Problematische Starthände: A-Q, die schlimmstbeste Hand (1)

Daniel Negreanu

Meine Damen und Herren, und auch alle anderen, es ist Zeit, sich der Realität zu stellen und damit aufzuhören, Ass-Dame zu überspielen.

Daniel Negreanu nannte A-Q früher auch gerne „1,4" - nach den 1,4 Mio. Dollar, die er mit dieser Hand schon verloren hat.

Dies ist für sich genommen die gefährlichste Hand in Poker. Es ist eine der zehn besten Starthände, aber es ist keine Premiumhand. Lassen Sie uns das zunächst klarstellen, bevor wir fortfahren.

Hier die Aufstellung der zehn besten Hände für Full-Ting-Tische nach Ansicht von zwei Pokerprominenten, die es wissen müssen:

Phil Hellmuth        
Mike Caro       
1. A-A A-A
2. K-K K-K
3. Q-Q Q-Q
4. A-K suited J-J
5. J-J A-K suited
6. T-T A-Q suited
7. 9-9 T-T
8. 8-8 A-K offsuit
9. A-Q suited K-Q suited
10. 7-7 A-J suited

Hellmuths Aufstellung basiert auf einer Kombination von Wahrscheinlichkeiten, Erfahrung und Gefühl, Caros ausschließlich auf Mathematik. Von Caro gibt es drei verschiedene Hand-Hitparaden: eine für Full-Ring, eine für Heads-up und eine allgemeine, die quasi eine Annäherung der beiden Listen darstellt.

Phil Hellmuth
Wahrscheinlichkeiten, Erfahrung und Gefühl.

Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Listen besteht für uns darin, wo jeweils die Hand A-Q platziert wurde. Aus mathematischer Sicht sollte die Hand auf Platz 6 stehen. Es sind die Probleme, die A-Q so häufig verursacht, die Hellmuth dazu veranlasst haben, sie nur auf Platz 9 zu setzen.

Zu den Premiumhänden zählen wir nur die ersten fünf in beiden obigen Tabellen. Die Reihenfolge unterscheidet sich dort zwar, aber es handelt sich um dieselben Hände.

Wie man diese Hände vor dem Flop spielt, behandeln wir in einem anderen Artikel in dieser Rubrik: Hold'em vor dem Flop für Anfänger. Sollten Sie zu den Anfängern in diesem Spiel zählen, beginnen Sie Ihre Lektüre dort.

Sollten Sie hier weiterlesen, gehe ich von nun an davon aus, dass Sie ein fortgeschrittener Spieler mit solidem Grundwissen sind, der in der Lage ist, andere Spieler zu lesen und trickreiche Spielzüge anzuwenden, und dass Sie in der Lage sind, marginale Hände aus mittlerer Position zu spielen.

Der Kategorie A-Q

Egal,m in welcher Tabelle Sie nachsehen, A-Q wird immer unter den besten zehn Händen zu finden sein. Als erste müssen wir daher akzeptieren, dass A-Q suited keine Top-10-Hand ist, allerdings eine Top-20-Hand.

Wenn man nach Lehrbuch spielt und sich nach Tabellen richtet, spielt man Ass-Dame suited (A-Qs) niemals aus früher Position, und in mittlerer bis später Position nur, wenn bisher nicht erhöht wurde.

Als Top-20-Hand gehören sowohl A-Qs als auch A-Qo zu den besten 10% aller Starthände. Von allen möglichen Starthänden sind aus statistischer Sicht nur 5,85% genauso stark wie bzw. stärker als A-Q. A-Qs wird nur von 3,77% aller Hände geschlagen.

Insgesamt schlagen 4,81% aller Hände A-Q. Wir verwenden im folgenden 5% als aufgerundeten Näherungswert.

Was Pokermathematik angeht, so müssen die Werte, mit denen wir arbeiten, grundsätzlich nur Näherungswerte sein. Wenn wir auf ein oder zwei Prozent genau sind, reicht das völlig aus.

Solange unsere Entscheidungen einen positiven Erwartungswert haben, ist der exakte Wert nicht wichtig. Ob wir jetzt 64% oder 65% Gewinnchance haben, ist irrelevant für die Art, wie man die Hand spielen muss.

Raise oder nicht Raise?

Wer ABC-Poker spielt, nimmt sowieso nur die besten 20 Hände auf. Damit sind nach Lehrbuch nicht ganz 10% aller Hände überhaupt spielbar.

Im Durchschnitt sollte man eine Hand pro Orbit spielen. Das sind in einer Live-Partie ungefähr drei Hände pro Stunde. Online sind es wegen der höheren Geschwindigkeit etwa drei Mal so viele pro Tisch.

Wenn nur 5% aller Hände besser sind als unser A-Q, sollten wir damit die Equity auf unserer Seite haben. Mit der größten Equity lautet das Motto: Raise. Es gilt, den Pot aufzubauen.

Wenn nur 10% aller Hände spielbar sind, und diese gehört zu den Händen mittlerer Stärke, sollte man sie spielen, und zwar mit Vollgas.

Mike Caro
Meine Damen und Herren - Mike Caro!

Leider funktioniert Poker nicht so geradlinig. Die Dinge sind selten so einfach.

Ein gutes Beispiel dafür habe ich aus Mike Caros Buch Caros Most Profitable Hold'em Advice. Ich habe es vor vielen Jahren gelesen, als Texas Hold'em noch längst nicht so gut untersucht war und relativ wenig wissenschaftliche Kenntnisse bestanden.

Damals glaubten viele Spieler, dass die beste Starthand J-T suited sei. Es sind die höchsten Suited Connectors mit vollem Straightpotenzial  nach oben und unten, im Gegensatz z. B. zu Q-J.

Betrachten wir A-Q nur danach, wie die Hand statistisch gesehen ausfällt, tun wir ihr meiner Meinung nach etwas unrecht. Wir würden praktisch mit Halbwahrheiten arbeiten und ein paar wichtige Aspekte auslassen.

Die Wahrheit ist einfach: A-Q gewinnt nicht in 95% der Fälle.

In der nächsten Folge untersuchen wir A-Q näher und befassen uns mit der tatsächlichen Stärke der Hand. Im dritten und letzten Teil widmen wir uns der besten Spielweise mit A-Q.

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