Problematische Starthände: Ass-König (1) - Die beste Drawing Hand

Isabelle Mercier
A-K sieht gut aus, kann aber fatal sein, wenn man seine wahre Equita nicht kennt.

A-K, suited oder nicht suited, ist eine Premium-Starthand. Da können Sie jeden fragen. Aber wie kommt es dann, dass die Hand Anfängern so viele Probleme bereitet?

Wie für Premiumhände typisch, sind auch die Pots, die man mit A-K spielt, normalerweise überdurchschnittlich groß. Daher zwingt einen die Hand auch häufiger zu schwierigen Entscheidungen.

Bevor wir uns eine gute Strategie für diese Hand zurechtlegen, sehen wir uns an, wie stark die Hand tatsächlich ist. Dafür betrachten wir die Equity der Hand in verschiedenen Szenarien.

A-K gegen alle

A-K ist eine verzwickte Hand, denn statistisch gesehen tritt eine große Range von Händen gegen sie an. Mit A-K weiß man oft weniger gut, wo man steht, als mit anderen Händen. Es gibt kaum eine schlimmere Situation, als wenn man nicht weiß, ob es gut ist, den Flop zu treffen oder nicht.

Da A-K nun mal eine Drawing Hand ist (d. h. es ist eine Hand, die das Board treffen muss, um besser zu sein als Ass hoch), glauben viele Spieler, dass man mit ihr versuchen sollte, Pots gegen mehrere Gegner zu spielen. Da ihre Hand sowieso treffen muss, vermuten sie, dass man so viel Geld wie möglich in den Pot bekommen sollte.

Mats Sundin
A-K - auch für Sportler eine schwierige Hand.

Es gibt aber auch Spieler, die A-K wie eine Premiumhand spielen und damit große Raises ansetzen, um möglichst einen einzelnen Gegner zu isolieren.

Bevor wir auf die einzelnen Spielweisen eingehen, sehen wir uns im Einzelnen an, wie sie A-K in diesen beiden Spielstielen verhält.

A-K gegen einen einzelnen Gegner

In der folgenden Tabelle vergleichen wir A-K mit AA, KK, QQ, 66, A-Q offsuit und 7-8 suited.

Es würde keinen Sinn machen, A-K mit jeder möglichen Hand zu vergleichen, deshalb haben wir hier eine repräsentative Auswahl getroffen: Overpair, hohes Paar, Underpair, dominiertes Ass und mittlere Suited Connectors.

Gegner Hand gewinnt in % A K gewinnt in %
A A 87,9% 12,1%
K K 65,9% 34,1%
Q Q 53,8% 46,2%
6 6 52,1% 47,9%
A Q 28,7% 71,3%
A Q 24,4% 75,6%

Dies Tabelle dient nur dazu, A-K mit Blick auf die Equity grob einzuordnen. Eine vollständige Liste war hier nicht geplant, vielmehr wollen wir einen Eindruck davon bekommen, wo wir mit A-K gegen einen einzelnen Gegner stehen.

Achten Sie darauf, dass sich die Gewinnchancen auch verändern, wenn wir die Kartenfarben variieren, z. B. in den beiden Beispielen mit A-Q.

Die Equity von A K liegt in unserem Beispiel bei insgesamt 49%. Das mag zunächst überraschen, gehört A-K doch zu den fünf besten Starthänden. Das ist zwar richtig, aber auch ein gutes Beispiel dafür, wie Statistiken - selbst korrekte Statistiken - häufig die Wahrheit verzerren.

Z. B. läuft man zwar ab und zu mit A-K gegen A-A, aber viel häufiger gegen A-Q, A-J und K-Q. Es ist statistisch gesehen wahrscheinlicher, auf Q-Q als auf K-K zu treffen, und es gibt viel mehr nicht-dominierte Suited Connectors als wir aufgeführt haben.

Würde man alle möglichen Hände in unsere Berechnung einbeziehen, würden wir sehr schnell beobachten, dass die Gewinnchance von A-K beträchtlich steigt und damit eine profitable Hand wird.

A-K gegen mehrere Gegner

Nun betrachten wir uns, wie sich A-K angesichts mehrerer Gegner in einer Hand verhält. Wir behalten dieselben Beispielhände bei, aber ich werde verschiedene Szenarien entwerfen.

Beginnen wir mit dem direkten Vergleich. Wir nehmen an, A K geht pre-Flop all-in, sieben Spieler callen, sodass alle Hände bis zum River kommen. Ich weiß, dass dieses Szenario äußerst unwahrscheinlich ist, aber es geht hier nur um die mathematischen Wahrscheinlichkeiten.

Hand Gewinnchance
A K 10,6%
A A 30,8%
K K 8,7%
Q Q 8,1%
6 6 15,5%
A Q 11%
7 8 15,2%

(Haben Sie bemerkt, dass ich die Kartenfarben leicht verändert und das zweite A-Q Beispiel weggelassen habe? Das war notwendig, damit nicht mehrere Spieler dieselbe Karte halten.)

Mike Caro
Mike Caro weiß, dass Cola-Whisky mehrfache Equity besitzt.

In diesem unwahrscheinlichen Szenario gewinnt A-K in 10% aller Fälle (oder jedes zehnte Mal). Da aber nur sieben Gegner im Spiel sind und wir deshalb nur 7:1 für unser Geld bekommen, ist dieses Szenario -EV. Um genau zu sein, jedes Szenario ist hier negativ, solange A-A mit in der Hand ist.

Randbemerkung: Werfen wir kurz einen Blich auf die Gewinnerwartung von A-A. Sie liegt bei 30%, und das bei Odds von 7:1. Deshalb plädieren Spieler wie Mike Caro dafür, dass A-A möglichst in Multiway Pots gespielt werden sollte, um die langfristigen Ergebnisse zu optimieren.

Nehmen wir uns nun ein etwas realistischeres Szenario vor. Die Ergebnisse ändern sich sofort dramatisch. Wir setzen nun A-K in einem gelimpten Pot ein, und zwar gegen eine Range von Händen, die typischerweise in deiner solchen Hand mitspielen. Wenn niemand erhöht, stehen die Chancen gut, dass auch niemand AA oder KK hält.

Hand Gewinnchance
A K 19,5%
A Q 18,6%
A 9 2,7%
6 5 12,5%
T T 24,1%
3 3 15,2%
7 9 7,4%

In diesem etwas wahrscheinlicheren Szenario gewinnt unser A-K in knapp 20% der Fälle den Pot. Wir gewinnen also jedes fünfte Mal. Damit sind wir wieder in den schwarzen Zahlen.

Equity vereinfacht

Wie bereits erwähnt, geht es uns in diesem ersten Artikel ausschließlich darum, die grundsätzliche Equity von A-K zu verdeutlichen. Die angegebenen Zahlen und Ergebnisse sind die Grundlagen, auf denen wir aufbauen. Wir fangen quasi bei Null an.

Wir sprechen hier über reine Equity, nicht zu verwechseln mit anderen Arten von Odds. Die Zahlen vermitteln einen Eindruck davon, wo man mit einer Hand wie A-K steht. Unser Ziel muss es sein, die Statistik zu unseren Gunsten zu verändern, damit unsere Gegner uns bessere Odds geben als es die Basis-Equity tut.

Dario Minieri
PokerStars Pro Dario Minieri kann die Odds nach Belieben manipulieren.

Kurz gesagt: Hand-Equity und Odds sind nicht immer dasselbe. Die Odds sind im Spiel immer Schätzwerte, da wir keine vollständigen Informationen besitzen. Man weiß nicht zu 100%, was der Gegner hält, und für ihn gilt dasselbe.

Das bedeutet, dass sich die Odds abhängig von der Fold Equity (Ihrem Bluff-Spielraum) und Ihren Entscheidungen im Verlauf einer Hand verändern.

Wir können die Hand spielen oder sie folden. Folden wir jedesmal, wenn A-Q eine Dame trifft, und callen wir jedesmal, wenn wir gegen K-K unser Ass treffen, gewinnen wir sehr viel mehr Geld, als die Equity vermuten lässt.

Oder anders gesehen: Wenn wir in jedem Fall, in dem wir auf A-Q treffen, mit 1000 BB all-in gehen, und jedesmal, wenn wir auf A-A treffen, 10 BB verlieren, widerlegen wir die statistische Equity.

Die Equity sagt zwar korrekt voraus, wie oft wir mit unserer Hand gewinnen, aber die tatsächliche Gewinnsumme hängt von unserer Spielweise ab und davon, wie wir die Statistik manipulieren. (Ich weiß natürlich, dass auch dieses Beispiel vollkommen unrealistisch ist. Es geht mir hier darum, das Konzept so klar wie möglich zu machen.)

Wissen und Spielweise verändern die Odds. Wenn das beste und das schlechteste Fußball-Team einer Liga gegeneinander antreten, kann das gute Team angesichts seiner haushohen Favoritenrolle überheblich werden und spielt deshalb schlechter - vielleicht sogar so schlecht, dass es verliert.

Wie oft haben wir schon erlebt, dass genau ein solches Szenario eintritt und der Außenseiter gewinnt? Würden die beiden Teams dagegen nichts von dem anderen wissen und davon ausgehen, dass sie das bessere Team sind, wären die Odds für den Sieg des guten Teams ziemlich exakt.

Wenn Sie sich näher damit beschäftigen möchten, wie die Odds immer wieder der Logik die Stirn bieten können, empfehle ich Ihnen das Drei-Türen-Problem, das man noch vor einigen Jahren sehr schön in der Spielshow „Geh aufs Ganze" beobachten konnte.

In der Spielshow steht der Kandidat vor drei verschlossenen Türen. Hinter einer befindet sich der Hauptpreis - ein Auto - und hinter den anderen beiden der „Zonk". Der Kandidat wählt zunächst ein Tor (Nr. 1). Daraufhin öffnet der Moderator, der weiß, wo sich der Preis versteckt, ein anderes (Nr. 3) und bietet dem Kandidaten an: „Möchten Sie lieber Tor Nr. 2?"

Was sollte der Kandidat tun?

Noah Boeken
Schon manchem ist beim Versuch, das Drei-Türen-Problem zu verstehen, ganz plötzlich schlecht geworden.

Wenn Sie nicht gerade ein Hobby-Logiker sind (oder das Problem kennen), werden Sie spontan wahrscheinlich annehmen, dass es keine Rolle spielt. Zwei Türen, ein Preis, das entspricht doch einer Gewinnchance von 50%, oder?

Tatsächlich ist das aber nicht korrekt. Der Kandidat sollte immer das „andere" Tor wählen. Damit erhöht sich die Gewinnchance auf 66%. Warum das so ist, lesen Sie am besten hier nach.

Im nächsten Artikel bespreche ich verschiedene Taktiken für die Spielweise von A-K, mit denen Sie die Odds zu Ihren Gunsten verändern können.

Bis dahin prägen Sie sich ein, was Odds und Equity wirklich bedeuten und warum sie keine absoluten Größen sind.

Lesen Sie dazu auch:

Texas Hold'em - der Starthände-Spickzettel

A-Q - die schlimmstbeste Hand

Pocket Buben - vor dem Flop

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