Problematische Starthände: Pocket Buben (1) - Vor dem Flop

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Eine Pokerweisheit sagt: „Es gibt drei Arten, Pocket Buben zu spielen. Sie sind alle falsch."

J-J ist eine Hand, die von vielen Spielern so leidenschaftlich abgelehnt wird, dass sie sich nicht einmal mehr darüber freuen können.

Eigentlich müsste man sich nämlich über die Buben freuen, hat man doch eine der fünf besten Texas Hold'em Starthände erwischt.

Dann aber kommt bei den meisten Spielern schnell die Erinnerung an eine eher mittelmäßige Bilanz zurück, die sie mit dieser Hand erspielt haben.

Fehler im Pre-Flop-Spiel

Anfänger begehen häufig den Fehler, vor dem Flop zu hoch zu raisen. Live sieht man auf den niedrigen Levels Raises bis zu 20 BB. Dahinter steckt die Idee, den Pot schon vor dem Flop zu gewinnen (wer keinen Flop sieht, kann auch keine Fehler machen und Geld verlieren) oder nur von einer Hand gecallt zu werden, die besser ist (ein höheres Paar also).

Manche Spieler stellen auch einfach alle Chips in die Mitte, weil sie jede weitere Entscheidung vermeiden wollen. Dieser Spielzug ist offensichtlich ein Fehler - obwohl der dahinter stehende Gedankengang durchaus nachvollziehbar ist.

Durch diesen Spielzug verliert man mit Pocket Buben fast nie, die Gewinnrate für diese Hand erreicht damit eine enorme Höhe. Das scheint den Spielzug vordergründig zu rechtfertigen, allerdings nur, wenn man einige grundlegende Pokerkonzepte außer Acht lässt.

Wenn man seine Buben so spielt, gewinnt man selten mehr als die Blinds (und manchmal die Einsätze des einen oder anderen Limpers). Verliert man jedoch, dann ist es der gesamte Stack.

Angenommen, wir kaufen uns für 100 BB ein (für Cash Games ist das ein Standard Buy-in) und gewinnen mit unseren Buben acht von neun Mal. Das heißt, wir streichen 8 x 1,5 BB (also SB+BB) = 12 BB ein und verlieren einmal 100 BB. Insgesamt verlieren wir damit 9,8 BB ((12-100) : 9 = -9,8BB), und zwar statistisch gesehen jedes Mal, wenn wir diesen Spielzug vornehmen.

Dan Harrington
Dan Harrington spricht über mittelmäßige Hände in seinen Büchern.

Woher die 8:1-Quote kommt, fragen Sie? Die Chance, ein bestimmtes Pocket Paar zu bekommen, liegt bei 1:220. Die Chance, Asse, Könige oder Damen zu bekommen, ist also dreimal so groß: 3:220. Es gibt neun weitere Spieler an einem Full Ring 10-er Tisch, d. h. die Chance liegt bei 27:220 (ca. 1:8), dass ein Spieler am Tisch ein höheres Paar als J-J erhält.

Dabei geht es uns hier nicht um ein exaktes Ergebnis. Was ist z. B. mit den Situationen, in denen die Buben das Overpair schlagen? Das geschieht etwa alle 10 Mal, was einer Verbesserung unseres obigen Ergebnisses um 1,2 BB entspricht.

Außerdem setzen wir hier voraus, dass jedes Paar Damen oder besser immer bezahlt.

Wir wollen mit diesem Beispiel keine genauen Zahlen bestimmen, sondern vielmehr demonstrieren, dass dieser Spielzug grundsätzlich Geld verliert. Es ist dabei nicht relevant, wie viel Geld er verliert. Wir haben es hier mit einem perfekten einer Way-ahead-or-way-behind-Situation zu tun, also einer typischen Situation, in der man mit seiner Hand entweder weit vorne liegt oder weit hinten. Die einzigen Hände, die das All-in bezahlen, sind besser als Buben.

Die einzige Ausnahme, die jedoch selten vorkommt, ist ein Call mit A-K (oder sogar A-Q). Auf lange Sicht gleichen sich Gewinne und Verluste von J-J gegen A-K aus, deswegen können wir dieses Beispiel außen vor lassen.

Vor dem Flop

Da wir nun zu hohe Raises und All-ins als Optionen ausgeschlossen haben, wenden wir uns der Frage zu, wie man Pocket Buben vor dem Flop besser spielen kann.

Poker ist wirklich ein außergewöhnliches Spiel. Würde man allen Spielern immer wieder dieselben Karten geben, und hätten diese Spieler keine Erinnerung daran, wie sie in den vergangenen Runden ihre Hände gespielt hatten, würde dieselbe Hand immer wieder anders verlaufen, und zwar abhängig von den folgenden Variablen:

  • Position am Tisch.
  • Position zu den anderen Spielern.
  • Position der starken Hände am Tisch.
  • Chaostheorie und Willkür.

Sprechen wir zunächst über die Position am Tisch. Es ist relativ offensichtlich, warum man J-J UTG anders spielt als auf dem Button.

Je besser die Position, desto mehr Information.

Jennifer Harman
Limit-Spezialisten haben ein besseres Gefühl für die wahre Stärke von J-J als reine No-Limit-Spieler.

Maniacs am Tisch beeinflussen, wie wir unsere Hände spielen. Wenn wir einen Spieler am Tisch haben, der fast jede Hand blind all-in schiebt, werden wir unsere Spielweise anpassen, je nachdem, ob der Maniac nach uns oder vor uns an der Reihe ist - unabhängig von der eigenen Position am Tisch.

Hält einer der anderen Spieler A-K, spielt es eine entscheidende Rolle, ob der Spieler mit A-K hinter uns oder vor uns sitzt. Sitzt er vor uns, wird er wahrscheinlich ansetzen, sitzt er hinter uns,  wird er wahrscheinlich bezahlen.

Die Chaostheorie ist übrigens in vielerlei Kontext anwendbar, u. A. auch in Poker. Lassen Sie dieselbe Hand zweimal spielen, ohne eine einzige Variable zu verändern, wird sie wahrscheinlich genauso ablaufen wie beim ersten Mal. Das lässt sich prinzipiell endlos wiederholen.

Aber ab und zu wird etwas Besonderes passieren. Ab und zu wird einer der Spieler plötzlich kreativ und macht etwas Ungewöhnliches.

Der Name „Chaos" bedeutet, dass gewisse Ereignisse nicht vorhergesagt werden können, weder ob sie eintreten noch wann. Es gibt ein paar phantastische Mathematiker, die sich mit diesem Problem beschäftigen und die nachweisen können, dass selbst scheinbar vollkommen willkürliche Ereignisse einem Muster folgen.

Mit Pocket Buben versucht man vor dem Flop, Informationen über die Karten des Gegners zu bekommen. Hat niemand ein höheres Paar, halten wir die beste Hand, deshalb ist ein Open-Raise hier immer auch ein Raise for Value. Gibt es Spieler mit einem höheren Paar, wird daraus ein Informations-Raise.

Gibt es schon vor uns einen Raise, haben wir zwei Möglichkeiten. Entweder ein Call, der bedeutet, dass wir auf dem Flop ohne (weitere) Informationen spielen müssen, oder ein Re-Raise. Geht unser Gegner daraufhin all-in, haben wir einen einfachen Fold, werden wir aber nur gecallt, müssen wir einen großen Pot spielen, und das wahrscheinlich mit einer dominierten Hand.

Nach einem gegnerischen Raise schon vor dem Flop all-in zu gehen, ähnelt dem anfangs besprochenen Spielzug, mit Buben grundsätzlich alle Chips in die Mitte zu stellen. In dieser Situation sind wir jedoch überdurchschnittlich häufig dominiert (denn das Raise weist ja auf eine gute Hand hin), also hat das All-in hier einen negativen Erwartungswert (-EV).

In der Mehrheit der Fälle werden wir mit Pocket Buben vor dem Flop erhöhen. Wir wollen die Potkontrolle übernehmen und den Pot dabei nicht zu groß werden lassen.

In einem Full Ring Cash Game sollten wir mit dieser Hand niemals all-in gehen, ohne sie verbessert zu haben. Um den Pot klein zu halten, werden wir eher checken und callen als zu setzen und zu erhöhen, sobald dies möglich ist.

Leider ist es nicht immer offensichtlich, ob wir mit der besten Hand auf den Flop gehen oder nicht. Buben sind nun mal nur ein Paar, und es gibt noch drei höherwertige Karten.

Selbst als Overpair gelten Buben noch als „Small Pot Hand". Mit diesem Pocket Paar fahren wir am besten, wenn wir den Pot kontrollieren - und zwar einen Pot in überschaubarer Größe.

Im folgenden Artikel nehmen wir uns Mathematik und Statistik vor und zeigen, wie mächtig Buben tatsächlich sind. Im dritten Teil besprechen wir das Spiel nach dem Flop sowie die beste Vorgehensweise mit Pocket Buben in einem Turnierszenario.

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