Hand, also die Zahl der Fälle, in denen diese Hand statistisch gesehen gewinnt.

Als Faustregel gilt: Setzen, wenn man vorne liegt, aussteigen, wenn man hinten liegt. Hört sich einfach an, ist aber gar nicht so einfach umzusetzen.

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