Problematische Starthände: Ass-König (3) - Die Praxis

Ronny Johanson

Dritter und letzter Artikel der Ass-König-Serie. Wir besprechen Pre-Flop-Konzepte wie 3- und 4-Bets und erläutern die Spieltheorie dieser interessanten Hand.

Pre-Flop-Konzepte: 3-Bets und 4-Bets

Wie in Teil 2 erwähnt, nimmt man sich selbst den Großteil des Profits von A-K, wenn man das Spiel nach dem Flop außer Acht lässt.

Das bedeutet, dass es in einem deep-stacked Full-Ring-Game nur selten eine gute Idee ist, A-K vor dem Flop zu 3- oder 4-betten.

Wenn man nicht gerade mit Spielern an einem Tisch sitzt, die gewillt sind, mehrfach 3- und 4-Bets mit schwächeren Händen zu bezahlen, macht es wenig Sinn, sich vor dem Flop in einen Raise-Reraise-Schlagabtausch verwickeln zu lassen. Das Ergebnis ist in den meisten Fällen, dass man mit A-K all-in geht.

Wer ABC-Poker spielt, hat eine Premium-Hand, wenn er 3- oder 4-bettet. Er zeigt uns damit, dass wir geschlagen sind. Also wollen wir unsere Verluste möglichst niedrig halten und versuchen, billig aus der Hand herauszukommen.

Gehen wir mit A-K pre-Flop all-in, finden wir uns meistens im Konflikt mit Premiumhänden oder in Coin Flips wieder, manchmal dominieren wir ein schwächeres Ass oder einen König, und selten auch in einer 60-40 Situation gegen eine Hand wie J T.

Auf lange Sicht verlieren wir eine Menge Geld mit dieser Strategie. A-K ist eine Hand, die sich nach dem Flop besser spielt.

An einem 6-max Tisch wird durchschnittlich deutlich aggressiver gespielt. Wenn die Range der Hände, mit denen Spieler 3- und 4-Bets ansetzen, immer größer wird, wird aus dem All-in mit A-K ein insgesamt profitabler Spielzug.

Meiner Meinung nach wird die light 3-Bet heutzutage von zu vielen Spielern zu häufig eingesetzt. Natürlich stimmt es, dass viele Online-Spieler heute light 3- oder 4-betten und unser A-K damit ein Monster wird. Andererseits sollte man nicht vergessen, dass abgesehen von extrem aggressiven Spielern immer noch mit einer sehr kleinen Range von Händen vor dem Flop mehrfach erhöht wird.

Das bedeutet, dass wir doch wieder dominiert sind oder uns einem Coin Flip gegenübersehen, oder im besten Fall 60-40 vorne liegen. Noch seltener stehen wir einem schwächeren Ass oder König gegenüber. Gute Spieler werden diese Spielweise immer mit Händen anwenden, die uns dominieren, aber nur selten mit solchen, die wir schlagen.

Nehmen wir all die Coin-Flip- und die 60-40-Situationen aber mit auf den Flop, können wir die Varianz und damit die Verluste eingrenzen. So bringen uns die Situationen, in denen wir dominieren, insgesamt wieder auf die Siegerstraße.

Je aggressiver die Spieler sind, desto aggressiver können wir mit A-K raisen und callen. An einem Full-Ring-Table wird selten jemand mit A-Q 3-betten, 4-betten oder sogar all-in gehen (unter der Voraussetzung, dass beide Raiser deep sind).

In einer 6-max Partie wird aggressiver gespielt, und die Stacks sind meistens nicht so deep. Hier wird A-Q mit deutlich erhöhter Aggression bis zum All-in gespielt.

Abhängig davon, welcher Spieler die 3-Bet ansetzt, kann es in so actionreichen Partien dennoch profitabler sein, sich zunächst einen Flop anzusehen, als sofort all-in zu gehen.

Pre-Flop-Konzepte: Post-Flop-Poker erfordert größeres Können

Post-Flop-Spiel ist deutlich anspruchsvoller als der Push-oder-Fold-Stil vor dem Flop. Das heißt, dass die besseren Spieler sich einen größeren Vorteil verschaffen, wenn sie ihre Gegner mit auf den Flop nehmen, als sie nur vor dem Flop zu spielen.

Ein schwacher Spieler neigt dazu, vor dem Flop aggressiver zu spielen, um damit die Verluste auszugleichen, die er erleidet, wenn er auf dem Flop ausgespielt wird.

Sehr starke Spieler versuchen, beide Komponenten miteinander zu verbinden - sie spielen vor dem Flop sehr aggressiv, um die TAGs aus der Hand zu drängen und ihnen das Geld abzunehmen, sind aber dennoch gewillt, sich den LAGs auf dem Flop zu stellen.

Diese Spieler dominieren die Online-Pokerwelt. TAGs sind gezwungen, ihre Stacks herunterzufolden oder ein Spiel zu spielen, das sie nicht gewohnt sind.

Die anderen LAGs dagegen müssen den Ritt auf der Rasierklinge wagen. Verlieren sie an andere LAGs, gleichen sie die Verluste mit dem Geld aus, dass sie den TAGs abnehmen. An dieser Stelle wird es besonders wichtig, den Gegner gut lesen zu können.

Ist unsere Edge groß genug, liegt es in unserem Interesse, die Hand auf den Flop zu bringen. Deshalb callt z. B. ein Phil Ivey im Vergleich fast jedem anderen Topspieler viel häufiger, statt zu raisen.

Er ist davon (zu Recht) überzeugt, dass er auf dem Flop einen Vorteil hat. Würde er uns erlauben, das Spiel auf ein pre-Flop Push-oder-Fold zu reduzieren, verlöre er einen Großteil seiner Edge, denn er müsste sich auf das Kartenglück verlassen.

Da die Mehrheit der Spieler bereit ist, vor dem Flop mehrfach zu betten, geht es häufig darum, mit der besten Hand in den Pot zu gehen, um aufgrund der Statistik zu gewinnen. Bringen wir unsere Hand aber auf den Flop, kommt auch der Bluff-Faktor wieder ins Spiel, und wir können auch mit schwächeren Karten häufiger gewinnen.

Mit A-K haben wir eine der besten Starthände und damit (in den meisten Fällen) auch die beste Equity. Noch einmal: Es liegt in unserem Interesse, diesen Vorteil post-Flop auszunutzen.

Die meisten Hände kann man gegen niedrige Paare gewinnen, indem man nach dem Flop große Bets ansetzt. So gewinnt man auch Hände, die man bei einem Pre-Flop All-in verloren hätte.

In den Situationen, in denen man gegen die Monster AA und KK läuft, ist das pre-Flop All-in erst recht keine gute Idee. Auf dem Flop hat man noch die Möglichkeit, billig aus einer Hand herauszukommen. Zumindest solange man nicht das letzte Ass floppt.

Pre-Flop-Konzepte: Turnierspiel

In einem Turnier kann der Push oder All-in Call häufig die richtige Wahl sein. Eigentlich hat es weniger damit zu tun, dass man in einem Turnier sitzt, als vielmehr damit, dass man mit und gegen relativ kleine Stacks spielt.

Zu Beginn eines Turniers macht es wenig Sinn, alle Chips in die Mitte zu bringen, wenn man noch 400 BB deep ist. In dieser Situation sollte man Gewinne und Verluste post-Flop kontrollieren. Leider bleiben Turniere oft nicht sehr lange deep-stacked.

In den meisten Online-Turnieren werden die Spieler nicht allzu lange nach dem Beginn short-stacked. Wenn die Spieler nur noch 10 BB oder weniger halten, sind sie gezwungen, ihre Aggressivität zu steigern. Die Range der Hände, mit der nun gepusht wird, ist ziemlich groß. Dazu gehört jedes Paar, jede Hand mit zwei hohen Karten und alle höheren Suited Connectors.

A-K ist in dieser Situation eine profitable Hand. Natürlich kann man immer noch gegen Asse oder Könige laufen, aber die gegnerische Range hat sich so stark erweitert, dass man A-K profitabel auf dem Flop spielen kann.

Pre-Flop-Konzepte: Zusammenfassung

Je aggressiver die Spieler, und je kleiner die Stacks, desto aggressiver und looser spielen wir A-K. Sogar gegen extrem aggressive Spieler mit großen Stacks kann es profitabler sein, das Spiel auf den Flop zu bringen.

Ein hyperaggressiver, looser Spieler wird eine Hand wie A T vor dem Flop folden, aber wenn wir ihn das Ass auf dem Flop treffen lassen, können wir ihm mit A-K den ganzen Stack abnehmen.

Wenn wir stark genug spielen, um einen schwächeren Spieler dazu zu zwingen, seine Entscheidungen auf dem Flop zu treffen, eröffnen wir uns die Möglichkeit, einige Hände zu gewinnen, die uns eigentlich nicht gehören, und wir verringern die Verluste in den Händen, in denen wir unterliegen.

Post-Flop-Spiel

Diese Artikel sollen ausschließlich dazu dienen, Ihnen die Spielweise von A-K nach dem Flop näher zu bringen. Nun ist es an Ihnen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, um die Odds zu Ihren Gunsten zu manipulieren.

Sie setzen Ihren Gegner pre-Flop auf eine Handrange. Danach gilt es, diese Range einzugrenzen und entsprechend fortzusetzen.

Liegen Sie gegen die Range vorn, versuchen Sie, den Pot aufzubauen; liegen Sie hinten, geben Sie die Hand auf. Auf Basis der Vermutungen, die Sie anstellen, berechnen Sie Odds und Outs, um die Hand zu gewinnen, sowie die Chancen, den Pot durch einen Bluff zu entführen.

A-K ist eine der leichter zu spielenden Hände post-Flop, aber lassen Sie sich durch die Stärke der Hand nicht dazu bringen, schwache Calls oder Moves zu machen. Um eine Hand erfolgreich nach dem Flop weiterzuspielen, benötigt man auch eine gewisse Erfahrung.

Je häufiger Sie A-K nach dem Flop spielen, und je besser Ihre Reads auf die Gegner werden, desto besser werden Sie Bets lesen und desto erfolgreicher werden Sie die Hand spielen.

Wenn Sie diese Artikelserie aufmerksam gelesen haben, sollten Sie die Schwächen und Stärken von A-K nun kennen. Auf dieser Basis können Sie die Hand planvoll und durchdacht spielen, anstatt nur nach Gefühl. Dass stärkt Ihre Fähigkeit, die Hand profitabel zu spielen.

Wenn Sie A-K spielen, machen Sie sich jeden einzelnen Spielzug bewusst. Jede Aktion führt zu einer Konsequenz. Überlegen Sie genau, wohin Sie mit Ihren Spielzügen wollen, wählen Sie den korrekten Spielzug, und dann bewerten Sie das Ergebnis.

Sind die Ergebnisse nicht so, wie Sie es sich vorgestellt haben, ist Ihr Read auf den Gegner bzw. seine Hand nicht korrekt. Ihnen bleibt nichts Anderes übrig, als von vorne anzufangen, sich ein Ziel zu setzen und Schritt für Schritt daraufhin zu arbeiten.

Die Ass-König-Serie:

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