PokerStars EPT San Remo: Tag 1a - Die Paganos

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Es gibt Städte, da hört man den Namen und sofort klingelt irgendwas im Ohr. Montevideo ist so eine Stadt, Marrakesch oder eben San Remo. Der Italien-Stop der European Poker Tour gilt mittlerweile als populärster und vom Preisgeld saftigster Event des Jahres. Und weil bei so vielen Italienern der „dead money factor" besonders hoch zu sein scheint, lässt sich kaum ein europäischer Spieler die Reise nach San Remo entgehen.

Sieht man einmal ab von den großen Zeiten der nahe gelegenen Cote d'Azur in den 50er und 60er Jahren dann ist es eigentlich nicht viel, was das kleine Küstenstädtchen an der Riviera di Ponente in Ligurien für einen Mythos zu bieten hat. Da ist der Film „Schussfahrt nach San Remo" mit dem großen französischen Komiker Bourvil, das älteste Filmfestival Europas und ein Radklassiker namens „Mailand - San Remo".

Doch weil all das mittlerweile eher in ein Heimatmuseum zu gehören scheint, ist es gut, dass der Küstenort mit seinem gewaltigen Casino und den prunkvollen Art deco Hotels jährlich einmal eine Frischzellenkur erhält.

Mit bis zu 80 deutschsprachigen Spielern wird dieses Jahr gerechnet. Letztes Jahr war es das Turnier von Dragan Galic und dem späteren Gewinner (und gleichzeitigem Loser) Constant Rijkenberg, was Michael Keiner zu der Aussage animierte: „Der Gewinner von San Remo ist traditionell der größte Donk-Winner der Saison". Ob das auch für 2010 gilt, erfahrt Ihr hier in den kommenden sieben Tagen.

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Chipcounts im Ferrari-Tempo,

Hinsichtlich Tag 1a lässt sich reportieren: Florian Langmann und Dragan Galic sind bereits ausgeschieden. Mit Alejandro Pena (130.000) und dem mysteriösen Mohsen Jalal Tayfeh Shokor (115.000) gibt es zwei Überraschungen. Weit vorn im allgemeinen Chipcount steht der Münchner Igor Kurganov, der sich den gesamten Tag im oberen Drittel bewegte und am Samstag mit 162.000 Chips wiederkommt. Die Story des Tages produzierte Thomas Rauhut, der zwischenzeitlich noch zwei lilafarbenen (500) und einen schwarzen (100) Chip vor sich liegen hatte und nun wieder bei unfassbaren 57.000 Chips steht. Heute wird dann die zweite, noch stärkere Welle an deutschsprachigen Spielern erwartet. Nasr el Nasr, Benny Spindler und Boris Becker wurden schon gesichtet. Sebastian Ruthenberg, Johannes Strassmann und Benjamin Kang werden stündlich erwartet.

Ein bisschen mehr Zeit als üblich haben sie allerdings. In Island ist vor zwei Tagen ein Vulkan ausgebrochen und weil einige Flughäfen (unter anderem Hamburg) wegen der gigantischen Rauchwolke gesperrt sind, dürfen sich Spieler heute bis zum vierten Level anmelden. Bei bereits 585 Spielern gestern dürfte das für heute in jedem Fall eins bedeuten: der EPT Rekord vom letzten Jahr (1178) wird mit hoher Sicherheit fallen.

Besondere Freude kommt da bei Familie Pagano auf. Die nämlich haben hier mit ihrer Unternehmung „Paganoevents" alle Fäden in der Hand. Und die Aufgaben sind in la familia klar verteilt: Sohn Nummer 1, Luca Pagano spielt und versucht eine Großteil des Preisgeldes in der Sippe zu halten. Sohn Nummer 2, Nicola steht am Counter und hält die drängelnden Massen in Schach und Pagano Nummer 3, Vater Claudio ist hier so eine Art spiritus rector.

Wir haben ihm das Interview des Tages gewidmet:

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Signore Pagano.

Signore Pagano, sie sind hier so eine Art Generalmanager für das größte EPT-Turnier des Jahres. Wie zufrieden stellend ist der erste Tag gelaufen?

Es sind mehr gekommen, als erwartet und es gab keinerlei organisatorische Probleme. Sowas ist in Italien nicht selbstverständlich.

Der Name Pagano scheint im italienischen Poker allgegenwärtig. Sind sie so eine Art Poker-Mafia?

(Lacht). Wir sind ja keine Neulinge, die sich mit Gewalt ein Monopol geschaffen haben. Ich habe vor knapp 20 Jahren schon die großen Backgammon-Turniere in Italien ausgerichtet. Mitte der 90er habe ich dann zusammen mit meinem Sohn Luca das Pokerspiel entdeckt. Er hat dann mehr gespielt und ich habe das geschäftliche Potential ausgelotet. Irgendwie sind wir auf unserem Gebiet dann schnell erfolgreich geworden. Was zum Beispiel keiner weiß: die EPT-Spieltische sind von Anfang an von mir konzipiert und angefertigt worden. Irgendwann war klar, dass die explosionsartig wachsende italienische Pokerszene erfahrene Organisatoren braucht. Und auf diesem Gebiet waren wir Paganos nun mal die Besten.

Die Qualität kann man ihnen nur schwerlich absprechen. Sie haben da so ein eigenes Chipcountsystem, das es uns Journalisten wirklich leicht macht den Überblick über das Turniergeschehen zu behalten. Zum Beispiel dauert es auf ihrer Seite www.paganoevents.com kaum fünf Minuten bis man über wirklich jeden einzelnen Bustout mit Namen und Nation informiert wird. Wie machen sie das?

An unseren Tischen hat jeder Spieler eine Nummer. Wir haben fünf Mitarbeiter, die mit kleinen Computern durch das Turnierareal laufen und sofort die Nummer eintippen, wenn sie vom Dealer abgegeben wird. In unserem System gibt es dann eine klare Zuweisung zu einem Namen und einer Nation. Schneller bekommt diese Aktualisierung wohl keiner in Europa hin.

Da muss man dem lässigen Patrone Recht geben. Ich werde den charmanten Signori Claudio Pagano und seine Söhne in den kommenden Tagen im Auge behalten.

Hier aber erstmal noch ein paar interessante Chipcounts:

  • Igor Kurganov (D) 162.000
  • Ronny Kaiser (SUI) 120.000
  • Paul Knebel (D) 108.000
  • Holger Kanisch (D) 67.000
  • Mario Puccini (D) 64.000
  • Heinz Kamutzki (AUT) 48.000
  • Moritz Kranich (D) 26.000
  • Michael Keiner (D) 12.000

Christian Henkel

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